Dynamische Stromtarife 2026: Für wen lohnt sich der Wechsel – und für wen nicht?

Mann sitzt im Sessel und checkt seinen Stromverbrauch am Smartphone

Mit flexiblen Stromtarifen Geld sparen

Foto: Tibber

Ob morgens oder abends – beim klassischen Stromtarif kostet die Kilowattstunde meist immer gleich viel. Bei dynamischen Stromtarifen ändert sich der Arbeitspreis im Tagesverlauf, weil er an den Börsenstrompreis gekoppelt ist. Wird viel Strom ins Netz eingespeist, wird er billiger. Das zu nutzen kann sich lohnen – muss aber nicht.

Wichtig: Seit 2025 müssen Stromlieferanten dynamische Stromtarife anbieten (mindestens einen) – in der Praxis setzen diese Tarife aber ein intelligentes Messsystem („Smart Meter“) voraus. Wir zeigen, wie Sie vorgehen sollten, um mit flexiblen Stromtarifen möglichst viel Geld zu sparen.

Dieser Artikel wird laufend aktualisiert. Letzte Aktualisierung: Januar 2026

Das erfahren Sie in diesem Artikel:

  1. Was sind dynamische Stromtarife?
  2. So sparen Sie mit einem dynamischen Stromtarif
  3. Welche dynamischen Stromtarife gibt es und wie funktioniert der Wechsel?
  4. Smart Meter: Das brauchen Sie, um von einem flexiblen Stromtarif zu profitieren
  5. Gibt es auch Nachteile bei dynamischen Stromtarifen?
  6. Fazit: Lohnt sich ein dynamischer Stromtarif?

Was sind dynamische Stromtarife?

Mit dynamischen Stromtarifen können Haushalte Geld sparen, weil sie den Strom in Zeiten guter Verfügbarkeit günstiger bekommen. Ein dynamischer Stromtarif besteht meistens aus:

  • Grundpreis (monatlich)
  • variablem Arbeitspreis (ändert sich – häufig stündlich)

Der variable Arbeitspreis orientiert sich am Day-Ahead-Börsenpreis: Die Preise für die Stunden des nächsten Tages stehen also einen Tag vorher fest und sind meist per App oder Online-Portal einsehbar. Die Verbraucher können an sinkenden Preisen an der Strombörse direkt beteiligt werden – allerdings auch an steigenden.

Dynamische Stromtarife App
Heute schon sehen was der Strom morgen kostet. Die App des dynamischen Stromtarifs informiert über den künftigen Strompreis.
Tibber

Wie kommt der Preis zustande – und warum schwankt er?

Mann sitzt im Sessel und checkt seinen Stromverbrauch am Smartphone
Werfen Sie am Abend einen kurzen Blick in die App. Anhand der Preise des nächsten Tages können Sie planen, wann stromintensive Maschinen laufen sollen.
Tibber

Der Börsenstrompreis schwankt, weil Angebot und Nachfrage sich ständig ändern. Bei viel Einspeisung aus Wind und Sonne sind Preise oft niedriger – abends bei hoher Nachfrage eher höher.

Als grober Orientierungswert: Der durchschnittliche volumengewichtete Day-Ahead-Börsenpreis lag 2025 bei 8,65 Cent/kWh (Fraunhofer ISE).

Ein aktueller Hinweis aus dem letzten Jahr 2025: Die Bundesnetzagentur veröffentlicht auf SMARD modellierte Vergleichsdaten und berichtet, dass dynamische Preise 2025 (modellhaft) seit April durchgehend unter den Fixpreisen lagen – allerdings ohne „Lastverschiebung“ im Modell.

Das Bild zeigt eine leuchtende Glühbirne im Vordergrund, umgeben von weiteren Glühbirnen im Hintergrund, sowie einem Diagramm mit aufsteigenden Balken in Blau und Orange und einem roten Pfeil, der den Wachstumstrend symbolisiert.

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So sparen Sie mit einem dynamischen Stromtarif

Ein dynamischer Tarif lohnt sich vor allem, wenn Sie Stromverbrauch verschieben können – also Strom dann nutzen, wenn er günstig ist (oft bei viel Wind/Sonne im Netz).

Das klappt besonders gut bei:

  • E-Auto laden
  • Wärmepumpe
  • Batteriespeicher / Energiemanagement
  • Waschmaschine/Trockner/Spülmaschine (zeitversetzt starten)

Ohne flexible Verbraucher ist der Effekt häufig kleiner – weil dann nur ein Teil des Verbrauchs in günstige Stunden rutscht.

Welche dynamischen Stromtarife gibt es und wie funktioniert der Wechsel?

In Deutschland gab es schon vor 2025 mehrere Anbieter von dynamischen Stromtarifen für Haushalte. Dazu gehören zum Beispiel Awattar, Tibber, Lichtblick, Octopus Energy, Gassag oder Rabot Charge. Seit 2025 ist jeder Stromanbieter dazu verpflichtet, flexible Stromtarife anzubieten.

Der Wechsel von einem festen zu einem dynamischen Tarif funktioniert wie ein normaler Anbieterwechsel. Der neue Energielieferant kündigt den alten Vertrag für Sie oder Sie erledigen dies selbst.

Schritt für Schritt: So gehen Sie vor

1 Prüfen: Habe ich ein intelligentes Messsystem (iMSys)?
Für echte dynamische Tarife (stündliche Abrechnung) ist das praktisch Voraussetzung.

2 Wenn nein: Smart Meter anfragen
Seit 2025 können Verbraucher beim grundzuständigen Messstellenbetreiber den vorzeitigen Einbau eines intelligenten Messsystems verlangen – Einbau binnen 4 Monaten.

