Für wen eignet sich die Fernwärme-Installation?
Fernwärme kompakt erklärt
Mit dem Heizungsgesetz rückt ein neues Thema in den Fokus deutscher Heizungsbesitzer: Fernwärme. Sie soll in Zukunft Lücken im Heizungsmix schließen. Doch was ist Fernwärme eigentlich, für wen eignet sich die Installation und mit welchen Vorteilen, Nachteilen und Kosten müssen Hausbesitzer rechnen?
Das erfahren Sie in diesem Artikel:
Fernwärme: Was ist das eigentlich?
Wie der Name schon sagt: Wer Fernwärme nutzt, holt sich die Wärme aus der Ferne ins Haus. Anders herum gesagt: Sie wird nicht zu Hause erzeugt.
Stattdessen wird die Wärme von einem zentralen Wärmekraftwerk oder einer Kraft-Wärme-Kopplungsanlage zu den Haushalten transportiert. Fernwärme kann aus Abfall, fossilen Brennstoffen oder Biomasse gewonnen werden. Bei der Erzeugung von Fernwärme sind auch innovative Technologien im Einsatz, z. B. Brennstoffzellen oder Großwärmepumpen.
Fernwärme wird in zentralen Anlagen erzeugt und über ein Rohrnetz zu den angeschlossenen Gebäuden transportiert. Als Wärmequellen kommen unter anderem Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, Großwärmepumpen, Geothermie, Solarthermie, Biomasse, Müllverbrennung und unvermeidbare industrielle Abwärme infrage. Welche Energiequellen tatsächlich eingesetzt werden, unterscheidet sich von Netz zu Netz.
In Form von Heißwasser oder Wasserdampf wird die Fernwärme über isolierte Rohrleitungen weiter transportiert. Je länger die Leitung ist, desto höher der Energieverlust (die Dämmung der Rohre spielt also eine wichtige Rolle).
Fernwärme spielt vor allem in dicht bebauten Städten und bei größeren Gebäuden eine Rolle. Bei den 2025 fertiggestellten Wohngebäuden war sie in 8,3 Prozent der Fälle die wichtigste Heizenergie.
Welche Rolle spielt Fernwärme nach dem neuen Heizungsgesetz?
Fernwärme bleibt eine wichtige Möglichkeit für die künftige Wärmeversorgung. Das neue Gebäudemodernisierungsgesetz schreibt Hausbesitzern aber nicht vor, sich für Fernwärme zu entscheiden. Eigentümer können grundsätzlich selbst wählen, welches Heizsystem zu ihrem Gebäude passt.
Ob ein Fernwärmeanschluss vor Ort realistisch ist, zeigt vor allem die kommunale Wärmeplanung. Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern mussten ihre Wärmepläne bis Ende Juni 2026 vorlegen, kleinere Kommunen haben grundsätzlich bis Ende Juni 2028 Zeit.
Ein Wärmeplan kann Gebiete ausweisen, in denen ein Wärmenetz vorhanden ist, ausgebaut oder neu errichtet werden soll. Daraus entsteht jedoch noch kein Anspruch darauf, dass das eigene Haus tatsächlich angeschlossen wird. Entscheidend bleibt die konkrete Ausbauplanung des örtlichen Versorgers.
Tipp: Fragen Sie nicht nur bei der Kommune, sondern direkt beim Netzbetreiber nach. Wichtig sind ein realistischer Anschlusstermin, die Anschlusskosten und ein konkretes Vertragsangebot.
Fernwärme: Was Sie zur Installation wissen müssen
Für welche Häuser ist die Fernwärme installation möglich? Im Gegensatz zu einer Gasheizung oder Wärmepumpe entscheiden nicht Sie, ob eine Fernwärme-Installation bei Ihnen möglich ist, sondern die örtlichen Stadtwerke. Nur wenn sie diese Versorgung bereitstellen, ist auch ein Fernwärmeanschluss möglich.
