Ollas selber bauen: So einfach geht’s
Weniger gießen, mehr ernten
Ein heißer Sommer ohne Regen, der Boden trocken – wer hier täglich mit der Gießkanne anrückt, verliert Zeit, Geld und manchmal die Geduld. Eine jahrtausendealte Lösung aus China und Nordafrika feiert jetzt ihr Comeback: die Olla. Der unglasierte Tontopf wird einfach im Beet vergraben und gibt Wasser über Tage hinweg genau dort ab, wo die Pflanzen es brauchen – direkt an der Wurzel. Auch Urlaubstage lassen sich damit gut überbrücken. Wie Sie sich mit wenigen Handgriffen Ihre eigene Olla selber bauen, erfahren Sie hier.
Das erfahren Sie in diesem Artikel:
Was ist eine Olla? Prinzip und Wirkung
Dass Wasser im Garten zur kostbaren Ressource wird, ist längst keine Ausnahme mehr: Die Sommer werden immer trockener und heißer, mit spürbaren Folgen für Landwirtschaft, Trinkwasserversorgung und private Gärten.
Wassersparend und bedarfsgerecht
Extrem praktisch ist da die Tontopf-Bewässerung mit der Olla. Sie gilt unter Gartenexperten als eine der wassersparendsten Methoden überhaupt. Die Idee ist so einfach wie genial: Ein unglasierter, poröser Tonkrug wird bis zum Hals im Beet vergraben und mit Wasser befüllt. Weil der Ton nicht versiegelt ist, wandert die Feuchtigkeit durch die feinen Poren der Gefäßwand ins umliegende Erdreich – und zwar bedarfsgerecht: Je trockener der Boden, desto mehr Wasser gibt die Olla ab. Ist die Erde rundherum gesättigt, stoppt der Wasserfluss von selbst. Hat es geregnet, bleibt die Olla also einfach voll.
Für Hobbygärtner bedeutet das eine Wasserersparnis von 60−70 Prozent gegenüber der klassischen Gießkanne. Der Grund: Das Wasser fließt direkt an die Wurzeln, kaum etwas verdunstet an der Oberfläche. Viele Pflanzen bilden rund um die Olla sogar ein dichtes Feinwurzelgeflecht aus, um die zuverlässige Wasserquelle optimal zu nutzen.
Kapillarwirkung − was ist das?
Pflanzen transportieren Wasser von den Wurzeln bis in die Blattspitzen, obwohl die Schwerkraft dagegenarbeitet. Möglich macht das die Kapillarwirkung: Innerhalb feiner, strohhalmartiger Leitungsbahnen sorgt die Kohäsion – der Zusammenhalt der Wassermoleküle untereinander – gemeinsam mit der Adhäsion – dem Anhaften der Moleküle an den Zellwänden – für eine durchgehende Wasserkette, die nach oben gezogen wird. Genau dieses Prinzip nutzen auch die feinen Wurzeln, wenn sie sich gezielt das Wasser aus der Olla holen.
Feuchtigkeitsliebendes Gemüse profitiert besonders
Besonders gut eignen sich Ollas für tief wurzelnde Gemüsearten wie Tomaten, Gurken, Zucchini und Kürbis sowie für durstige Kräuter wie Minze und Basilikum. Frisch gesetzte Jungpflanzen brauchen in der Anwachsphase noch zusätzliches, oberflächliches Gießen, bis ihre Wurzeln die Olla erreicht haben. Aber nicht jede Pflanze profitiert: Mediterrane Kräuter wie Thymian oder Lavendel, die es lieber trocken mögen, kommen mit der dauerhaften Feuchtigkeit nicht gut zurecht – hier bleibt die klassische Gießkanne die bessere Wahl.
Ein weiterer Pluspunkt: Weil die Erdoberfläche trocken bleibt, fühlen sich Schnecken weniger wohl, Unkraut hat es schwerer und das Laub bleibt vor Pilzkrankheiten wie Mehltau verschont. Durch den ständigen, aber maßvollen Wasserreiz bilden Pflanzen zudem tiefere und robustere Wurzeln aus. Für eine Urlaubsüberbrückung von wenigen Tagen bis zu einer Woche sind Ollas damit ideal.