3 Tarife vergleichen (nicht nur den Börsenpreis!)
Achten Sie auf:

  • Grundpreis
  • Aufschläge/Zuschläge auf den Börsenpreis (z. B. „Service-Fee“)
  • Kündigungsfrist (oft monatlich)
  • Abrechnung (stündlich/viertelstündlich)
  • Transparenz der Preisformel

4 Verbrauch aktiv verschieben
Das bringt in der Regel den größten Effekt: Laden, Heizen, Waschen in günstige Zeitfenster legen – idealerweise automatisiert.

Smart Meter: Das brauchen Sie, um von einem flexiblen Stromtarif zu profitieren

Um von einem dynamischen Stromtarif profitieren zu können, benötigen Sie einen Smart Meter. Der digitale Stromzähler ist über eine Kommunikationseinheit, den sogenannten „Smart Meter Gateway“, in ein Kommunikationssystem eingebunden, das er Ihren Stromverbrauch nahezu in Echtzeit abbildet. Der Verbrauch wird über das Internet an den Energieversorger und den Netzbetreiber übermittelt. Gleichzeitig wird Ihnen zum Beispiel über eine App der Strompreis an der Börse angezeigt. So können Sie Ihren Stromverbrauch direkt daran anpassen.

Tibber Pulse lässt den Stromverbrauch via App untersuchen
Tibber bietet ein kleines Gerät an: den Pulse-Strom-Tracker. Er wird am digitalen Zähler angebracht und zeigt den Stromverbrauch in Echtzeit an. So lassen sich Stromfresser im Haushalt leichter identifizieren. Das ersetzt nicht den Smart Meter, hilft aber bei der Einschätzung des eigenen Stromverbrauchs.
Tibber

Den intelligenten Stromzähler können Sie sich von einem Messstellenbetreiber einbauen lassen. Ab 2025 haben Sie gesetzlichen Anspruch auf einen intelligenten Stromzähler. Der Messstellenbetreiber ist dann verpflichtet, Ihnen das Gerät innerhalb von vier Monaten einzubauen. Der Preis dafür ist ab 2025 auf 20 Euro gedeckelt. Die Jahresgebühr ist allerdings etwas höher als bei Ihrem alten Ferraris-Zähler.

Teilweise erhalten Sie den Stromzähler beim Wechsel in einen dynamischen Tarif gleich mit dazu und dieser wird im Angebot gesondert ausgewiesen.

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Was tun, wenn ich noch keinen Smart Meter besitze?

Einige Anbieter von dynamischen Stromtarifen bieten diese auch für Kunden ohne Smart Meter an. Dafür müssen die Kunden ihren Energieverbrauch jeden Monat übermitteln. Allerdings ist die Berechnung weniger präzise und die Kosteneinsparung geringer. Hier wird der Verbrauch meist zu durchschnittlichen Monatspreisen abgerechnet, wie etwas beim Tarif „monatliche dynamische Abrechnung“ von Tibber. Stundengenaue Abrechnung ist nur mit Smart Metern möglich.

Gibt es auch Nachteile bei dynamischen Stromtarifen?

Ja – diese Punkte sollten Sie klar auf dem Schirm haben:

  • Preisrisiko: Steigt der Börsenpreis, steigt auch Ihr Arbeitspreis direkt mit.

  • Nicht für jeden geeignet: Wenn Sie Ihren Verbrauch kaum steuern können, ist der Spareffekt oft klein.

  • Tarif-Fallen: Manche Tarife haben Aufschläge oder Beteiligungsmodelle – daher unbedingt die Preisformel prüfen.

Grundsätzlich gilt: Die Kunden tragen das finanzielle Risiko, wenn die Strompreise an der Börse stark schwanken. Nur wenn Sie die Möglichkeit haben, große Strommengen vor allem dann zu beziehen, wenn der Strom gerade günstig ist, lohnt sich der Wechsel.

Vorteile

Nachteile

Preisflexibilität: Dynamische Tarife basieren auf den tatsächlichen Strompreisen, die stündlich schwanken. Wenn Sie Ihren Stromverbrauch flexibel anpassen, profitieren Sie von niedrigeren Preisen während der Nebenzeiten.

Komplexität: Dynamische Tarife erfordern ein gewisses Verständnis der Strompreisentwicklung und die Bereitschaft, den Verbrauch zu überwachen.

Kosteneinsparungen: In Zeiten geringer Nachfrage (z. B. nachts) zahlen Sie weniger für Ihren Strom. Dies kann günstig sein, insbesondere wenn Sie Ihren Verbrauch strategisch planen.

Unvorhersehbarkeit: Die Preise können stark schwanken, was zu unerwarteten Kosten führen kann, wenn Sie nicht aufmerksam sind.

Umweltbewusstsein: Durch die Nutzung von Strom in Zeiten mit geringer Nachfrage tragen Sie zur besseren Auslastung des Stromnetzes bei und fördern die Energiewende.

Nicht für jeden geeignet: Wenn Sie Ihren Stromverbrauch nicht flexibel anpassen können, ist ein dynamischer Tarif möglicherweise nicht die beste Wahl.

Fazit: Lohnt sich ein dynamischer Stromtarif?

Ein dynamischer Stromtarif kann sich lohnen – vor allem mit planbarem, verschiebbarem, großem Stromverbrauch (E-Auto, Wärmepumpe, Speicher). Wer dagegen wenig Spielraum hat und möglichst stabile Kosten möchte, ist mit einem guten Fixpreis-/Ökostromtarif oft entspannter unterwegs.

Wichtig: Wenn Sie den Wechsel überlegen, prüfen Sie zuerst, ob ein Smart Meter vorhanden ist (oder zeitnah kommt) – und vergleichen Sie Tarife immer inklusive Grundpreis und Zuschlägen.

Stand: Januar 2026