Für die Stadtwerke lohnt sich Fernwärme nur dann, wenn genügend andere Hausbesitzer diese Möglichkeit nutzen wollen. Denn die örtliche Nähe zum Kraftwerk ist für die Fernwärmeversorgung unerlässlich. Das liegt daran, dass heißes Wasser das Transportmedium ist − das mit zunehmender Leitungslänge immer kälter wird. Sie sind also auf das Angebot in Ihrem Wohngebiet angewiesen.
So erfolgt die Fernwärme installation
Wird an Ihrem Wohnort Fernwärme angeboten, erfolgt die Installation in mehreren Schritten:
- Machbarkeit: Zunächst wird geprüft, ob die Fernwärmeversorgung für Ihr Wohngebiet möglich ist: Wie nah liegt es zum nächsten Fernwärmewerk? Was sind die örtlichen Gegebenheiten für den Bau des Fernwärmenetzes?
- Hausanschlüsse: Anschließend wird für die einzelnen Gebäude bewertet, welche Anschlussmöglichkeiten bestehen. Passt alles, wird ein Wärmeübergabepunkt hergestellt, an dem die Fernwärme in das hausinterne Heizsystem eingespeist wird.
- Installation: Zum Schluss erfolgt die Installation, die vom örtlichen Versorgungsunternehmen abgenommen und in Betrieb genommen wird.
Für wen eignet sich Fernwärme?
Fernwärme ist prinzipiell für verschiedene Gebäudetypen geeignet, wie Wohnhäuser, Gewerbegebäude, Industrieanlagen und öffentliche Einrichtungen.
Erkundigen Sie sich bei Ihrem Energieversorger, ob es in Ihrer Region Fernwärme gibt und ob Ihr Haus an das Fernwärmenetz angeschlossen werden kann. Auch dann sollten Sie prüfen, wie teuer Fernwärme im Vergleich zu anderen Heizmöglichkeiten ist.
Welche Heizung lohnt sich für mich?
Ob sich Fernwärme oder ein anderes Heizungssystem für Sie lohnt, lässt sich nur individuell entscheiden. Unsere Fachartikel helfen Ihnen bei der Entscheidung:
- Meist wird eine Heizung erst ausgetauscht, wenn irreparable Schäden auftreten. Mit unserer Checkliste erkennen Sie rechtzeitig, wann sie ersetzt werden muss »
- Was sind die besten Alternativen beim Austausch einer Öl- oder Gasheizung? Hier erfahren Sie, welche Heizung im Altbau sinnvoll ist »
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Drum prüfe, wer sich ewig bindet ...
Ein Nachteil der Fernwärme ist die feste Bindung an einen einzigen Lieferanten. Im Gegensatz zum Strommarkt ist es in der Regel nicht möglich, den Anbieter zu wechseln und die Wärme von einem anderen Kraftwerk zu beziehen. Deshalb entfällt auch die Möglichkeit, Preise für Fernwärme zu vergleichen.
Dies führt zu einer Abhängigkeit des Verbrauchers. Bei Fernwärme gibt es also keine freie Wahl des Anbieters! Vor Vertragsabschluss sollten Sie daher genau prüfen, welche Kündigungsbedingungen gelten und ob es Ausstiegsklauseln gibt.
Wieviel kostet eine Heizung?
In diesem Artikel stellt die Wüstenrot Bausparkasse die Kosten verschiedener Heizsysteme gegenüber.
Ist Fernwärme klimafreundlich?
Im Gebäude entstehen keine direkten Emissionen durch einen eigenen Heizkessel. Wie klimafreundlich Fernwärme insgesamt ist, hängt jedoch vom jeweiligen Wärmenetz ab. Besonders günstig können Netze sein, die viel industrielle Abwärme, Geothermie, Umweltwärme, Solarthermie oder erneuerbaren Strom für Großwärmepumpen nutzen. Wird die Wärme dagegen überwiegend mit Erdgas, Kohle oder anderen fossilen Energieträgern erzeugt, fällt die Klimabilanz entsprechend schlechter aus.
