Austauschpflicht für alte Öl- und Gasheizungen – was muss ich beachten?

Austauschpflicht gemäß EnEV § 10

Foto: Intelligent heizen/VdZ

Die Energieeinsparverordnung (EnEV) schreibt eine Austauschpflicht für viele Öl- und Gasheizungen vor, die über 30 Jahre alt sind. Aber es gibt viele Ausnahmen: Vor allem langjährige Hauseigentümer sind von der Austauschpflicht ausgenommen.

Käufer und Erben alter Häuser müssen jedoch mit zusätzlichen Kosten für eine neue Heizung rechnen. Erfahren Sie hier, ob Ihre Heizung auch von der Regelung betroffen ist.

Das erfahren Sie in diesem Artikel:

  1. Warum gibt es die Austauschpflicht für alte Öl- und Gaskessel?
  2. Welche Öl- und Gaskessel müssen ausgetauscht werden?
  3. Woher weiß ich, wie alt meine Heizung ist?
  4. Heizungstausch: Welche Alternativen gibt es?
  5. Was muss ich jetzt tun?

Warum gibt es die Austauschpflicht für alte Öl- und Gaskessel?

Rund die Hälfte aller Öl- und Gasheizungen in Deutschland sind älter als 15 bis 20 Jahre. Sie entsprechend nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik, sowohl was den Energieverbrauch als auch die Schadstoffemissionen betrifft.

Um die Ressourcen fossiler Brennstoffe zu schonen, sollen veraltete und ineffiziente Öl- und Gasheizungen durch energiesparendere Heizungen ausgetauscht werden. Das Augenmerk liegt dabei auf über 30 Jahre alten Konstanttemperaturkesseln, die besonders ineffizient heizen und deutlich mehr Energie verbrauchen als nötig.

Welche Öl- und Gaskessel müssen ausgetauscht werden?

Die Austauschpflicht gilt für alle Besitzer älterer Ein- und Zweifamilienhäuser, die ihre selbst genutzten Häuser nach dem 1. Februar 2002 übernommen haben. Das gilt auch für Erben, die schon länger im Haus wohnen, es aber erst nach dem Stichtag geerbt haben.

Umgekehrt bedeutet das: Wenn Sie die Immobilie vor diesem Stichtag erworben haben, kann Ihre Ölheizung drin bleiben.

§ 10 der Energieeinsparverordnung (EnEV) legt fest, dass alle Öl- oder Gaskessel ausgetauscht werden müssen, die ...

  • älter als 30 Jahre sind: Stand 2020 ist Ihre Heizung von einem Austausch betroffen, wenn das Baujahr Ihrer Ölheizung 1990 und älter ist.
  • Konstanttemperaturtechnik verwenden. Heizkessel, die auf Niedertemperatur- oder Brennwerttechnik basieren, dürfen hingegen weiterhin betrieben werden und sind nicht von der Austauschpflicht betroffen.
  • eine Heizleistung von 4 bis 400 kW haben. Umgekehrt bedeutet das: Alle Kessel mit einer kleineren oder höheren Heizleistung sind von der Austauschpflicht ausgenommen.

Von der Austauschpflicht ausgenommen sind außerdem Festbrennstoffkessel, Einzelraumheizungen und direkt befeuerte Warmwasserbereiter.

Aktuelle Regelungen des Klimapakets der Bundesregierung

Mit dem neuen Klimapaket wurde ein Ölheizungsverbot beschlossen:

  • So dürfen nur noch bis Ende 2025 neue Öl-Brennwertkessel installiert werden, ab 2026 sind reine Ölheizungen verboten.
  • Ab 2026 ist nur noch die Installation von Öl-Hybridheizungen möglich, bei denen zusätzlich zur Ölheizung ein Wärmeerzeuger auf Basis erneuerbarer Energien verbaut wird.
  • Eine Förderung für Ölheizungen gibt es bereits jetzt nicht mehr.

Alle wichtigen Infos rund ums Ölheizungsverbot (und welche Ausnahmen es gibt) finden Sie hier: Ölheizungsverbot: Wie lange sind Öl- und Gasheizungen noch erlaubt? »

Weitere Infos zum Klimapaket finden Sie hier: So profitieren Sie von den Neuerungen »

Woher weiß ich, wie alt meine Heizung ist?

Das Alter Ihrer Heizung können Sie am Typenschild der Heizung ablesen. Maßgeblich ist das Kesselalter. Wenn Sie zwischenzeitliche einzelne Komponenten, wie beispielsweise den Brenner ersetzt haben, spielt das bei der Berechnung keine Rolle.

