Fenster & Fassade

Fassadenbegrünung: Hochhaus-Architektur mit Pflanzen

Videos: Vertikalgärten in der Stadt

Foto: Chris Barbalis/Unsplash

Bäume, Parkflächen – und auch grüne Fassaden verbessern das Klima in der Stadt. Hier erfahren Sie, wie das funktioniert. Die Videos zeigen grüne Hochhausarchitektur in Mailand und ein System zur vertikalen Begrünung des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (UMSICHT).

Grünflächen im urbanen Raum verbessern das Klima

Detailansicht des "Bosco verticale" in Mailand.
Foto: Chris Barbalis/Unsplash

Die Städte wachsen. Bis 2030, so prognostiziert es die UNO, steigt die Zahl der städtischen Bevölkerung auf über 60 Prozent an. Dieser Zustrom bringt auch negative Auswirkungen mit sich: zunehmender Verkehr, mehr Lärm, schlechte Luft. Begrünte Fassaden können diesen Begleiterscheinungen entgegenwirken.

Je stärker sich Städte verdichten, desto wichtiger wird es, Grünflächen im urbanen Raum zu schaffen. Zum einen bieten diese einen hohen Erholungswert. Zum anderen verbessern sie das städtische Klima. Bäume und Pflanzen sorgen für Frischluft, indem sie CO2, Stickoxide und Feinstaub binden. Das Grün kühlt die Umgebung nachweislich ab – und es bietet Lebensräume für Vögel und Insekten.

Das Thema Natur in der Stadt treibt Architekten und Planer um – wie diese Reportage über grüne Hochhausarchitektur mit eindrucksvollen Beispielen zeigt:

Video: Grüne Hochhausarchitektur in Italien

Im Video: Der „Bosco verticale“ in Mailand, ein begrüntes Zwillingsturmensemble, das im Jahr 2014 zur Weltausstellung erbaut wurde. Die beiden Türme messen 110 Meter und 80 Meter und sind damit eigene vertikale Wälder mitten in der Stadt.

Ein anderes Beispiel: "25 Verde" − ein üppig bepflanztes Appartmenthaus in Turin. "Wir haben versucht, eine Art bewohnbaren Wald zu schaffen", so Architekt Luciano Pia. Das ist ihm gelungen.

Fraunhofer Institut: System zur vertikalen Begrünung

Mit der Begrünung von Fassaden beschäftigt sich auch das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT. Die Forscher haben mit Partnern aus der Industrie ein System zur vertikalen Begrünung entwickelt. Damit lassen sich im privaten oder öffentlichen Raum Gebäudefassaden bepflanzen oder Schallschutzwände realisieren.

Eine grüne Kräuterwand, mit Bewässerungsanlage.
Foto: Fraunhofer UMSICHT

Kalksandstein − ideal zur vertikalen Begrünung

„Biolit Vertical Green“ heißt das System, das für großflächige vertikale Begrünungen konzipiert wurde. Das Wandsystem nutzt die Vorteile von Kalksandstein: Der mineralische Werkstoff ist saugfähig, kann Flüssigkeit speichern und ist damit ideal für derartige Anwendungen geeignet.

Die einzelnen Elemente sind mit Pflanzrinnen versehen. Pflanzsubstrate sorgen für die nötigen Nährstoffe. Bewässert wird von oben. Allein durch die Schwerkraft wandert die Flüssigkeit in der Wand nach unten und erreicht so alle Pflanzrinnen. So bedecken die Pflanzen nach und nach die vertikale Fläche. Für die Begrünung eignen sich unterschiedlichste Pflanzen. Vor allem Gräser sind gut geeignet, sie begrünen die Fassade schon nach zwei bis drei Wochen.

Bei der Bepflanzung ist von Gräsern bis hin zum Naschgarten vieles möglich.
Foto: Unika

Flexible Module zur Fassadenbegrünung

Aufgebaut wird das Begrünungssystem wie eine herkömmliche Wand. Theoretisch können die Wände beliebig lang und hoch werden.

»Man muss dann eben nur die bautechnischen Maßnahmen berücksichtigen und beispielsweise für ein ausreichend großes Fundament sorgen oder Aussteifungen einbauen, um die Wand vor Windlasten zu sichern«, erklärt Dr. Holger Wack, stellvertretender Leiter der Abteilung Materialsysteme und Hochdrucktechnik beim Fraunhofer UMSICHT.

Die Anwendungsgebiete reichen von Großprojekten im öffentlichen Raum bis hin zur kleinen Wänden im privaten Bereich: Trennwände für Garagen oder Doppelhaushälften beispielsweise. Kleinteilige Module können sogar für Balkone oder Terrassen oder als Kräutergarten genutzt werden.

Diverse Projekte wurden schon umgesetzt: Eine vertikale Wand steht direkt am Standort vom Fraunhofer UMSICHT in Oberhausen, eine in Castrop-Rauxel beim Kooperationspartner Unika, eine in Spanien in Alicante. In den Wissensgärten der Landesgartenschau Würzburg 2018 wurde das vertikale Begrünungssystem in Form einer drei Meter breiten und zwei Meter hohen Kräuterwand realisiert.

In diesem Video erfahren Sie mehr über das Begrünungssystem des Fraunhofer UMSICHT:

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