Die Ringeltaube ist mit bis zu 43 Zentimetern unsere größte und häufigste heimische Wildtaubenart. Sie ist an den markanten weißen Halsflecken, dem türkisfarbenen Halsschimmer und den hellgelben Augen gut zu erkennen – im Flug fallen zusätzlich breite weiße Flügelstreifen auf.
Tauben im Garten: Ist das gut oder schlecht?
Nützlinge oder Nervtöter?
Kaum ein Gartengast spaltet die Meinungen so zuverlässig wie die Taube. Für die einen ist sie ein gern gesehener Vogel, für die anderen ein Hygieneproblem mit Flügeln. Wer jedoch pauschal urteilt, liegt meist falsch – denn Taube ist nicht gleich Taube. Ob Tauben im Garten gut oder schlecht, also nützlich oder schädlich sind, hängt entscheidend von der Art und vom Umgang mit ihnen ab.
Wenn Tauben Sie stören, gibt es zahlreiche tierschonende Methoden, sie wirkungsvoll zu vertreiben. Wir erläutern, welche Taubenarten problematisch sein können und was Sie gegen sie tun können.
Das erfahren Sie in diesem Artikel:
- Kleine Taubenkunde: Wer ist zu Besuch – Ringeltaube, Türkentaube oder Stadttaube?
- „Gute“ Tauben sind ein wichtiger Teil des Ökosystems
- „Schlechte“ Tauben verursachen Kot, Lärm und verbreiten Krankheitserreger
- Taubenkot richtig entfernen: So schützen Sie sich
- Tauben vertreiben: Welchen rechtlichen Rahmen gibt es und was ist verboten?
- Hausmittel und Tipps gegen Tauben
- Fazit: Tauben im Garten gut oder schlecht – was gilt wirklich?
Kleine Taubenkunde: Wer ist zu Besuch – Ringeltaube, Türkentaube oder Stadttaube?
In Deutschland gibt es vier häufige Arten, die sich in Aussehen, Verhalten und ökologischer Wirkung deutlich unterscheiden.
Die zierlichere Türkentaube trägt einen schmalen schwarzen Genickstreifen – sie ist ein vergleichsweise junger Einwanderer, der seit den 1930er-Jahren von Südosteuropa aus seinen Siegeszug über den Kontinent antrat und Deutschland bereits um 1945 erreichte.
Die Hohltaube ist an ihrem grünlich schillernden Hals erkennbar – und vor allem daran, dass ihr – anders als der Ringeltaube – weiße Flecken an Hals und Flügeln fehlen.
Die stark bedrohte Turteltaube ist an ihren rostrot gesäumten Flügelfedern zu erkennen und steht in Deutschland auf der Roten Liste der Brutvögel – sogar in der Kategorie „stark gefährdet“.
Der entscheidende Unterschied: Wildtaube oder Stadttaube?
Zwischen den echten Wildtauben und der allgegenwärtigen Stadttaube klafft eine biologische und verhaltenstechnische Lücke, die für Gartenbesitzer sehr relevant ist. Die Stadttaube ist kein Wildtier im eigentlichen Sinne – sie ist ein verwildertes Haustier, ein Nachfahre der einst als Brieftaube oder Nutztaube gezüchteten Felsentaube. Dieser Ursprung erklärt, warum Stadttauben dauerhaft die Nähe des Menschen suchen, an Gebäudesimsen brüten, die ihren ursprünglichen Felsen ersetzen, und auf menschliche Essensreste angewiesen sind.
Ein weiterer kritischer Unterschied ist der durch Jahrzehnte der Züchtung entstandene Brutzwang: Stadttauben brüten das ganze Jahr über, unabhängig vom Nahrungsangebot. Das führt zu unkontrolliertem Populationswachstum, chronischer Mangelernährung und einem erhöhten Krankheitsrisiko innerhalb der Schwärme. Wildtauben hingegen regulieren ihre Fortpflanzung auf natürliche Weise.
Wussten Sie schon?
Tauben besitzen eine biologische Besonderheit: Sie können sogenannte Kropfmilch produzieren – eine nährstoffreiche, cremige Substanz, mit der sie ihre Küken unabhängig vom lokalen Insektenvorkommen aufziehen. Unter Vögeln ist das eine echte Seltenheit: Neben Tauben besitzen nur Flamingos und Kaiserpinguine diese Fähigkeit.