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Ollas selber bauen: Anleitung für Einsteiger und Fortgeschrittene
Eine eigene Olla zu bauen kostet kaum mehr als ein paar Euro und eine Stunde Geduld. Wir zeigen Ihnen zwei Varianten: die klassische Doppeltopf-Olla für mehr Volumen und eine besonders einfache Einzeltopf-Version für Einsteiger.
Wichtig: Nur unglasierte Töpfe verwenden!
Verwenden Sie ausschließlich unglasierte, poröse Tontöpfe. Glasierte oder lackierte Gefäße sind wasserdicht versiegelt, durch sie kann kein Wasser diffundieren. Dieser Fehler ist mit Abstand der häufigste Grund, warum selbst gebaute Ollas am Ende nicht funktionieren.
Variante A: Die klassische Doppeltopf-Olla
Das brauchen Sie:
- Zwei unglasierte Tontöpfe gleicher oder unterschiedlicher Größe (passt ein kleinerer kopfüber in einen größeren, funktioniert das ebenfalls)
- Verschlussmaterial für das Bodenloch: ein flacher Stein, eine Tonscherbe, eine Fliese oder ein Korken
- Kleber: Bienenwachs (natürlich, reversibel), Zement (dauerhaft) oder schadstofffreies Aquariensilikon
- Abdeckung: Untersetzer oder Deckel für die obere Öffnung
So gehen Sie vor:
- Bodenloch abdichten: Kleben Sie Stein oder Tonscherbe mit Wachs, Zement oder Silikon auf das Abflussloch im Boden des größeren, unteren Topfes, bis es wasserdicht verschlossen ist.
- Töpfe zusammenfügen: Tragen Sie Kleber auf den oberen Rand des abgedichteten Topfes auf und setzen Sie den zweiten Topf kopfüber darauf, sodass die Ränder bündig aufeinandertreffen.
- Verbindung versiegeln: Dichten Sie die Fuge zwischen beiden Töpfen sorgfältig mit dem gewählten Kleber ab.
- Aushärten lassen: Je nach Klebematerial braucht die Olla mindestens 24 Stunden, bis sie komplett ausgehärtet und einsatzbereit ist.
So sieht das Ergebnis aus:
Variante B: Die einfache Einzeltopf-Olla für Einsteiger
Wer es unkomplizierter mag, braucht nur einen einzigen unglasierten Tontopf. Dichten Sie das Abflussloch am Boden wie bei Variante A mit Stein, Tonscherbe oder Korken ab und lassen Sie den Kleber aushärten, fertig. Diese Variante fasst zwar weniger Wasser und muss häufiger nachgefüllt werden, ist dafür aber in wenigen Minuten einsatzbereit und perfekt, um das Prinzip erst einmal im Kleinen auszuprobieren, etwa im Balkonkasten oder Hochbeet.
Olla eingraben: Tiefe, Abstand und richtige Platzierung
Heben Sie neben den Pflanzen ein Loch aus, in das die Olla fast vollständig hineinpasst, und setzen Sie sie so ein, dass nur die obersten 3−4 Zentimeter aus dem Boden ragen. So verhindern Sie, dass Erde in die Einfüllöffnung rieselt. Füllen Sie das Loch ringsum mit Erde auf und drücken Sie diese gut an, damit die Olla direkten Bodenkontakt hat und die Wurzeln zügig an sie heranwachsen können.
Anschließend befüllen Sie die Olla durch die obere Öffnung mit Wasser und verschließen sie mit Deckel oder Untersetzer, damit nichts verdunstet und kein Schmutz hineingelangt. Je nach Witterung, Bodenart und Pflanzenbedarf müssen Sie alle 2−7 Tage nachfüllen; kontrollieren Sie den Füllstand zu Beginn am besten wöchentlich und prüfen Sie das Gefäß gelegentlich auf Ablagerungen oder Algen.
Möglichst nah am Wurzelbereich
Für die Platzierung gilt: Setzen Sie die Olla möglichst zentral in den Wurzelbereich mehrerer Pflanzen oder pflanzen Sie diese kreisförmig darum herum. Achten Sie beim Eingraben darauf, die Wurzeln nicht zu verletzen. Als Faustregel für den Pflanzabstand gelten 10−20 Zentimeter.