Wenn das Typenschild nicht mehr ablesbar ist, können Sie auch im Schornsteigerprotokoll, alten Bauunterlagen oder Rechnungen nachschauen.

Heizungstausch: Welche Alternativen gibt es?

Ein Kaminofen sorgt nicht nur für ein behagliches Wohngefühl, sondern entlastet auch die Hauptheizung und hilft, den Verbrauch fossiler Brennstoffe zu senken.
Foto: Intelligent heizen/VdZ

Grundsätzlich ist es empfehlenswert, erneuerbare Energien für Ihre neue Heizungsanlage zu nutzen. Das ist auch vor dem Hintergrund der geplanten CO2-Bepreisung auf alle fossilen Energieträger sinnvoll: Öl wird in den nächsten Jahren stetig teurer werden.

Wenn Sie Ihre Öl- oder Gasheizung austauschen müssen, gibt es mehrere Alternativen:

  • Sie könnten auf eine effektivere Öl-Brennwertheizung umrüsten und diese z.B. durch Solarthermie (Warmwassererwärmung) ergänzen. Das entlastet die Hauptheizung und senkt den Verbrauch des fossilen Brennstoffs. Das Dach sollte dann im Optimalfall nach Süden oder Westen ausgerichtet sein.
  • Wo ein Gasanschluss vorhanden ist, kann ein neuer Gas-Brennwertkessel eine Option sein. Die Anschaffungskosten sind im Vergleich zu Holzpelletanlagen oder Wärmepumpe niedriger.
  • Pelletheizungen nutzen den nachwachsenden Rohstoff Holz. Als Pelletlager könnten Sie den Raum nutzen, in dem vorher der Öltank stand.
  • Wenn das Haus gut gedämmt ist, könnten Sie die Ölheizung durch eine Wärmepumpe ersetzen. Im ungedämmten Altbau kann sie leider schnell zum Stromfresser mutieren.

Was muss ich jetzt tun?

Energieberater ermitteln energetische Schwachstellen und erstellen einen Sanierungsfahrplan.
Foto: Intelligent heizen/VdZ

Sind Sie von der Austauschpflicht für Öl- und Gasheizungen betroffen, dann heißt es für Sie zu modernisieren. Die neue Heizung sollte auf Ihr Gebäude und Ihren Heizbedarf abgestimmt sein.

Kompetente Beratung rund um das Thema Heizung gibt es beim Schornsteinfeger, beim Heizungsinstallateur oder − bei größeren Sanierungsvorhaben − beim Energieberater. Die Kosten für eine neutrale und professionelle Energieberatung werden vom BAFA bezuschusst: Förderung für Energieberatung: Bis zu 80 Prozent Zuschuss möglich »

Achtung!

Wenn die 30jährige Ablauffrist bei Ihrer Heizungsanlage bald abläuft, sollten Sie schnell handeln. Denn was vielen nicht bewusst ist: Sobald Ihre Öl- oder Gasheizung der Austauschpflicht unterliegt, bekommen Sie für den Einbau einer neuen klimafreundlicheren Heizungsanlage keine Fördergelder mehr. Achten Sie deshalb darauf, rechtzeitig die Förderung für Ihre neue Heizungsanlage zu beantragen. Wenn Sie unsicher sind, wie alt Ihre Heizungsanlage ist, sollten Sie dies möglichst bald überprüfen.

Aber: Alternativ gibt es in jedem Fall einen 20 % steuerliche Förderung auf die gesamte Handwerkerrechnung. Diese gibt es unabhängig davon, ob eine Nachrüstungsverpflichtung besteht. Mehr Informationen:
Neuer Steuerbonus für energetische Sanierungen: So sparen Sie bis zu 40.000 Euro »

Nutzen Sie Fördermittel

Die Förderbedingungen für einen Heizungstausch sind derzeit so günstig wie nie. Wer eine Ölheizung besitzt und jetzt auf ein klimafreundlicheres Modell wechseln möchte, wird finanziell belohnt. So gibt es satte 45% Zuschuss vom BAFA, wenn Sie Ihre alte Ölheizung durch eine Anlage mit erneuerbaren Energien ersetzen − zum Beispiel eine Wärmepumpe oder eine Biomasseheizung.

Für die Umstellung vom Öl auf eine Gas-Hybridheizung, die mit erneuerbaren Energien gekoppelt ist, gibt es 40% Zuschuss. Die Fördermittel können Sie ebenfalls beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) beantragen.

Einen Überblick über die neuen Fördergelder finden Sie hier:

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