Für Fernwärme spricht, dass sowohl Strom als auch Wärme produziert wird. Das ist viel effizienter als andere Methoden, weil der Brennstoff besser genutzt wird. Gut ist auch, wenn das Kraftwerk die Abwärme nutzt, die zum Beispiel bei der Müllverbrennung entsteht. Kraftwerke, die nur Strom erzeugen und die Wärme ungenutzt lassen, haben nur eine Energieausbeute von etwa 50 Prozent.
Um zu erfahren, wie klimafreundlich Ihre Fernwärme ist, müssen Sie wissen, welche Energiequellen Ihr Versorger nutzt und wie viel CO2 dabei entsteht. Doch die meisten Versorger schweigen sich darüber aus.
Wärmenetze müssen bis 2045 vollständig auf erneuerbare Energien und unvermeidbare Abwärme umgestellt sein. Nicht vollständig klimaneutrale Netzbetreiber müssen bis Ende 2026 einen Ausbau- und Dekarbonisierungsfahrplan erstellen.
Fernwärme-Installation: Die 5 wichtigsten Vor- und Nachteile
Fernwärme hat nicht nur Vorteile, aber da, wo sie verfügbar ist, kann sie sich für viele Hausbesitzer lohnen. Das sind die wichtigsten Vor- und Nachteile einer Fernwärme-Installation für Hausbesitzer:
Vorteile einer Fernwärme-Installation
- Versorgungssicherheit: Fernwärmenetze sind in der Regel robust und bieten auch bei Ausfall einzelner Wärmeerzeuger eine zuverlässige Wärmeversorgung.
- Platzersparnis: Fernwärme spart Platz in Gebäuden, da keine individuellen Heizsysteme benötigt werden. Durch den Wegfall der Heizungsanlage entfallen aufwendige Rohrleitungen und es wird weniger Platz im Technikraum benötigt.
- Energieeffizienz: Fernwärme ist eine effiziente Form der Energieversorgung, da sie zentral und in großen Mengen erzeugt werden kann.
- Umweltfreundlich: Fernwärme kann aus erneuerbaren Energiequellen wie Biomasse, Geothermie oder Abwärme gewonnen werden, was zu geringeren CO2-Emissionen führt. Fernwärme ermöglicht auch die effiziente Nutzung von Abwärme aus Industrieprozessen oder Müllverbrennungsanlagen, die sonst ungenutzt bliebe.
- Komfortabler Betrieb: Brennstoffbeschaffung und viele Wartungsarbeiten übernimmt der Versorger.
Nachteile einer Fernwärme-Installation
- Höhere Kosten möglich: Der Betrieb einer Fernwärmeheizung kann teurer sein als der einer Gasheizung oder anderer Heizungsarten.
- Langfristige Entscheidung: Fernwärme ist oft auf bestimmte Gebiete beschränkt und nicht überall verfügbar. Das schränkt die Flexibilität bei der Standortwahl ein.
- Abhängigkeit vom Versorger: Durch die vertragliche Bindung sind die Verbraucher von einem bestimmten Fernwärmelieferanten abhängig, der die Preise erhöhen kann. Häufig besteht ein Versorgungsmonopol.
- Fehlende Brennstoffwahl: Der Verbraucher hat keinen Einfluss darauf, welchen Brennstoff der Fernwärmeanbieter verwendet, d. h. es können auch fossile Brennstoffe zum Einsatz kommen. Wer ausschließlich nachhaltig heizen will, schaut in die Röhre.
- Verfügbarkeit: Manche wollen und können nicht: Die Verfügbarkeit von Fernwärme ist oft auf bestimmte Gebiete oder Städte beschränkt, was die Nutzungsmöglichkeiten einschränken kann.