Wie weit eine Olla das Erdreich befeuchtet, hängt stark von ihrer Größe und der Bodenart ab: Kleinere Gefäße mit rund einem Liter Fassungsvermögen erreichen einen Radius von etwa 30 bis 50 Zentimetern, größere Modelle ab vier bis sieben Litern versorgen einen Umkreis von 40 bis 60 Zentimetern zuverlässig mit Feuchtigkeit.
Achtung: Im Winter müssen Sie Ollas zwingend ausgraben und frostfrei lagern: Wassergesättigter, poröser Ton reißt bei Frost sehr leicht!
Hier kann die Olla ihre Vorteile besonders gut ausspielen
- An Hanglagen läuft Gießwasser oft zu schnell ab, ohne in tiefere Bodenschichten vorzudringen – die Olla umgeht dieses Problem, weil sie die Feuchtigkeit direkt unterirdisch abgibt.
- Auch in Hochbeeten punktet die Methode: Wegen der begrenzten Bodenfläche verdunstet Gießwasser dort besonders schnell, während eine eingegrabene Olla die Feuchtigkeit dauerhaft im System hält.
- Tipp: Eine dünne Mulchschicht rund um die Olla reduziert die Verdunstung an der Erdoberfläche zusätzlich und spart so noch mehr Gießwasser.
Ollas kaufen oder selber bauen – ein Vergleich
Bei der Entscheidung zwischen Kauf und Eigenbau spielen vor allem Komfort und Kosten eine Rolle. Gekaufte Ollas sind professionell gefertigte Tonkrüge, oft mit speziellen Formen wie einem langen Hals, und werden bei niedrigen Temperaturen so gebrannt, dass sie eine optimale Porosität erreichen. Sie sind in Größen von S bis XL erhältlich und kosten je nach Modell zwischen 12 und 37 Euro, dafür aber sofort einsatzbereit und von verlässlicher Materialqualität.
Die DIY-Variante ist die deutlich günstigere Alternative, besonders wenn Sie mehrere Gefäße benötigen: Zwei unglasierte Tontöpfe kosten im Baumarkt zusammen oft unter 10 Euro, dazu kommen ein paar Cent für Bienenwachs, Zement oder Aquariensilikon. Auch bei der Größenwahl für Garten oder Balkon sind Sie beim Selbstbau völlig flexibel. Der Nachteil: Die Klebestellen müssen sorgfältig abgedichtet werden, brauchen mindestens 24 Stunden zum Aushärten und sollten vor dem Eingraben unbedingt auf Dichtigkeit geprüft werden.
Wann lohnt sich der Kauf trotzdem? Bei sehr durchlässigen, sandigen Böden mit hohem Wasserabfluss kommt es besonders auf gleichmäßige Wandstärke und Tonqualität an, hier liefern Fertigprodukte oft die verlässlicheren Ergebnisse. Für den Einstieg und normale Gartenböden ist der Eigenbau dagegen klar überlegen. Planen Sie zehn oder mehr Ollas, lohnt sich vorab ein Blick auf die Tonqualität verschiedener Anbieter.
Ein Wort zur Reichweite der Methode insgesamt: Für sehr große Nutz- oder Ziergärten sind Ollas allein meist nicht praktikabel, als Faustregel sollten etwa 5 bis 6 Liter Wasser pro Quadratmeter zur Verfügung stehen.
Fazit: Ollas selber bauen geht einfach und kostengünstig
- Eine Olla ist ein antikes, hocheffizientes Bewässerungssystem aus unglasiertem, porösem Ton, das Wasser bedarfsgerecht direkt an die Wurzeln abgibt.
- Mit zwei einfachen Blumentöpfen, etwas Kleber und rund 24 Stunden Geduld bauen Sie sich Ihre eigene Olla für unter 10 Euro selbst.
- Richtig platziert und im Frühjahr eingegraben, sparen Ollas bis zu 70 Prozent Gießwasser gegenüber der klassischen Gießkanne.