„Gute“ Tauben sind ein wichtiger Teil des Ökosystems.
Wer Ringel- oder Türkentauben im Garten beobachtet, darf das guten Gewissens genießen. Beide Arten sind ökologisch wertvolle Gäste. Sie fressen Samen, Beeren und Knospen und tragen dabei zur Verbreitung von Pflanzensamen bei – ein Beitrag zur Pflanzendiversität, der in städtischen Grünanlagen durchaus eine Rolle spielen kann.
Tauben sind außerdem ein wichtiges Glied in der Nahrungskette. Greifvögel wie Habicht und Wanderfalke jagen Tauben und halten so deren Population im natürlichen Gleichgewicht. Wer Wildtauben konsequent vergrämt, verringert damit zumindest potenziell die Attraktivität des Reviers für deren natürliche Feinde.
Taubenkot wirkt als phosphor- und kaliumreicher Naturdünger und kann in kleinen Mengen positive Effekte für den Gartenboden entfalten – der Stickstoffgehalt ist dabei allerdings gering und stark von der Ernährung der Tiere abhängig. Das ist natürlich kein Argument, Massenansammlungen zu dulden, aber ein guter Grund, einzelne Wildtauben gelassener zu beobachten statt reflexhaft zu vertreiben.
„Schlechte“ Tauben verursachen Kot, Lärm und verbreiten Krankheitserreger
Wo Wildtauben willkommene Gäste sind, werden Stadttauben in größerer Zahl zu einem echten Problem. Neben dem Lärm durch dauerhaftes Gurren und Flattern ist die gravierendste Folge der massive Kotanfall – und der setzt Eigenheimbesitzer zuweilen unter Druck.
Warum? Taubenkot enthält Harnsäure, die vor allem auf Metalloberflächen wie Leitungen, Dachrinnen und Blechverkleidungen korrosiv wirkt.
Bei mineralischen Baustoffen wie Naturstein und Beton sind direkte Schäden durch Harnsäure wissenschaftlich weniger eindeutig belegt: Ein Gutachten des Instituts für Massivbau der TU Darmstadt (2004) zeigte, dass Taubenkot auf getestete Baustoffe wie Buntsandstein, Granit, Zementmörtel und Vollziegel keine nachweisbaren Veränderungen verursachte. Schäden traten lediglich bei bestimmten Blechen auf. Bei Stein und Beton spielen vor allem mikrobielle Folgeprodukte und Pilzwachstum die entscheidende Rolle.
Das Gesundheitsrisiko ernst nehmen, aber nicht dramatisieren
Taubenkot enthält eine Reihe von Krankheitserregern: Bakterien wie Salmonellen und das Bakterium Chlamydia psittaci – letzteres ist der Auslöser der Ornithose, einer ernsthaften Lungenerkrankung, die nicht nur durch direkten Vogelkontakt, sondern auch durch das Einatmen von erregerhaltigem Kotstaub übertragen werden kann –, Pilzsporen, Parasiten und weitere Viren. Laut der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) gelangen die Erreger vor allem dann über die Atemwege in den Körper, wenn eingetrockneter Kot aufgewirbelt wird. Mögliche Folgen reichen von Reizungen und Allergien bis zu ernsthaften Lungenerkrankungen und Magen-Darm-Beschwerden. Besonders gefährdet sind immungeschwächte Personen, Schwangere und Kleinkinder.
Frischer Kot besitzt laut BG BAU ein höheres infektiöses Potenzial als eingetrockneter. Die Gefahr des getrockneten Kots liegt vor allem in der Staubentwicklung beim Entfernen – aufgewirbelte Partikel können Erreger in die Atemwege tragen. In schlecht belüfteten, dunklen Räumen wie Dachböden oder Garagen können Infektionserreger im Kot zudem über Monate hinweg überlebensfähig bleiben.
Taubenkot richtig entfernen: So schützen Sie sich
Terrassen, Gartenmöbel und Fenster sollten Sie regelmäßig reinigen. Folgende Schutzmaßnahmen sollten Sie dabei unbedingt einhalten:
- Tragen Sie wasserdichte Einweghandschuhe.
