Vereinfachungsregel Photovoltaik: So profitieren Sie von der Neuerung

photovoltaik liebhaberei

Liebhaberei Regelung für Eigenheimbesitzer

Foto: Pexels/Kindel Media

Seit Juni 2021 gilt die Vereinfachungsregel für Photovoltaikanlagen: Damit können sich jetzt viele private Betreiber von PV-Anlagen von der Einkommenssteuerpflicht befreien. Erfahren Sie hier alles Wichtige rund um die Steuerpflicht von Betreibern einer PV-Anlage und die Vereinfachungsregel.

Das erfahren Sie in diesem Artikel:

  1. Warum Sie durch die Installation einer Photovoltaikanlage auf Ihrem Dach zum Unternehmer werden
  2. Photovoltaik als "Liebhaberei: Das bedeutet die Vereinfachungsregel
  3. Für diese Anlagen gilt die Vereinfachungsregel
  4. Vor- und Nachteile der Vereinfachungsregel
  5. Vereinfachungsregelung Photovoltaik: So stellen Sie den Antrag
  6. Was muss ich tun, wenn die Vereinfachungsregel nicht angewendet werden kann?

Warum Sie durch die Installation einer Photovoltaikanlage auf Ihrem Dach zum Unternehmer werden

Photovoltaik als Liebhaberei fürs Eigenheim Einfamilienhaus Privatleute
Plötzlich Unternehmer: Für viele Eigenheimbesitzer, die eine PV-Anlage auf dem Dach installieren möchten, eine zunächst ungewohnte Vorstellung. Denn die meisten Menschen möchten den erzeugten Strom vor allem für sich selbst nutzen.
Pixabay

Hauseigentümer, die auf ihrem Dach eine Photovoltaikanlage betreiben und den erzeugten Strom zumindest teilweise − gegen eine Vergütung − in das öffentliche Netz einspeisen, gelten aus steuerlicher Sicht als Unternehmer und die PV-Anlage als Gewerbebetrieb. Warum ist das so?

Grundsätzlich erfüllen sie drei wichtige Voraussetzungen, die für die Einstufung als Gewerbe gelten:

  1. Eine Photovoltaikanlage wird von den Hauseigentümern in der Regel selbstständig betrieben.
  2. Durch die Einspeisung von einem Teil des gewonnenen Stroms liegt auch eine Beteiligung am wirtschaftlichen Verkehr, nämlich der Stromversorgung, vor.
  3. Zumindest in den Anfangsjahren der privat betriebenen PV-Anlagen ließ sich über die hohen Einspeisevergütungen durchaus ein Gewinn erzielen. Daher wurde lange Zeit auch das Vorliegen einer Gewinnerzielungsabsicht für alle PV-Anlagen unterstellt.

So melden Sie Ihre PV-Anlage richtig an

Bevor die PV-Anlage Sonnenstrom produzieren kann, muss sie nicht nur beim Finanzamt, sondern auch beim Netzbetreiber und dem Marktstammdatenregister angemeldet werden. In unserem Artikel erklären wir, worauf dabei zu achten ist: PV-Anlage richtig anmelden »

Welche rechtlichen Konsequenzen hat das für mich?

Wer eine PV-Anlage betreibt, übt steuerlich gesehen eine gewerbliche Tätigkeit aus. Damit sind sie für Ihre PV-Anlage einkommens- und umsatzsteuerpflichtig. Ein Ärgernis für viele Eigenheimbesitzer − zum einen aufgrund des behördlichen Aufwands, zum anderen, weil viele ohnehin keine nennenswerten Erträge mit der Einspeisevergütung erwirtschaften.

PV Anlage beim Finanzamt anmelden
PV-Anlage anmelden: Betreiber einer Photovoltaikanlage müssen diese beim zuständigen Finanzamt anmelden. Eine Gewerbeanmeldung ist nicht erforderlich.
Pixabay

Außerdem müssen Sie einen rechtlichen Pflichtenkatalog erfüllen:

1. Sie müssen die Inbetriebnahme der Anlage beim zuständigen Finanzamt anmelden. Das Finanzamt teilt Ihnen dann eine Steuernummer für den Betrieb der Photovoltaikanlage mit. Eine gesonderte Anmeldung als Gewerbe ist nicht erforderlich.

2. Außerdem sind Sie verpflichtet, Einkommenssteuer und Umsatzsteuer zu zahlen. Das bedeutet für Sie:

  • Damit die Höhe der Einkommenssteuer ermittelt werden kann, müssen Sie als Betreiber einer PV-Anlage bei der Steuererklärung eine so genannte Einnahmen-Überschuss-Rechnung anfertigen. Auf dieser Basis wird ermittelt, ob die PV-Anlage einen Gewinn oder Verlust erwirtschaftet hat.
  • Die Umsatzsteuerpflicht bedeutet, dass Sie eine Umsatzsteuer-Jahreserklärung und unter Umständen regelmäßige Umsatzsteuer-Voranmeldungen an das Finanzamt übermitteln müssen.

