Mein Weg ins Eigenheim - Praxisbeispiele

Reportage: Hausbau im Hochwassergebiet

„Klein Venedig“ am Bodensee

Fotos: Lignotrend/Florian Kunzendorf

In Hard am Bodensee liegt mitten in der Rheinaue das Wohngebiet „In der Schanz“. Es wurde in den 1950er-Jahren von der Gemeinde im ehemaligen Schwemmland erschlossen. Und obwohl immer wieder einmal heftige Regenfälle die Gewässerpegel ansteigen lassen und die Keller fluten, lieben die Bewohner ihr „Klein Venedig“.

Eine „Arche“ im Hochwassergebiet

Auch Jens und Isabell Fischer verguckten sich in das Gebiet. Sie erwarben ein kleines Bestandsgebäude auf einem Pachtgrundstück. Schon bald war aber klar: Das baufällige und durchfeuchtete Haus war nicht zu erhalten. Mit der Neubebauung beauftragten die Bauherren den Konstanzer Architekten Robert Geckeler – und der ist bekannt für seine Entwürfe in Holzbauweise. Er plante auf der Parzelle ein „Klimaholzhaus“ auf Stützen, unter dem das Hochwasser einfach hindurchfließen kann. Ergebnis: ein Haus wie eine Arche, in schönster Sichtholzqualität.

Haus bauen im Hochwassergebiet
Auf dem glasüberdeckten Sonnendeck ihrer „Arche“ genießen die Fischers das Wohnen in der Natur – ohne die Risiken der Natur fürchten zu müssen.

Holz und Beton

Haus bauen im Hochwassergebiet
Eine vorgelagerte Außentreppe aus Stahl erschließt das Wohngeschoss.

Der Architekt ist Mitglied im Netzwerk Klimaholzhaus. Die nach diesem System gebauten Häuser basieren auf einer Massivholzkonstruktion des Herstellers Lignotrend: Die vorgefertigten und tragenden Brettsperrholzelemente für Wände, Decken und Dach sind innen bereits ab Werk mit einer hochwertigen Sichtholzoberfläche in heller, astfreier Weißtanne ausgestattet.

Lediglich die Bodenplatte sowie die Aufständerung sind aus Stahlbeton. An Stelle eines Kellers bildet diese zwei Meter hohe Ebene ein offenes Untergeschoss. Es dient als Winterlager für Boote, als Brennholzdepot und Fahrradgarage und wird bei Hochwasser „geflutet“. Die Bauherren sind begeistert: „Wenn der Pegel steigt, fließt das Wasser einfach unter unserem Haus durch. Auto und Fahrräder parken wir dann sicher oberhalb.“

Besonderer Clou: Auch die Beton-Basis erhielt wie die übrige Fassade eine Holzverkleidung aus Weißtanne. Dass die unteren Latten nach einigen Hochwassern mal ausgetauscht werden müssen, nehmen die Bauherren in Kauf.

Hausbeispiel Bauen im Hochwassergebiet
Das edle Design des Weißtannenholzes zieht sich über Decken, Wände sowie Fensterzargen und Türfassungen. Tochter Lara hat dafür gerade aber keinen Blick übrig.

Klug geplant, schnell gebaut

Hausbeispiel Bauen im Hochwassergebiet
Tolles Detail: Um Stauraum zu schaffen, gestaltete der Architekt den „toten“ Raum unter dem Treppenlauf als maßgefertigten Schrank, der auf beiden Seiten der Treppe zu öffnen ist.

„Ein großer Vorteil bei der Arbeit mit Lignotrend-Bauteilen ist, dass die Gebäude sehr schnell erstellt werden können“, verrät Architekt Geckeler. „Der Planungsaufwand mag ein klein wenig höher sein, weil wegen der Vorfertigung der Elemente viele Entscheidungen bereits sehr früh getroffen werden – die Lage der Schalter, der Steckdosen oder die Elektroauslässe für die Lampen beispielsweise.“ Dafür geht es auf der Baustelle umso schneller: Das Aufrichten des Hauses mit 134 Quadratmeter Wohnfläche dauerte gerade einmal drei Tage.

Innen beherrscht Holz das Erscheinungsbild: Wände, Decken, Böden, Treppe und alle Einbauten zeigen das helle Holz der Weißtanne. Und das ganz zurückhaltend, ohne das rustikale Erscheinungsbild, das man bei so viel Holz erwarten könnte. Architekt Geckeler nennt einen weiteren Vorteil der Vorfertigung inklusive Wandoberflächen: „Rohbau ist gleich Fertigbau. Die Innenflächen sind sofort endfertig und kein Maler oder Gipser muss jemals an diese Flächen ran.“

Glaseinsätze an den Übergängen von Wand und Dach sowie Glastüren lassen das Licht von einem Raum in den nächsten fließen. In die Bauteile eingelassene LED-Lichtbänder schaffen visuelle Leichtigkeit. All dies unterstreicht die Harmonie der Innenarchitektur.

Kein Schimmelproblem

Bei all der „Kellerfeuchte“, die ja ganz bewusst in Kauf genommen wird, war es den Bauherren besonders wichtig, die Gefahr der Schimmelbildung auszuschließen. Nach Angaben der Herstellerfirma Lignotrend sorgt der mehrschichtige Aufbau der Außenwandelemente dafür, Feuchte draußen zu halten. Auf dem tragenden Massivholzkern liegen eine diffusionsoffene Membran sowie außen aufgesetzte Dämmständer. Das heißt, die Wand- und Dachdämmung ist lückenlos. So werden Wärmebrücken zuverlässig minimiert, die Wände bleiben trocken. Nicht zuletzt reguliert auch die große Masse des verbauten Holzes den Feuchte- und Wärmehaushalt des Hauses.

Brandschutz

Haus bauen im Überschwemmungsgebiet
Glücklich im Holzhaus: Jens und Isabell Fischer mit Tochter Lara.

Und um nicht nur an die Risiken des Wassers, sondern auch an die des Feuers zu denken: Der Brandschutz ist in Massivholzhäusern selbstverständlich gemäß den bautechnischen Vorschriften gewährleistet. Der Hersteller des Bausystems betont, dass ein Klimaholzhaus im Brandfall sogar eine größere Sicherheit für die Bewohner gewähre als andere Bauweisen. Denn weil das Massivholz nur langsam von außen nach innen durchbrenne, schütze die verbaute Holzmasse sehr lange vor einem Einsturz. Außerdem würden Holzbrände keine so giftigen Rauchgase wie andere Baumaterialien entwickeln.

Deshalb: Jens, Isabell und Lara Fischer fühlen sich sicher in ihrem Haus. Sie genießen das natürliche Wohnklima. Und natürlich die Nähe zur Natur – zeitweiliges Hochwasser inbegriffen.“

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