Die Geschichte der Einbauküche − eine Zeitreise

Eine Bilderschau von 1927 bis heute

Foto: Siemens Corporate Archives

Heute nutzen wir sie ganz selbstverständlich − zum Zeitpunkt der Erfindung kam es fast einer Revolution gleich. Die Einbauküche wurde einst für kompaktes Arbeiten entwickelt; heute macht sie ein Stück Wohnwelt aus. Gehen Sie mit auf Zeitreise: Die Geschichte der Einbauküche von 1927 bis heute.

1927: Die erste Einbauküche

Foto: Sammlung der Universität für Angewandte Kunst Wien

Die erste Aufsehen erregende Neuheit ist die Einbauküche selbst: Platzprobleme im Wohnungsbau der 20er-Jahre sowie der vorherrschende Trend zu mehr Zweckmäßigkeit verlangen neue Lösungen. Den passenden Entwurf liefert die Architektin Margarete Schütte-Lihotzky: 1927 entsteht mit der „Frankfurter Küche” der Vorreiter aller Einbauküchen.

Knappe 6,5 m² sind für die Arbeitsabläufe der Hausfrau zentimetergenau durchdacht. Herd, Arbeitsplatte, Spüle und Schränke sind zu einem arbeitsoptimierten System zusammengefasst: auf wenig Fläche soll die Hausfrau so effektiv wie möglich schalten und walten.

Die Reaktionen

Trotz durchschlagendem Erfolg bleibt die reine Arbeitsküche, abgetrennt vom Wohnraum, nicht völlig kritiklos: Es fehlt an Gemütlichkeit, und viele vermissen das Essen in der heimischen Küche. Hinzu kommt: Wie können beim Kochen die Kinder auf so knapp bemessenen Raum ausreichend beaufsichtigt werden?

1960: Einheitliche Küchenfronten

Einbauküche 1960 von Siematic
Einbauküche "6006" von SieMatic

Nach Auffassungen der 60er-Jahre soll sich die Frau in häuslichen und familiären Pflichten entfalten. Das Baukastensystem aus kombinierbaren Elementen von 1950 wird Anfang der 60er weiterentwickelt. Einbaugeräte erobern den Markt, die unter die Arbeitsplatte passen. Dank passender Türen und Fronten wird die Optik einheitlich. Die Einbauküche "6006" von SieMatic (1960) ist die erste Küche mit integrierten Griffleisten. Der neue Stil hält sich bis heute.

1964: Schneller, effektiver, verbrauchsintensiver

AMK-Geschirrspüler AEG
Einbauküche 1964 von AEG Electrolux

Generell ist in den 60er-Jahren alles beliebt, was den Aufenthalt im Arbeitsraum Küche verkürzt. Schnellkochtöpfe sparen Zeit beim Kochen und ein kleiner, in die Küchenzeile integrierter Ausziehtisch ist ideal für eine schnelle Mahlzeit. Ebenfalls im Kommen: Tiefkühl- und Fertigprodukte.

Massenproduktionen machen elektrische Haushaltsgeräte erschwinglich: Kühlschrank, Waschmaschine und Elektroherd erobern die Küche. Zwischen 1960 und 1965 steigt der jährliche Stromverbrauch in Deutschland um 100 Prozent.

1968: Massivholzküchen sind im Kommen

Einbauküche 1968 von Poggenpohl
Einbauküche 1968 von Poggenpohl

Die steigende Nachfrage nach gemütlicheren Wohnküchen leitet den Trend zu Holzfronten in den 70er-Jahren ein. Die erste Massivholzküche gibt es bereits 1968.

Mitte der 70er setzt sich der Wunsch nach wohnlicheren Formen zunehmend durch. Da an den engen Raummaßen nur schwer etwas zu ändern ist, sind offene Regale, weiße Wandfarbe und Holzverkleidungen die ersten Schritte, um die heimische Küche wieder wohnlicher zu gestalten.

Veränderte Essvorlieben

Das Müsli mit geschnittenem Obst und der frische, gemischte Salat vom Wochenmarkt werden in den 70er-Jahren immer beliebter. Sie brauchen in der Zubereitung den Platz, der in den vergangenen Jahrzehnten bewusste eingespart wurde.

1982: Schrille Farben und Muster

Einbauküche 1982 von Poggenpohl
Einbauküche von Poggenpohl (1982)

Bunte Farben prägen das schrille Bild der 80er-Jahre − auch in der Küche. Bei dieser Einbauküche von Poggenpohl verdoppelt die glänzende Optik der roten Fronten die glamouröse Wirkung der Karo-Fliesen.

1984: Die Küchenwerkbank

Küchenwerkbank von Bulthaupt (1984)
Küchenwerkbank von Bulthaupt (1984)

1984 ist die Zeit reif für eine weitere Innovation: Die Küchenwerkbank. Sie vereint Kochstelle, Spülbecken und Arbeitsfläche in einem Element, das mittig in der Küche steht − eine Sensation und später das Vorbild für die modernen Kochinseln.

2019: Aktuelle Trends

Was sind die Trends von heute? Einerseits hat sich die alltägliche Ernährung vom heimischen Herd entfernt. Essen findet häufig in der Kantine, im Zug, am Schnell-Imbiss oder im Fast-Food-Restaurant statt.

Auf der anderen Seite erlebt das Freizeitkochen einen beachtlichen Zulauf, und die Küche gewinnt an Stellenwert. Das bleibt nicht ohne Folgen: Innerhalb des Grundrisse bekommt sie eine bevorzugte Lage. Beliebt sind offene Grundrisse, bei denen die Küche mit in den Wohn- und Essbereich integriert ist.

Moderne Einbauküche im offenen Wohn-Essbereich
Foto: Küche&Co

Ein weiterer Trend: Komfort wird großgeschrieben. Er reicht von schallgedämpften Türen über schlaue Beleuchtungskonzepte bis hin zu ergonomischen Finessen. Von der Idee der reinen Arbeitsküche auf kleinstem Raum ist nicht mehr viel geblieben. Das Konzept der fest eingebauten Möbel hat aber sicher noch lange nicht ausgedient.

Mein EigenHeim im Radio-Interview

Bei Radio Brocken in Halle hat unser Artikel Aufmerksamkeit erregt: Dort wurde das Thema für eine Sonntagssendung aufgegriffen. Unsere Redakteurin war als qualifizierte Gesprächspartnerin gefragt.

Hören Sie hier das Radio-Interview: Die Geschichte der Einbauküche

In Interview mit der Mein Eigenheim-Redakteurin Carmen Schäfer erfahren Sie noch weitere interessante Fakten rund um die Geschichte der Einbauküche.

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