Die Photovoltaik Vereinfachungsregel befreit private Hauseigentümer von einigen dieser Pflichten.

Photovoltaik als "Liebhaberei: Das bedeutet die Vereinfachungsregel

Rein rechtlich wird Betreibern von PV-Anlagen eine Gewinnerzielungsabsicht unterstellt. Die Realität sieht aber häufig ganz anders aus. Die Einspeisevergütungen sind in den letzten Jahren stetig gesunken − wirkliche Gewinne können PV-Anlagen-Besitzer damit in vielen Fällen nicht erzielen.

vereinfachungsregel photovoltaik bei einkomensteuer umsatzsteuer
Bisher wurde die Frage der Gewinnerzielungsabsicht bei PV-Anlagen immer auf Basis der Einnahmen-Überschuss-Rechnung in der Steuererklärung ermittelt.
Pixabay

Die fehlende Gewinnerzielungsabsicht musste dem Finanzamt bislang immer nachgewiesen werden. Gelingt das, gilt die Tätigkeit als so genannte Liebhaberei, die nicht der Einkommenssteuerpflicht unterliegt.

In diesem Fall müssen Sie zwar keine Einkommenssteuer für die PV-Anlage bezahlen. Aber sobald Sie einen Teil des erzeugten Stroms an einen Energieversorger verkaufen, sind Sie wieder unternehmerisch tätig. Diese Einzelfallprüfung führte in der Vergangenheit immer wieder zu langen Verfahren und hohem Verwaltungsaufwand bei den Finanzämtern.

Auf diese Entwicklung reagierte das Bundesfinanzministerium im Juni 2021 mit der so genannte Vereinfachungsregel. Wie der Name verrät, soll damit für PV-Anlagen-Besitzer alles einfacher werden.

Das bedeutet die Vereinfachungsregel Photovoltaik

  • Als Betreiber kleiner Photovoltaikanlagen (und vergleichbarer Blockheizkraftwerke) haben Sie ein Wahlrecht in Bezug auf die Einkommenssteuerpflicht.
  • Hauseigentümer, die eine PV-Anlage betreiben, können unter bestimmten Voraussetzungen auf den Antrag von der Einkommenssteuerpflicht befreit werden.
  • Eine weitergehende Prüfung ist nicht erforderlich, da das Fehlen der Gewinnerzielungsabsicht dann unterstellt wird.

Für diese Anlagen gilt die Vereinfachungsregel

Die Photovoltaik Vereinfachungsregelung, die auch Photovoltaik Liebhaberei Regelung genannt wird, kann nicht pauschal auf alle PV-Anlagen angewendet werden.

Sie gilt nur für Anlagen, bei denen die folgenden Voraussetzungen erfüllt sind:

  1. die Photovoltaikanlage hat eine installierte Leistung von bis zu 10 kW,
  2. die PV-Anlage wurde nach dem 31. Dezember 2003 in Betrieb genommen oder die Anlage wurde vor dem 1.1.2004 in Betrieb genommen und deren Installation liegt länger als 20 Jahre zurück und
  3. die Anlage ist auf einem zu eigenen Wohnzwecken genutzten oder unentgeltlich überlassenen Ein- oder Zweifamilienhausgrundstück (inklusive Außenanlagen) installiert.

Ob letzteres der Fall ist, ist manchmal Auslegungssache. So steht ein häusliches Arbeitszimmer oder ein nur gelegentlich vermietetes Gästezimmer, das maximal 520 Euro an Einnahmen im Veranschlagungszeitraum einbringt, der Anwendung der Vereinfachungsregel nicht entgegen. Anders sieht dies aus, wenn in dem Privathaus auch Büroräume untergebracht sind, in denen der oder die Hauseigentümer wirtschaftlich tätig sind, oder eine Wohnung oder ein Zimmer in dem Haus dauerhaft vermietet wird.

Umsatzsteuerpflicht bleibt bestehen

Wichtig zu wissen: Die Vereinfachungsregel bezieht sich ausschließlich auf die Einkommenssteuer. Unabhängig davon, ob Sie diese an Anspruch nehmen oder nicht, gilt die Umsatzsteuerpflicht weiterhin. Sie greift immer dann, wenn der Strom aus der Photovoltaikanlage zumindest teilweise gegen Vergütung in das allgemeine Stromnetz eingespeist wird. Die neue Photovoltaik Liebhaberei Regelung hat also keinen Einfluss auf die Frage, ob für Sie eine Umsatzsteuerpflicht besteht.