- Bei kleineren, überschaubaren Verschmutzungen im Außenbereich kann eine FFP3-Maske als Mindestschutz ausreichen.
- Bei starken Verschmutzungen oder in Innenräumen reicht eine FFP3-Maske nicht aus – die BG BAU empfiehlt für erhöhte Exposition gebläseunterstützte Atemschutzgeräte (Schutzstufe TM2P oder TM3P) sowie einen Einwegschutzanzug.
- Kratzen Sie eingetrockneten Kot niemals trocken ab – dabei werden Mikroorganismen aufgewirbelt.
- Weichen Sie Kot stattdessen zunächst mit Seifenlauge ein und wischen Sie dann feucht nach. Entsorgen Sie das Material anschließend zügig in einem geschlossenen Behälter
- Frischen, weichen Kot können Sie mit Küchenkrepp abwischen. Achten Sie dabei aber darauf, dieses in einem geschlossenen Behälter zu entsorgen und sich gründlich die Hände zu waschen – falls Sie nicht ohnehin Handschuhe getragen haben.
- Desinfizieren Sie die betroffenen Stellen.
Tauben vertreiben: Welchen rechtlichen Rahmen gibt es und was ist verboten?
Wer zu drastischen Mitteln beim Kampf gegen „schlechte Tauben“ greift, riskiert empfindliche Bußgelder oder sogar Freiheitsstrafen. Tauben, auch Stadttauben, fallen unter den Schutz des Tierschutzgesetzes (TierSchG) sowie unter die Verbotsbestimmungen der Bundesartenschutzverordnung. Einen besonderen Artenschutz nach Bundesnaturschutzgesetz genießen Stadttauben hingegen nicht, da sie rechtlich keine Wildtiere im engeren Sinne sind.
Diese Methoden gegen Tauben sind ausnahmslos verboten
- Töten und Verletzen: Das Erschießen mit Luftgewehr oder Zwille, Steinewerfen und jede direkte körperliche Schädigung sind strafbar.
- Giftstoffe: Der Einsatz von Blausäure, vergiftetem Körnerfutter (Giftweizen) oder chemischen Bekämpfungsmitteln ist illegal.
- Klebe-Gele und -Sprays: Sie verkleben das Gefieder, machen Tauben flugunfähig und führen zu einem qualvollen Tod.
- Verletzende Barrieren: Nagelbretter oder ähnliche Vorrichtungen, die Tiere körperlich verletzen können, sind ebenfalls verboten.
- Essig als Hausmittel: Das Besprühen mit Essigwasser zerstört die schützende Fettschicht des Gefieders – dies ist ebenfalls untersagt.
- Quellende Mittel: Das Verfüttern von Stoffen wie Backpulver oder Ähnlichem mit der Absicht, Tauben zu schaden, ist tierschutzwidrig – unabhängig davon, ob die Mittel tatsächlich wirken. Der weit verbreitete Glaube, roher Reis töte Tauben, ist biologisch nicht haltbar: Tauben sterben nicht daran, weil ihr Verdauungssystem mit quellenden Körnern umgehen kann.
- Lebendfallen und Fangnetze: Privatpersonen dürfen weder Lebendfallen aufstellen noch feinmaschige Netze verwenden, in denen sich Tiere verheddern können.
Verstöße können als Ordnungswidrigkeit oder Straftat geahndet werden. Bei Tierquälerei (§ 17 TierSchG) drohen sogar Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren oder hohe Geldstrafen. Abwehrmaßnahmen müssen laut aktueller Rechtsprechung stets verhältnismäßig sein – eine Tötung darf nur das absolute letzte Mittel sein.
Sind Tauben gut oder schlecht? Die Anzahl macht den Unterschied
Ab einer bestimmten Schwärmdichte können Stadttauben in Einzelfällen rechtlich als Schädlinge eingestuft werden. Der Hessische Verwaltungsgerichtshof hat 2011 als Orientierungswert 10 Tauben pro 100 m² genannt. Die Rechtslage ist bundesweit jedoch uneinheitlich. Eine Tötung ist nur nach behördlicher Einzelfallprüfung und stets als letztes Mittel zulässig.
