Bauplanung

Häuser aus dem 3-D-Drucker: Fertig in 24 Stunden

Neue Technologie: Häuser aus einem Guss

Bild: Houben/Van Mierlo architecten. A.I: YuconVR

Ein Hausbau dauert in der Regel mehrere Monate und kostet viel Geld. Wie schön wäre es doch, sich das eigene Haus einfach auszudrucken – und fertig! Was würden Sie sagen, wenn dieser Traum schon Wirklichkeit geworden ist?

Mit modernen 3-D-Druckrobotern ist es möglich, ein ganzes Haus in nur 24 Stunden auszudrucken – zu einem Bruchteil der sonst üblichen Kosten.

Das erfahren Sie in diesem Artikel:

  1. Moskau: Ein Haus in 24 Stunden
  2. Eindhoven: Hinkelsteine zum Wohnen
  3. Mailand: Moderner Modulbau
  4. München: Beton meets Bionik
  5. Gibt es bald 3-D-Drucker-Häuser in Deutschland?

Moskau: Ein Haus in 24 Stunden

Nur 24 Stunden benötigt ein 3-D-Druckroboter der Firma Apis Cor in Russland, um ein kleines Wohnhaus mit Wohnzimmer, Flur, Küche und Bad zu errichten. Der Rohbau kostet gerade einmal rund 4000 Euro, der Ausbau – Türen, Fenster, Fassade und technischer Ausstattung – weitere rund 6000 Euro.

Das knapp einminütige Video zeigt, wie der mobile Drucker aus der Betonmischung Schicht für Schicht den Rohbau errichtet.

Der 3-D-Drucker sprüht ein spezielles Betongemisch, aus dem innerhalb weniger Stunden die runden Wände entstehen − ein Haus aus einem Guss. Diese Bauweise unterscheidet sich von anderen 3-D-Techniken, bei denen vorab einzelne Module gefertigt werden, die dann vor Ort zusammengesetzt werden.

Weil der Beton in einzelnen Schichten aufgetragen wird, spricht man im Fachjargon übrigens auch von additiver Fertigung.

Eindhoven: Hinkelsteine zum Wohnen

Mit dem "Project Milestone" soll im niederländischen Eindhoven ein weiterer Meilenstein im 3-D-Druck gesetzt werden. Fünf Häuser sind in Planung, die von außen an die Hinkelsteine von Obelix erinnern.

Für das Projekt kooperieren Forscher der Technischen Universität Eindhoven und des Bauunternehmens Van Wijnen.

3-D-Drucker in Aktion
Bild: Houben/Van Mierlo architecten. A.I: YuconVR

Während beim herkömmlichen Betonieren durch die notwendige Verschalung die Gestaltungsmöglichkeiten begrenzt sind, erlaubt der 3-D-Druck auch unkonventionelle Formen wie abgerundete Ecken oder bauchige Außenwände.

3-D-Drucker in Aktion
Bild: Houben/Van Mierlo architecten. A.I: YuconVR

Weiterer Vorteil: Es wird weniger Zement benötigt.

„Eine solche Wand kann mit allen Funktionalitäten gedruckt werden“, erklärt Theo Salet, Professor für Hochbau und Dekan des Instituts für Bauplanung an der Technischen Universität Eindhoven. Dazu gehören beispielsweise Aussparungen für Rohre, Kabel und Steckdosen.

Muss es immer Beton sein?

Die „Druckertinte“ muss nicht unbedingt Beton sein: In Amsterdam experimentiert man mit dem Druck von Bio-Kunststoff in Wabentechnik. Und an der ETH Zürich drucken Forscher ein dichtes dreidimensionales Metallgewebe, in das später flüssiger Beton verfüllt wird.

Mailand: Moderner Modulbau

3-D-Drucker Haus Mailand 'Luca Rotondo'
"3D Housing 05" auf dem großen Piazza Cesare Beccaria im italienischen Mailand. Eine Besonderheit sind die geschwungenen Wände des Baus.
Foto: Arup

Auf 100 Quadratmetern Wohnfläche findet sich genügend Platz für ein Wohnzimmer, ein Schlafzimmer, Küche und Bad. Das zeigte die Firma Arup beim "Salone des Mobile" 2018 im Zentrum Mailands.

Das moderne Haus aus dem 3-D-Drucker wurde aus 35 einzelnen Modulen zusammengesetzt, die in 60 bis 90 Minuten produziert wurden. Das ganze Haus wurde in insgesamt 48 Stunden ausgedruckt.

München: Beton meets Bionik

Auch die TU München forscht am modernen 3-D-Druck mit Beton. Die Forscher experimentieren mit verschiedenen Verfahren. Unter anderem ist es jetzt erstmals gelungen, filigrane bionische Strukturen aus Beton zu drucken, die genauso stabil und belastbar sind wie herkömmlicher Beton, aber weniger Ressourcen benötigen.

Weiterer Clou: Die Zugabe von Holzspänen, die viel Luft enthalten, sorgt für integrierte Wärmedämmung, die ein Gebäude im Winter vor dem Auskühlen schützt und im Sommer ein Aufheizen verhindert.

TU München 3-D-Drucker
Bachelor-Studentin Bettina Saile befüllt den Versuchsextruder mit Frischbeton.
Foto: K. Henke / TU München

Gibt es 3-D-Drucker-Häuser bald auch in Deutschland?

Fest steht: Der 3D-Druck wird die Architektur verändern. Denn Häuser aus dem Drucker haben viele Vorteile: Schnellere Baugeschwindigkeit, niedrigere Kosten, weniger Ressourcenverbrauch, mehr Kreativität bei der Gestaltung. Seine Vorzüge spielt der 3-D-Druck vor allem dort aus, wo geometrisch komplexe Bauteile in kleinen Stückzahlen produziert werden sollen.

Ob sich der 3D-Druck des Eigenheims in Deutschland durchsetzt, ist allerdings noch offen. Denkbar ist auch eine Mischbauweise, bei der sowohl konventionelle Methoden als auch additiv gefertigte Elemente zum Einsatz kommen.

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