Wärmepumpe und Hausstrom: Ein Tarif oder zwei – was lohnt sich?

21.10.26
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Mann im blauen Anzug installiert einen Stromzähler an einer Wärmepumpe

Wann lohnt sich ein eigener Zähler?

Foto: Pexels/Bulat

Wer mit einer Wärmepumpe heizt, kann beim Strom Geld sparen. Doch was ist günstiger: ein gemeinsamer Stromtarif für Haushalt und Wärmepumpe oder ein separater Wärmepumpentarif mit eigenem Zähler?

Wir erklären, wann sich ein zweiter Zähler lohnt, welche Rabatte es gibt und worauf Sie bei der Tarifwahl achten sollten.

Das erfahren Sie in diesem Artikel:

  1. Wärmepumpenstrom-Preis: Der Rabatt steckt im Netzentgelt
  2. Ein Zähler oder zwei: Was ist besser?
  3. Modul 1, 2 oder 3: Welches Netzentgelt-Modell passt?
  4. Wann lohnt sich ein eigener Wärmepumpen-Stromtarif?
  5. Fazit: Wann lohnt sich ein eigener Wärmepumpentarif?

Wärmepumpenstrom-Preis: Der Rabatt steckt im Netzentgelt

Vorweg: Einen besonderen Wärmepumpenstrom gibt es nicht. Aus der Leitung kommt derselbe Strom wie für den Kühlschrank oder den Backofen. Trotzdem kann Strom für Wärmepumpen günstiger sein. Das hat vor allem zwei Gründe:

1. Niedrigere Netzentgelte

Ein Teil Ihres Strompreises entfällt auf das sogenannte Netzentgelt. Damit bezahlen Sie die Nutzung des Stromnetzes.

Für neue Wärmepumpen mit mehr als 4,2 Kilowatt Anschlussleistung gelten seit 2024 besondere Regeln: Bei einer Überlastung des Stromnetzes darf der Netzbetreiber ihre Leistung vorübergehend drosseln. Dafür erhalten die Betreiber einen Rabatt auf das Netzentgelt.

Für ältere Anlagen mit Sperrvertrag gelten bis Ende 2028 eigene Regeln. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag zur EVU-Sperre »

Ein massiver Hochspannungsmast aus Stahl ragt vor einem tiefblauen, wolkenlosen Himmel empor. Die helle Sonne strahlt direkt durch die Konstruktion und beleuchtet die weitreichenden Stromleitungen.
Das Netzentgelt finanziert den Transport des Stroms bis zum eigenen Hausanschluss und macht durchschnittlich rund 30 Prozent der jährlichen Haushaltsstromkosten aus.
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2. Geringere Konzessionsabgabe

Mit einem separaten Wärmepumpenzähler lässt sich oft noch etwas mehr sparen: Für Wärmepumpenstrom kann eine niedrigere Konzessionsabgabe gelten. Das ist eine Gebühr, die Stromanbieter an die Gemeinden zahlen.

Lieferant oder Netzbetreiber – wer ist wofür zuständig?

Den Tarif schließen Sie beim Stromlieferanten ab, der Ihnen auch die Rechnung schickt. Das Netzentgelt-Modul dagegen ist Sache des Netzbetreibers, dem die Leitungen in Ihrer Region gehören. Gewählt wird es bei der Anmeldung der Wärmepumpe beim Netzbetreiber – das erledigt meist der Installateur – oder beim Abschluss des Liefervertrags. Eine eigene Rechnung vom Netzbetreiber bekommen Sie nicht, er rechnet mit Ihrem Lieferanten ab.

Ein Zähler oder zwei: Was ist besser?

Für Wärmepumpe und Haushalt können Sie einen gemeinsamen Stromzähler nutzen oder einen separaten Zähler für die Wärmepumpe installieren lassen.

  • Ein gemeinsamer Zähler ist unkomplizierter und verursacht weniger Fixkosten. Auch damit können Sie einen Strompreisrabatt erhalten (Modul 1).
  • Ein separater Zähler ermöglicht einen höheren Rabatt auf die Netzentgelte (Modul 2). Dafür entstehen zusätzliche Kosten für den Zähler und einen zweiten Stromvertrag.

Ob sich das lohnt, hängt vor allem vom Stromverbrauch Ihrer Wärmepumpe ab.

Was ein zweiter Zähler voraussetzt

Ob ein separater Zähler für die Wärmepumpe ohne Weiteres möglich ist, entscheidet sich im Zählerschrank: Es braucht einen freien Zählerplatz. Fehlt er, wird ein Umbau oder ein neuer Schrank fällig – und das kann laut Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz hohe Kosten verursachen. Bauherren klären die Zählerfrage deshalb am besten, bevor der Elektroplan steht.