Hausmittel und Tipps gegen Tauben
Es gibt eine Reihe wirksamer, tierschonender Methoden, die Tauben den Aufenthalt verleiden, ohne ihnen zu schaden. Entscheidend ist die Kombination verschiedener Maßnahmen – Tauben sind intelligente Gewohnheitstiere. Eine einzelne Methode verliert schnell ihre Wirkung, sobald die Tiere sich daran gewöhnen.
1. Optische Abschreckung
Hängen Sie CDs, DVDs, kleine Spiegel oder Streifen aus Aluminiumfolie in Bäumen und an Geländern auf. Die entstehenden Lichtreflexe verunsichern die Tiere. Einen ähnlichen Effekt haben Windräder, Windspiele und flatternde Bänder. Wechseln Sie die Position dieser Objekte regelmäßig, um eine Gewöhnung zu verhindern.
2. Raubvogelattrappen
Plastikraben, Eulen oder andere Raubvogelattrappen können Tauben auf Abstand halten. Auch hier gilt: Position regelmäßig verändern. Eine Attrappe, die wochenlang am selben Fleck hängt, wird irgendwann einfach ignoriert.
3. Physische Barrieren
Spannen Sie dünne Drähte oder Spannseile über Geländer, Fenstersimse und andere Lieblingsplätze. Die Tauben verlieren den Halt und fliegen wieder ab. Eine Alternative: glatte Bleche oder Kunststoffleisten in einem Winkel von etwa 45 Grad anbringen, sodass die Vögel abgleiten. Schutznetze aus robustem Material – straff gespannt und mit einer Maschenweite von etwa 50 mm – sind eine der wirksamsten und tierschutzkonformsten Dauerlösungen. Wichtig: Netze müssen regelmäßig auf Beschädigungen kontrolliert werden, da Risse oder Löcher zur Falle für Vögel werden können.
4. Duftpflanzen und natürliche Mittel
Bestimmte Pflanzen mit intensiven Düften wie Lavendel, Rosmarin oder Minze werden häufig als natürliche Abschreckung empfohlen. Die Wirkung ist jedoch nicht wissenschaftlich belegt und scheint allenfalls vorübergehend zu sein, da sich Tauben auch an Gerüche gewöhnen können. Als Ergänzung zu anderen Maßnahmen sind solche Kräuter dennoch einen Versuch wert – als Hauptlösung sind sie eher unzuverlässig.
5. Nahrungsquellen konsequent beseitigen
Die wichtigste Maßnahme überhaupt ist oft die einfachste: keine Essensreste, kein offen zugängliches Tierfutter im Garten oder auf dem Balkon. Stadttauben kommen, weil sie Futter finden. Wer ihnen die Grundlage entzieht, löst das Problem oft nachhaltiger als mit jeder technischen Maßnahme. Verschließen Sie außerdem potenzielle Nischen an Gebäuden frühzeitig, bevor Tauben ein Nest bauen können.
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Fazit: Tauben im Garten gut oder schlecht – was gilt wirklich?
- Taube ist nicht gleich Taube: Ringel- und Türkentauben sind ökologisch wertvolle Wildvögel, die Samen verbreiten und zur Pflanzendiversität beitragen – sie dürfen gern bleiben.
- Stadttauben in großer Zahl sind ein echtes Problem: Ihr Kot schädigt vor allem Metalloberflächen durch Harnsäure und bei längerem Befall auch kalkhaltigen Naturstein durch mikrobielle Folgeprodukte – und birgt ernsthafte Gesundheitsrisiken durch Bakterien, Pilze und Parasiten.
- Viele Abwehrmethoden sind illegal: Das Tierschutzgesetz und die Bundesartenschutzverordnung schützen auch Stadttauben – wer Tauben tötet, verletzt oder quält, riskiert Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren.
- Sanfte Vergrämung wirkt, wenn man die richtigen Methoden wählt: Physische Barrieren wie Netze und Spanndrähte sowie die konsequente Beseitigung von Nahrungsquellen sind die wirksamsten und rechtlich sicheren Wege.



