Grundsteuerreform: Was gilt für mein Bundesland?

Neue Grundsteuer 2022

Alles Wichtige zur neuen Grundsteuer

Foto: Bundesverband Deutscher Fertigbau/Peter Sondermann

Ab dem Jahr 2025 tritt die Grundsteuerreform in Kraft: Sie soll für eine gerechtere und einfachere Berechnung der Grundsteuer sorgen, steht mittlerweile allerdings stark in der Kritik. Wir geben einen Überblick zu den Hintergründen der Reform und erklären, wie sich die Grundsteuer für jedes Bundesland berechnet.

Das erfahren Sie in diesem Artikel:

  1. Warum die Grundsteuer reformiert werden muss
  2. So wird die neue Grundsteuer berechnet
  3. Die neue Grundsteuer: Was passiert bis 2025?

Warum die Grundsteuer reformiert werden muss

Die Grundsteuer braucht ein Update: Die Reform soll für mehr Gerechtigkeit bei der Grundsteuerermittlung sorgen.

Die Einheitswerte, die bisher zur Berechnung der Grundsteuer dienten, stammen aus dem Jahr 1964 (westliche Bundesländer) oder sogar aus dem Jahr 1935 (östliche Bundesländer). Es liegt auf der Hand, dass es im Lauf der Zeit zu teils erheblichen Wertverzerrungen kam – sodass für gleichartige Grundstücke unterschiedliche Grundsteuern anfallen.

Das Bundesverfassungsgericht erkannte darin einen Verstoß gegen das im Grundgesetz verankerte Gebot der Gleichbehandlung und entschied 2018: Die Bewertung von Grundstücken mit dem Einheitswert im Rahmen der Grundsteuer ist verfassungswidrig. Bis zum Inkrafttreten der Neuregelung am 1. Januar 2025 darf übergangsweise die alte Regelung weiter angewendet werden.

Achtung!

Aktuell laufen mehrere Klagen gegen die Grundsteuerreform, viele Hauseigentümer haben Widerspruch eingelegt. Ihr Argument: Die Bemessungsgrundlage nach dem Bodenrichtwert wird nicht grundstücksgenau ermittelt, könnte somit gar verfassungswidrig sein.

Wir informieren über die Hintergründe zur Streitfrage und geben Tipps, was Sie jetzt tun sollten in unserem Artikel zur Grundsteuer: Ist das Bundesmodell verfassungswidrig?

So wird die neue Grundsteuer berechnet

Am bisherigen dreistufigen Verfahren wird sich nichts ändern. In Stufe 1 wird jedoch nicht mehr der Einheitswert, sondern der neue Grundsteuerwert berechnet. So wird die neue Grundsteuer berechnet:

  1. Stufe: Grundsteuerwert-Ermittlung
  2. Stufe: Berechnung des Steuermessbetrags aus Grundsteuerwert und Steuermesszahl
  3. Stufe: Anwendung des Hebesatzes auf den Steuermessbetrag und Berechnung der Grundsteuer.

Auf eine einfache Formel gebracht, bedeutet das:

Grundsteuerwert x Steuermesszahl x Hebesatz = Grundsteuer

Die folgende Beispielrechnung des Bundesfinanzministeriums veranschaulicht die Berechnung:

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Was gilt für mein Bundesland?

Die neuen Regeln zur Berechnung der Grundsteuer sollten eigentlich bundesweit gelten. Sieben Bundesländer haben sich aber gegen das Bundesmodell und für eigene Ländermodelle entschieden.

Für diese Länder gilt das Bundesmodell:

  • Berlin
  • Brandenburg
  • Bremen
  • Mecklenburg-Vorpommern
  • Nordrhein-Westfalen
  • Rheinland-Pfalz
  • Saarland
  • Sachsen
  • Sachsen-Anhalt
  • Schleswig-Holstein
  • Thüringen

Beim Bundesmodell spielen für die Ermittlung des Grundsteuerwertes zum Beispiel die Nettokaltmiete, die Wohnfläche, die Mietniveaustufe, das Alter des Gebäudes, der Bodenrichtwert und die Grundstücksfläche eine Rolle. Für Wohngebäude gilt eine niedrigere Steuermesszahl als für gewerbliche Gebäude.

Für diese Länder gelten eigene Ländermodelle:

  • Baden-Württemberg rechnet nur mit der Grundstücksfläche und dem Bodenrichtwert. Die Art der Bebauung beeinflusst lediglich die Höhe der Steuermesszahl.
  • Bayern hat ein reines Flächenmodell gewählt mit festen Berechnungsgrößen für Grundstücks- und Gebäudeflächen. Für Wohnimmobilien ist die Steuermesszahl niedriger als für gewerblich genutzte Grundstücke.
  • In Hamburg hat die Wohnlage Einfluss auf die Steuermesszahl, ansonsten rechnet man hier wie in Bayern.
  • Die Modelle in Hessen und Niedersachsen lehnen sich ebenfalls zum großen Teil an das bayerische Vorgehen an. Über einen Faktor wird jedoch zusätzlich der Bodenrichtwert mitberücksichtigt.
  • Das Saarland und Sachsen berechnen den Grundsteuerwert zwar nach dem Bundesmodell, haben dieses aber hinsichtlich der Steuermesszahl modifiziert.

Tipp

Mehr Informationen zur neuen Grundsteuer sowie einen Rechner finden Sie auf der Website www.grundsteuer.de »

Die neue Grundsteuer: Was passiert bis 2025?

Die Grundsteuer-Bescheide sind mittlerweile den meisten Haushalte zugegangen, die letzten Bescheide sollen im Laufe des Jahres 2024 verschickt werden.

Ab 2025 soll dann die neue Grundsteuer fällig werden.

Aktuell laufen jedoch mehrere Klagen und Widerspruchsverfahren gegen die Grundsteuerreform, daher wäre es sogar möglich, dass die Grundsteuerreform noch gekippt wird. In diesem Artikel informieren über die Hintergründe und sagen, wie Sie jetzt am besten vorgehen sollten: Grundsteuer: Ist das Bundesmodell verfassungswidrig?

Stand: Februar 2024