Photovoltaik und zweiter Zähler

Ein junger Mann steht an einem sonnigen Tag entspannt auf der gepflasterten Einfahrt eines modernen Holzhauses. Er hält das Ladekabel eines weißen Elektroautos, das direkt neben ihm geparkt ist, in der rechten Hand.
Wenn der Stromverbrauch flexibel verschiebbar ist – wie etwa beim Laden eines Elektroautos – kann die Kombination aus Haushaltszähler (Modul 1) und zeitvariablen Netzentgelten (Modul 3) besonders wirtschaftlich sein.
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Mit Solaranlage auf dem Dach wird es kniffliger, denn Eigenstrom und Wärmepumpentarif vertragen sich nicht automatisch. Drei Messkonzepte stehen zur Wahl:

  • Gemeinsame Messung: Alles hängt an einem Zähler. Solarstrom fließt direkt in die Wärmepumpe, einen Wärmepumpentarif gibt es aber nicht.
  • Einfach getrennte Messung: Die Wärmepumpe bekommt Zähler und Tarif für sich. Solarstrom vom Dach erreicht sie dann nicht.
  • Kaskadenschaltung: Zwei hintereinandergeschaltete Zähler ermöglichen beides. Das bedeutet mehr Installationsaufwand und höhere Messkosten, zudem muss der Netzbetreiber das Messkonzept genehmigen. Laut ADAC lohnt sich die Kaskade vor allem bei hohem Netzstrombedarf.

Wichtig für alle, die Solarstrom und Netzentgelt-Rabatt kombinieren wollen: Laut Festlegung der Bundesnetzagentur funktioniert Modul 2 mit den gängigen Messkonzepten auch zusammen mit Eigenverbrauch aus einer Photovoltaikanlage. Der Rabatt gilt dann allerdings nur für den Strom, den die Wärmepumpe tatsächlich aus dem Netz zieht.

Modul 1, 2 oder 3: Welches Netzentgelt-Modell passt?

Wärmepumpe: Modul 1 oder 2? Das ist die wichtigste Frage, denn beide schließen sich gegenseitig aus.

  • Modul 1 – pauschal: Sie erhalten einen jährlichen Festbetrag, unabhängig vom Verbrauch. Seine Höhe hängt vom Netzgebiet ab, ein gemeinsamer Zähler genügt. Ohne aktive Wahl gilt automatisch Modul 1.
  • Modul 2 – prozentual: Der Netzentgelt-Arbeitspreis sinkt auf 40 Prozent. Sie haben richtig gelesen: Gemeint ist nicht der Arbeitspreis Ihres Liefervertrags, sondern nur der darin enthaltene Netzentgelt-Anteil. Voraussetzung ist ein separater Zähler.
  • Modul 3 – zeitvariabel: Seit April 2025 lässt sich Modul 1 um zeitabhängige Netzentgelte mit drei Preisstufen ergänzen. Modul 3 gibt es nur zusammen mit Modul 1, nicht mit Modul 2, und es setzt ein intelligentes Messsystem Hängt die Wärmepumpe am Haushaltszähler, gilt das zeitvariable Netzentgelt für den gesamten Haushaltsstrom.

Ein Wechsel zwischen Modul 1 und 2 ist möglich, allerdings nicht rückwirkend.

Modul 3 ist kein dynamischer Stromtarif

Bei Modul 3 schwanken die Netzentgelte je nach Tageszeit. Bei einem dynamischen Stromtarif verändert sich dagegen der Strompreis entsprechend den Börsenpreisen. Beides lässt sich kombinieren.

Für Wärmepumpen bringt Modul 3 allerdings meist nur geringe Vorteile, da sie auch tagsüber Strom benötigen. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Beitrag über dynamische Stromtarife »

Wann lohnt sich ein eigener Wärmepumpen-Stromtarif?

Ein Elektrotechniker mit weißem Schutzhelm, Schutzbrille und neongelber Warnweste steht vor einem geöffneten Sicherungskasten. Er hält ein blaues Tablet in der linken Hand und tippt mit der rechten auf den Bildschirm, während er die Installationen überprü
Ein freier Zählerplatz im Schrank ist die bauliche Grundvoraussetzung, um einen separaten Wärmepumpentarif für das Netzentgelt-Modul 2 ohne teure Umrüstungen nutzen zu können.
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Ob ein separater Wärmepumpen-Stromtarif sinnvoll ist, hängt vor allem vom Jahresverbrauch ab. Statt einer Pauschalantwort hilft ein Rechenweg mit Ihren eigenen Zahlen:

  1. Verbrauch ermitteln: Wie viele Kilowattstunden zieht die Wärmepumpe pro Jahr aus dem Netz?
  2. Ersparnis berechnen: Den Netzentgelt-Arbeitspreis nennt das Preisblatt Ihres Netzbetreibers – steht dort ein Nettowert, kommt die Mehrwertsteuer hinzu. Modul 2 spart 60 Prozent davon, multipliziert mit dem Verbrauch. Mit eigenem Zähler sinkt zudem oft die Konzessionsabgabe.
  3. Kosten abziehen: den Pauschalrabatt aus Modul 1, der wegfällt, den Grundpreis des zweiten Vertrags, das Messentgelt und, auf einige Jahre verteilt, einen möglichen Umbau des Zählerschranks.