Allerdings gibt es auch in Bezug auf die Umsatzsteuerpflicht eine Art Vereinfachungsregel: Unter bestimmten Voraussetzungen können Sie die Kleinunternehmer-Regelung in Anspruch nehmen. Wenn Sie die Voraussetzungen erfüllen (hierbei geht es im Wesentlichen um die Höhe des Umsatzes, der mit der PV-Anlage erwirtschaftet wird), können Sie auf Antrag von der Umsatzsteuerpflicht befreit werden.

Die Anwendung der Kleinunternehmer-Regelung ist vor allem eine bürokratische Entlastung, aus finanzieller Sicht jedoch meist nachteilig.

Vor- und Nachteile der Vereinfachungsregelung

vereinfachungsregel photovoltaik spart behördengänge
Die Vereinfachungsregel Photovoltaik sorgt dafür, dass sich der bürokratische Aufwand für Betreiber vieler PV-Anlagen deutlich reduziert.
Pixabay

Ein großer Vorteil der Photovoltaik Vereinfachungsregel ist zunächst einmal deutlich weniger bürokratischer Aufwand. So entfällt die Pflicht, eine Gewinnermittlung anzufertigen. Auch, wenn Sie Einnahmen aus dem Betrieb der Anlage erzielen, sind diese für die Einkommenssteuer danach nicht mehr relevant.

Diese Vorteile bietet die Liebhaberei-Regelung konkret:

  • Es entfällt die Pflicht, jährliche Einnahmen-Überschuss-Rechnungen zu erstellen, die ebenfalls mit einem nicht zu unterschätzende Aufwand verbunden sind.
  • Wenn mit der PV-Anlage Gewinne erzielt werden, so müssen diese trotzdem nicht mehr versteuert werden.
  • Wird die Immobilie mit der PV-Anlage verkauft, so muss der Veräußerungsgewinn nicht versteuert werden.
    Allerdings kann die Anwendung der Vereinfachungsregel für Betreiber schon länger bestehender PV-Anlagen auch Nachteile bringen:
  • Entstehen, etwa durch größere Reparaturen, Verluste beim Betrieb der PV-Anlage, so werden diese nicht mehr in der bisherigen Form steuermindernd berücksichtigt.
  • Steuerbescheide, die noch änderbar sind, werden entsprechend überprüft. Das kann zur Folge haben, dass Verluste aus der Vergangenheit verloren gehen und Nachzahlungen resultieren

Ein Nachteil der Regelung zur „Photovoltaik Liebhaberei“ ist, dass Sie als Betreiber der PV-Anlage Verluste, die sich aus dem Betrieb der PV-Anlage ergeben, nicht mehr steuerlich geltend machen und mit den Gewinnen verrechnen können.

Tipp: So können Sie als Betreiber von „Liebhaberei PV-Anlagen“ Verluste dennoch steuerlich geltend machen

Wenn Sie sich dazu entscheiden, Ihre Photovoltaik-Anlage als "Liebhaberei" einstufen zu lassen, können Sie Verluste wie hohe Reparaturkosten nicht mehr steuerlich geltend machen. Aber: Es gibt trotzdem Möglichkeiten, diese steuermindernd geltend zu machen.

Denn Handwerkerleistungen, die beispielsweise für die Reparatur an der Photovoltaikanlage anfallen, können im Rahmen der herkömmlichen Steuererklärung immer geltend gemacht werden. Hier erklären wir, wie Sie Handwerkerrechnungen von der Steuer absetzen »

Angehende Besitzer neuer PV-Anlagen profitieren mehr

Photovoltaik Regelung für bestehende Häuser
Besitzer von bestehenden Anlagen, die schon vor längerer Zeit in Betrieb genommen wurden, haben dieses Verfahren bereits durchlaufen, so dass dieser Aufwand für sie durch die Liebhaberei-Regelung nicht eingespart werden kann.
Pixabay

Ob es für Sie sinnvoller ist, die PV-Anlage als Liebhaberei einstufen zu lassen, hängt zum Teil auch davon ab, ob es sich um eine bereits bestehende oder eine neu zu installierende Anlage handelt. Eigenheimbesitzer, die eine PV-Anlage auf ihrem Dach errichten lassen, mussten bislang eine aufwändige Ergebnisprognose erstellen. Sie diente dem Finanzamt als Grundlage für die Entscheidung, ob eine Gewinnerzielungsabsicht zugrunde liegt.

Mit der Vereinfachungsregel können sich Eigenheimbesitzer, die eine neue PV-Anlage auf dem Dach errichten lassen wollen, die aufwändige Erstellung dieser Ergebnisprognose ersparen.

