Haus sanieren: Diese Reihenfolge spart unnötige Kosten
Energetisch sanieren mit Erfolg
Dach, Fenster oder doch zuerst die Heizung? Wer sein Haus energetisch sanieren möchte, sollte die Maßnahmen gut aufeinander abstimmen. Wir zeigen Schritt für Schritt, welche Reihenfolge sinnvoll ist, was zuerst erledigt werden muss und welche Arbeiten sich clever bündeln lassen.
Das erfahren Sie in diesem Artikel:
Haus sanieren: die sinnvolle Reihenfolge
1. Zustand des Hauses prüfen und Gesamtkonzept erstellen
Energieberatung und Sanierungsfahrplan bieten dafür eine gute Grundlage.
2. Akute Schäden zuerst beseitigen
Undichtigkeiten, Feuchtigkeit, Schimmel oder statische Probleme haben Vorrang vor energetischen Verbesserungen.
3. Maßnahmen bündeln
Dämmung + Heizung, Dach + Photovoltaik, Fenster + Fassade, Fußboden + Heiztechnik gemeinsam planen.
4. Dämmung: optimaler Start in die Sanierung
Dach oder oberste Geschossdecke, Fassade, Fenster und Kellerdecke nach Bedarf sanieren.
5. Heizung passend auslegen
Den geringeren Wärmebedarf nach der Sanierung berücksichtigen.
6. Förderung beantragen
Anträge rechtzeitig vor Beginn beziehungsweise Beauftragung stellen.
7. Mit Innenausbau abschließen
Putz, Böden und Malerarbeiten möglichst zuletzt erledigen.
1. Zustand des Hauses prüfen
Bevor Sie die energetische Sanierung Ihres Eigenheims in Angriff nehmen, sollten Sie zunächst den Zustand des Hauses prüfen und auf dieser Grundlage ein durchdachtes Konzept entwickeln lassen. Ein preisgünstiger erster Schritt auf dem Weg zum „Sanierungs-Masterplan” sind Energieberatungen. Diese gibt es schon für einige Hundert Euro.
Eine Energieberatung deckt energetische Schwachstellen Ihres Hauses auf und zeigt, welche Maßnahmen sich bei einer energetischen Sanierung wirklich lohnen. Der Staat bezuschusst Energieberatungen aktuell mit bis zu 50 Prozent der Kosten.
Tipp: In diesem Artikel informieren wir zu Ablauf und Kosten einer Energieberatung und geben Tipps, wie Sie Energieberater in Ihrer Nähe finden können.
Sanierungsfahrplan als Abschluss der Energieberatung
Am Ende des Beratungsprozesses halten Sie ein Sanierungsgutachten und einen individuellen Sanierungsfahrplan in Ihren Händen und können sich damit gut vorbereitet an Ihr Sanierungsprojekt machen.
Ziele und Budget festlegen
Klären Sie vorab drei Fragen:
- Welches Ziel möchten Sie erreichen?
- Wie hoch sind Budget und Zeitrahmen?
- Welche Bauteile, beispielsweise das Dach, müssen ohnehin erneuert werden?
Ein individuelle Sanierungsfahrplan (iSFP) zeigt, welche energetischen Sanierungsmaßnahmen sinnvoll sind und in welcher Reihenfolge sie umgesetzt werden können. Die Sanierung selbst kann sich dabei über mehrere Jahre erstrecken. Hier erfahren Sie, wann sich ein individueller Sanierungsfahrplan lohnt »
2. Akute Schäden zuerst beseitigen
Bevor Sie mit der energetischen Sanierung beginnen, sollten akute Schäden behoben werden. Dazu gehören beispielsweise ein undichtes Dach, Feuchtigkeit, Schimmel, defekte Leitungen oder statische Probleme.
Solche Mängel können sich schnell verschlimmern und bereits ausgeführte Sanierungsarbeiten wieder beschädigen. Erst wenn das Gebäude trocken und baulich sicher ist, sollten Dämmung, Fenster oder Heizung folgen.
3. Maßnahmen bündeln
Stimmen Sie Maßnahmen frühzeitig aufeinander ab. So vermeiden Sie doppelte Arbeiten, ungünstige Anschlüsse und unnötige Kosten.
Dämmung + Heizung aufeinander abstimmen
In vielen Fällen kann es sinnvoll sein, zunächst Dämmmaßnahmen durchzuführen und erst in einem der nachfolgenden Schritte eine neue Heizungsanlage anzuschaffen. Der Grund: Die Heizungsanlage kann dann kleiner (und damit günstiger) dimensioniert werden − angepasst an den neuen Ist-Zustand des Hauses.
Fenster + Fassade im Doppelpack
Wenn sowohl Fenster als auch Fassade energetisch saniert werden sollen, sollten Sie beide Sanierungsschritte aufeinander abstimmen und miteinander verknüpfen. Das hat große Vorteile, denn so ist eine lückenlose Dämmung gewährleistet, auch am energetisch sensiblen Übergang zwischen Fenstern und Fassade. Feuchteschäden und Kältebrücken werden vermieden. Die neuen Fenster können außerdem direkt bündig mit dem Mauerwerk in die Dämmebene der Fassade eingebaut werden.
Dach + Photovoltaik sind ideale Kombipartner
Muss das Dach ohnehin erneuert werden, sollten Sie gleichzeitig prüfen, ob sich eine Photovoltaikanlage lohnt. Dann sparen Sie sich den zweimaligen Aufbau eines Gerüsts und können die PV-Anlage direkt sauber aufbauen.