Bleibt ein Plus, spricht das für den zweiten Zähler.

Bei geringem Verbrauch, etwa im gut gedämmten Neubau, kann der Zweittarif dagegen teurer werden. Eine Photovoltaikanlage verschiebt die Rechnung zusätzlich: Je mehr Solarstrom die Wärmepumpe nutzt, desto weniger Netzstrom profitiert vom Modul-2-Rabatt. Der Pauschalrabatt aus Modul 1 bleibt dagegen in voller Höhe. Modul 1 plus 3 wird interessant, wenn ein intelligentes Messsystem vorhanden ist und Sie Verbrauch – etwa das Laden des E-Autos – in günstige Zeitfenster legen können.

Entscheidungstabelle: Wann lohnt sich welcher Tarif?

Ihre Situation

Zähler

Modul

Darauf sollten Sie achten

Geringer Verbrauch, etwa im gut gedämmten Neubau

gemeinsam

Modul 1

Weitergabe des Pauschalrabatts bestätigen lassen

Hoher Verbrauch, etwa im Bestandsgebäude

separat

Modul 2

Zählerschrank prüfen, Rechenweg durchgehen

Intelligentes Messsystem vorhanden, Verbrauch verschiebbar (z. B. E-Auto)

gemeinsam

Modul 1 + 3

Zeitfenster im Preisblatt des Netzbetreibers; gilt für den gesamten Haushaltsstrom

PV-Anlage mit viel Eigenverbrauch

gemeinsam

Modul 1

Solarstrom fließt direkt in die Wärmepumpe

PV-Anlage und hoher Netzstrombedarf

Kaskade

Modul 2

Genehmigung des Netzbetreibers, Mehrkosten; Rabatt nur auf Netzbezug

Kein Platz im Zählerschrank

gemeinsam

Modul 1, ggf. + 3

Umbaukosten gegen Ersparnis rechnen

Haus mit Wärmepumpe gekauft

vorhandenen prüfen

zunächst Modul 1

Modul selbst neu wählen

 

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Mein Eigenheim / Ch. Mascheck

Angebote richtig vergleichen

Erst das Modul, dann der Tarif: Viele Wärmepumpentarife sind an ein Modul gebunden. Prüfen Sie außerdem, ob der Lieferant die Netzentgeltreduzierung weitergibt. Verpflichtet ist er dazu laut Bundesnetzagentur nicht, maßgeblich sind Vertrag und AGB.

Eine im September 2026 veröffentlichte Finanztip-Umfrage unter 20 großen Versorgern zeigt, wie uneinheitlich die Praxis ist: Nur sieben geben den Modul-2-Rabatt in allen Tarifen weiter, zwölf nur in Spezialtarifen. Modul 3 ermöglichen ebenfalls nur sieben.

„Es ist wichtig, dass alle Stromanbieter die Netzentgeltreduzierung direkt im Preis ausweisen“, sagte André Juffern, Bereichsleiter Energie der Verbraucherzentrale NRW, bereits im März 2026. „Nur so wird der tatsächlich zu zahlende Preis erkennbar und die Tarife verschiedener Anbieter damit vergleichbar.“ Vergleichen Sie außerdem Grund- und Arbeitspreis getrennt sowie Laufzeit, Preisgarantie und gegebenenfalls den Ökostrom-Nachweis.

Gut zu wissen: Das Modul zieht nicht mit um

Wer ein Haus mit Wärmepumpe kauft, übernimmt nicht das Modul des Vorbesitzers. Die Wahl von Modul 2 oder 3 ist nicht übertragbar, beim Betreiberwechsel gilt zunächst Modul 1, bis Sie neu wählen

Fazit: Wann lohnt sich ein eigener Wärmepumpentarif?

  • Bei geringem Stromverbrauch reicht meist ein gemeinsamer Zähler für Haushalt und Wärmepumpe.
  • Bei hohem Verbrauch kann sich dagegen ein separater Wärmepumpentarif lohnen – vorausgesetzt, die Einsparungen übersteigen die zusätzlichen Kosten.

Unser Tipp: Vergleichen Sie beide Varianten und achten Sie darauf, dass Ihr Stromanbieter die reduzierten Netzentgelte tatsächlich an Sie weitergibt.

Rechtlicher Hinweis

Die Inhalte dieses Artikels dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle Rechts-, Steuer- oder Energieberatung. Gesetze, Verordnungen und Förderprogramme können sich ändern. Für Ihre persönliche Situation empfehlen wir, einen zugelassenen Rechtsanwalt, einen Steuerberater sowie einen zertifizierten Energieberater hinzuzuziehen. Nur so lässt sich sicherstellen, dass die für Sie geltenden Pflichten, Fristen und Fördermöglichkeiten korrekt ermittelt und eingehalten werden. Die Redaktion von Mein EigenHeim übernimmt keine Haftung für die Vollständigkeit, Richtigkeit oder Aktualität der bereitgestellten Informationen.