Renovieren

Putz oder Tapete?

Welcher Wandbelag ist der richtige?

Foto: cyano66-iStock

Wer seine Wand gestaltet, steht oft vor der grundsätzlichen Frage: Putz oder Tapete? Hier erfahren Sie, welche Unterschiede es zwischen den beiden Materialien gibt, was Selbermacher beachten müssen, wie die Wandbeläge das Wohnklima beeinflussen und welche optischen Effekte sich erzielen lassen.

Das erfahren Sie in diesem Artikel:

  1. Putz oder Tapete: Was lässt sich einfacher auftragen?
  2. Renovieren und auffrischen
  3. Wohnklima
  4. Optik, Struktur und Akustik
  5. Putz- und Tapetenstrukturen im Überblick

Putz oder Tapete: Was lässt sich einfacher auftragen?

Eine Motivtapete bringt eine Wand toll zur Geltung. Aber Vorsicht: Bei aufwendigen Motiven ist der Auftrag gar nicht so einfach. Wer im Tapezieren nicht fit ist, erzeugt schnell ein unruhiges Bild.
Foto: Rasch

Was ist eigentlich einfacher: Tapezieren oder Verputzen?
Vliestapeten, ob glatt, strukturiert oder gemustert, sind generell einfacher zu verarbeiten als herkömmliche Papiertapeten, da der Kleister direkt an die Wand gestrichen wird. Glattvliestapeten können zwar Risse überbrücken, Unebenheiten lassen sich jedoch nicht kaschieren. Der Untergrund muss also gut vorbereitet sein.

Raufaser, Vlies oder Papier: Was sind die Unterscheide zwischen den verschiedenen Tapeten? Hier geht's zur Übersicht der gängigen Tapetenarten »


Streich- und Rollputze können wie Wandfarbe verarbeitet werden. Der klassische Putzauftrag mit Traufel und Schwammbrett erfordert allerdings viel Übung. Glatte Putzoberflächen sind generell eine größere Herausforderung als solche mit Körnung, da auf der glatten Fläche jeder Fauxpas sofort ins Auge fällt. Wer ganz spezielle Putzoberflächen verwirklichen möchte, sollte geübt sein – oder die Arbeit lieber einem Profi überlassen.

Renovieren und auffrischen

Wer sich an seiner Raufasertapete sattgesehen hat, kann mit 'einfach glatt' (Molto) eine cleane Optik erzielen. Einfach mit dem Roller die Masse großzügig auf die Wand auftragen, mit einem breiten Glätter die Fläche in gleichmäßigen Bahnen glattziehen.

Von Zeit zu Zeit tut jeder Wand eine Auffrischung gut. Der klare Vorteil von Tapeten: Egal mit wie vielen Schichten Wandfarbe sie bearbeitet wurden, durch Entfernen der Tapeten lässt sich die Wand jederzeit auf „null“ zurücksetzen.

Bei dünnen Streich- oder Rollputzen kann eine gut haftende Tapete einen Untergrund bieten. Andere Oberputze sind für Tapeten schlichtweg zu schwer – sie werden direkt auf die Wand aufgebracht. In diesem Fall lässt sich der Putz zwar überarbeiten, aber nur sehr schwer wieder entfernen – Mieter sollten deshalb vorab mit ihrem Vermieter sprechen.

Wohnklima

Hier punkten mineralische Putze. Sie enthalten neben Sand Bindemittel wie etwa Kalk, Zement oder Gips. Diese Zusammensetzung macht Putz sehr diffusionsoffen. Das heißt, er hat die Fähigkeit, Feuchtigkeit aufzunehmen und langsam wieder an den Raum abzugeben – das ist toll fürs Raumklima. Besonders empfehlenswert sind Lehmputze.

Grundsätzlich sind auch Tapeten diffusionsoffen. Hier ist entscheidend, aus welchem Material sie sind und womit geklebt beziehungsweise gestrichen wird.