4. Dämmung: Sinnvoller Start in die Sanierung
Bei der Dämmung ist es sinnvoll, von oben nach unten zu beginnen.
Dachdämmung − abgestimmt auf Ihren Bedarf
Bei einem ungedämmten Dach geht bis zu 30 Prozent der Heizwärme verloren. Eine nachträgliche Dachdämmung hilft daher enorm, Energiekosten zu sparen. Sie ist eine der wichtigsten energetischen Sanierungsmaßnahmen. In diesem Artikel erklären wie die Unterschiede zwischen den drei Dachdämmmethoden: Dachdämmung von außen oder innen?
- Ist das Dachgeschoss beheizt, kommt eine Dachdämmung infrage.
- Bei einem unbeheizten Dachraum genügt in vielen Fällen die Dämmung der obersten Geschossdecke.
Fassadendämmung − am besten im Doppelpack mit neuen Fenstern
Fenster und Fassade sollten gemeinsam geplant werden. Prüfen Sie, ob zusätzlich ein Lüftungskonzept erforderlich ist, damit nach dem Fenstertausch Feuchtigkeit zuverlässig abgeführt wird. Hier stellen wir die drei wichtigsten Fassadendämmsysteme vor »
Unser Tipp: Nutzen Sie die Erneuerung von Fenstern und Fassade, um gleichzeitig mehr Licht ins Haus zu bringen. So ist beispielsweise die Verlängerung von normalen zu bodentiefen Fenstern, statisch gesehen, in der Regel einfach umsetzbar und kann bei einer Sanierungsmaßnahme einfach mitgenommen werden, bei nur geringen Zusatzkosten.
Machen Sie den Fenster-Check!
Mit unserer Checkliste Fenstertausch können Sie anhand eines Fragenkatalogs leicht feststellen, auf welchem energetischen Stand Ihre Fenster sind.
Unsere Checkliste hilft auch bei der Vorbereitung des Gesprächs mit dem Fachhandwerker.
Dämmung der Kellerdecke − preisgünstig umsetzbar
Die Dämmung der Kellerdecke komplettiert das Dämmpaket des Hauses. Sie verhindert kalte Füße und hat bei Fußbodenheizungen den Vorteil, dass sich die Vorlauftemperatur reduzieren lässt. Sie ist vergleichsweise einfach und kostengünstig umzusetzen und verbessert den Wohnkomfort im Erdgeschoss. Sie kann häufig auch unabhängig von anderen Sanierungsmaßnahmen erfolgen. Hier zeigen wir, wie Sie die Kellerdecke nachträglich selber dämmen können »
5. Neue Heizungsanlage − abgestimmt auf die bessere Dämmung
Nach der Dämmung benötigt das Haus weniger Heizenergie. Die neue Heizungsanlage kann deshalb passend zum geringeren Wärmebedarf ausgelegt werden. Welches System geeignet ist, hängt unter anderem vom energetischen Zustand, den vorhandenen Heizflächen und den örtlichen Gegebenheiten ab.
Welches Heizsystem ist das richtige für ältere Häuser?
Wärmepumpe, Pelletheizung oder Hybridsystem − welche Heizung ist im Altbau sinnvoll? In unserem Artikel vergleichen wir gängigen Heizsysteme mit Blick auf Ihre Eignung für Altbauten, in denen häufig noch Öl- oder Gasheizungen verbaut sind.
Hier stellen wir die sinnvollsten Heizungsalternativen im Altbau vor »
6. Mit Innenausbau abschließen
Malerarbeiten, Bodenbeläge und andere "Feinschliff"-Arbeiten am Innenausbau sollten möglichst erst erfolgen, wenn Dach, Fenster, Dämmung, Leitungen und Heizung fertig sind. So vermeiden Sie, dass neue Oberflächen durch Staub, Feuchtigkeit oder spätere Installationsarbeiten wieder beschädigt werden. Zudem lassen sich Anschlüsse und Aufbauhöhen besser aufeinander abstimmen.
7. Staatliche Fördergelder nutzen
Energetische Sanierungen von Bestandsgebäuden werden vom Staat stark gefördert. So sind beispielsweise bis zu 80 Prozent Zuschuss beim Einbau einer klimafreundlichen Heizanlage möglich.
Kostenloses E-Book "Energetisch sanieren mit Plan"
Die Wüstenrot Bausparkasse stellt auf ihrer Website einen kostenlosen Ratgeber zum energetischen Sanieren » zum Download bereit (grüner Kasten). Das E-Book gibt einen aktuellen Überblick über die gesetzlichen Regelungen, Sanierungspflichten und Fördergelder.
Fördergeld fürs eigene Zuhause nutzen
Wer Geld in die eigenen vier Wände steckt, sollte früh prüfen, welche Fördermöglichkeiten infrage kommen. Ab 2027 gibt es beispielsweise deutlich höhere Zulagen für die Eigenheimrente. In diesem Beitrag informiert die Wüstenrot Bausparkasse, wieviel Sie mit der neuen Eigenheimrente sparen können »
Was generell bei jeder energetischen Sanierung wichtig ist: Beginnen Sie frühzeitig mit der Planung, mindestens ein Jahr im Voraus. So bleibt genügend Zeit für Energieberatung, Förderanträge, Angebote und die Abstimmung der beteiligten Gewerke. Je besser die einzelnen Schritte aufeinander abgestimmt sind, desto geringer ist das Risiko von Verzögerungen und unnötigen Mehrkosten.