Vereinfachungsregelung Photovoltaik: So stellen Sie den Antrag

Wer sich für die Liebhaberei-Regelung, also für die Befreiung der Einkommenssteuerpflicht für die PV-Anlage entscheidet, muss lediglich einen formlosen Antrag stellen. Der Antrag gilt auch für die drauffolgenden Jahre, muss also nur einmal pro Anlage gestellt werden, solange sich an den Rahmenbedingungen der Anlage nichts verändert.

Der Antrag muss folgende Punkte enthalten:

  • Adressat: das zuständige Finanzamt
  • Angabe der Steuernummer, die der PV-Anlage zugeordnet ist
  • Schriftliche Erklärung, dass die PV-Anlage nicht mir Gewinnerzielungsabsicht betrieben wird
  • Angaben zur Leistung der PV-Anlage
  • Datum der Inbetriebnahme
  • Angabe des Installationsortes

Tipp: Musterschreiben für den Antrag nutzen

In vielen Bundesländern stellen die Finanzämter entsprechende Musterschreiben zur Verfügung. Diese finden Sie online auf der Internetseite der Finanzbehörde des zuständigen Landesfinanzamtes oder der Internetseite des zuständigen Finanzamtes.

Zeitpunkt der Einreichung des Antrags

Der Antrag kann zusammen mit der Steuererklärung oder davon losgelöst eingereicht werden.

Wichtig: Für die Antragstellung müssen Sie eine Frist beachten, die davon abhängt, ob es sich um eine neue oder eine bestehende PV-Anlage handelt:

  • Neuanlage: Der Antrag für PV-Anlagen, die nach dem 31.12.2021 in Betrieb genommen wurden, muss bis zum Ablauf des Veranlagungszeitrum gestellt werden, der auf das Jahr der Inbetriebnahme folgt.
  • Bestehende Anlagen: Für Anlagen, die vor dem 31.12.2021 in Betrieb genommen wurden, muss der Antrag bis zum 31.12.2022 gestellt werden.

Was muss ich tun, wenn die Vereinfachungsregel nicht angewendet werden kann?

Wenn Sie die Voraussetzungen für die Anwendung der Vereinfachungsregel nicht erfüllen oder sich gegen die Einstufung Ihrer PV-Anlage als "Liebhaberei" entscheiden, müssen Sie eine wirtschaftliche Ergebnisprognose beim Finanzamt einreichen, die Auskunft darüber gibt, ob durch den Betrieb der PV-Anlage ein Totalüberschuss zu erwarten ist, also eine Gewinnerzielungsabsicht zugrunde liegt.

Ob das der Fall ist, wird anhand der absehbaren Einnahmen und Ausgaben errechnet. Konkret werden folgende Posten berücksichtigt:

  • Absehbare Einnahmen:
    • Vergütung für die Einspeisung des erzeugten Stroms für die Dauer von 20 Jahren
    • Höhe des Eigenverbrauchs für 20 Jahre
  • Absehbare Ausgaben:
    • Kosten für die Anschaffung der PV-Anlage
    • Kosten für Versicherung und Wartung für die Dauer von 20 Jahren
    • ggf. Darlehnszinsen für die gesamte Laufzeit

Lohnt sich eine PV-Anlage für mich?

Wenn Sie überlegen, eine PV-Anlage auf Ihrem Dach installieren zu lassen, sollten Sie sich zunächst umfassend informieren. In unseren Ratgebern finden Sie praktische Tipps für Ihre Planung:

Text: Nicole Ziese

Wir verwenden Cookies, um Informationen über die Nutzung der Webseite zu sammeln. Diese Cookies helfen uns dabei, Ihnen ein optimales Online-Erlebnis zu bieten. Mit dem Klick auf den Button "Alles akzeptieren" erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Für weitere Informationen über die Nutzung von Cookies oder für die Änderung Ihrer Einstellungen klicken Sie bitte auf "Cookie Einstellungen".

Datenschutzerklärung | Impressum
Alles akzeptieren Cookie-Einstellungen Weiter ohne Einwilligung
Technisch notwendige Cookies

Diese Cookies sind erforderlich und wesentlich, um die Kernfunktionalität der Webseite zu aktivieren und zu ermöglichen. Wesentliche Cookies können über die Funktion dieser Seite nicht deaktiviert werden. Sie können Cookies jederzeit generell in Ihrem Browser deaktivieren. Wir möchten Sie jedoch darauf hinweisen, dass es dann zu Problemen beim Aufruf der Website kommen kann.

Analyse

Diese Technologien ermöglichen es uns, die Nutzung der Website zu analysieren, um die Leistung zu messen und zu verbessern.

Google Tagmanager Google Analytics Google Optimize
Detaillierte Infos

Speichern und schließen Alles akzeptieren