Für Putz und Tapete gilt: Mehrfaches Streichen mit Kunstharzdispersionsfarbe macht die Wand immer dichter. Lehm-, Kalk- oder Silikatfarben erhalten hingegen den positiven Effekt aufs Raumklima.

Optik, Struktur und Akustik

Tapeten gibt es mit den unterschiedlichsten Strukturen und Mustern. Hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Selbst eigene Motive lassen sich mittlerweile auf Tapeten verewigen. Putz lässt dagegen weniger kreativen Gestaltungsspielraum. Ein optisches Feuerwerk ist damit kaum möglich. Trotzdem ist Putz nicht gleich Putz. Hier sorgt vor allem die Struktur für Abwechslung.

Außerdem lässt sich eine verputzte Wand auch mit einer entsprechenden Wandfarbe gestalten. Hier sollten Sie auf mineralische Farben zurückgreifen. Beispielsweise Kalk- oder Silikatfarben. Wie sich ein Raum mit unterschiedlichen Farben gestalten lässt, lesen Sie in unserem Artikel zur Wandgestaltung: Ein Raum − drei Looks »

Die wohl bekannteste Strukturtapete ist die Raufaser, die für ein leichtes Licht- und Schattenspiel sorgt. Etwas intensiver ist der Effekt bei Prägetapeten mit unterschiedlichen Mustern in zahlreichen Varianten. Wer lieber glatte Wände mag, kann auf sogenannte Glattvliestapeten zurückgreifen.

Bei verputzen Wänden sind ebenso unterschiedliche Strukturen möglich. Entscheidend ist hierbei die Körnung. Es gilt: Je rauer der Putz, desto größer die Körnung. Auch glatter Putz ist eine Option, die für die spätere Wandgestaltung mit Bildern oder Postern viel Raum lässt. Hierbei kommen entsprechende Putze und Glättetechniken zum Einsatz. Neben glatt und körnig sind aber auch ganz andere Optionen machbar. Oberflächen, die wie Stein oder Beton wirken, Wände mit Metalloptik – mit Putz kein Problem! Was die Haptik angeht, wird Putz übrigens oft als rauer und kühler empfunden als eine Tapete. Auch die Raumakustik kann sich durch den weichen Wandbelag verbessern.

Putz- und Tapetenstrukturen im Überblick

Tapetenstrukturen im Überblick:

Raufaser ist der Klassiker unter den Wandbelägen. Durch eingearbeitete Holz­fasern entstehen feine, mittlere oder grobe Strukturen.

Prägetapete: Papierlagen werden durch eine Prägewalze gepresst. Die Tapeten (hier Flechtoptik „Novaboss“) erhalten so eine spürbare Oberflächenstruktur.

Glattvliestapeten ergeben ganz glatte Oberflächen. Sie überbrücken auch kleine Risse und können nach Gusto überstrichen werden.

Putzstrukturen im Überblick:

Die Möglichkeiten, Oberflächen zu bearbeiten und zu strukturieren, sind vielfältig. Beim „Münchner Rauputz“ werden beispielsweise durch Reiben Rillen in die Oberfläche gebracht.

Glatte Putzoberflächen liegen im Trend. Mit Hilfe von Glättkelle (Stucco Veneziano, Kalkglätte) oder polierten Steinen (Tadelakt) werden Kalk- oder Lehmputze verdichtet.

Putze sind mit unterschiedlichen Korngrößen zu haben – je gröber die Körnung, desto rauer wird später auch die Oberfläche. 0,5 mm ist eine sehr feine Körnung, 5 mm ist sehr grob.

Fotos: Knauf, Jaeger, Erfurt

Fazit

Putz und Tapete bieten beide ihren Reiz. Tapeten sind sehr einfach aufzubringen und lassen sich leichter erneuern. Sie eignen sich besonders gut für Mietwohnungen oder kreative Menschen, die gerne umgestalten.

Putze erfordern mehr Übung beim Auftragen und bieten weniger kreativen Gestaltungsspielraum. Für Menschen, die viel Wert auf ein gesundes Raumklima legen, bieten sie aber viele Vorteile.

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