Im Vergleich: Lüftungsanlage oder Fensterlüftung?

Frischluft im Haus

Frische Luft im Haus: Die Fensterlüftung erfordert Disziplin und Zeit. Foto: VFF/Velux

Frische Luft tut gut. Ein regelmäßiger Luftaustausch führt Schadstoffe, Feuchte und Gerüche ab. Er schützt damit vor Feuchte und Schimmel in Haus und Wohnung und verbessert das Wohlbefinden der Bewohner. Doch was ist sinnvoller: Eine automatische Wohnungsbelüftung mittels Lüftungsanlage oder die klassische Fensterlüftung? Ein Vergleich.

Das erfahren Sie in diesem Artikel:

  1. Automatische Wohnungslüftung und Fensterlüftung im Vergleich
  2. Was kostet eine Lüftungsanlage bei der Anschaffung?
  3. Wartungskosten einer Lüftungsanlage

Automatische Wohnungslüftung und Fensterlüftung im Vergleich

Die folgende Übersicht stellt die Vor- und Nachteile von automatischer Wohnungslüftung mittels Lüftungsanlagen der klassischen Fensterlüftung gegenüber.

In den folgenden Aufzählungen bedeutet:
ungünstig
? unsicher
+ günstig

In der Zentraleinheit einer Lüftungsanlage münden die (getrennten) Luftkanäle von Frischluft und verbrauchter Luft. Hier befindet sich auch der Wärmetauscher für die Wärmerückgewinnung.
Foto: Initiative „Gute Luft“ – www.wohnungs-lueftung.de

Was ist wirksamer?
? Fensterlüftung: abhängig von Witterung und Lüftungsverhalten
+ Lüftungsanlage: kontinuierlich und bedarfsgerecht

Was führt die Schadstoffe besser ab?
? Fensterlüftung: nur gesichert bei regelmäßiger Querlüftung etwa alle zwei Stunden
+ Lüftungsanlage: regelmäßiges Abführen der Schadstoffe

Was vermeidet das Risiko der Schimmelbildung?
? Fensterlüftung: falsches und zu seltenes Lüften (sowie Baumängel) können zu Schimmelpilzbildung führen
+ Lüftungsanlage: bereits die Grundlüftung einer Anlage vermeidet Schimmelbildung

Was vermeidet Feuchteschäden?
Fensterlüftung: Grund für Feuchteschäden sind Baumängel. Die Fensterlüftung kann diese Mängel nicht kompensieren, dadurch sind bei vielen unsanierten und schlecht sanierten Gebäuden Feuchteschäden zu beobachten
+ Lüftungsanlage: Lüftungstechnik kann Feuchteschäden als Folge von Baumängeln abmildern bzw. sogar beheben. Nur bei massiven bauphysikalischen Mängeln sind auch Lüftungsanlagen machtlos

Welcher Zeitaufwand fällt fürs Lüften an?
Fensterlüftung: Je nach Jahreszeit etwa alle zwei Stunden Querlüftung für fünf bis zehn Minuten − eigentlich auch nachts. Um eine gleichbleibend hohe Luftqualität zu erhalten, ist Lüftungswissen, Lüftungsdisziplin und ständiges aktives Handeln der Bewohner erforderlich
+ Lüftungsanlage: Frische Luft und Behaglichkeit ist ohne gesonderten Aufwand und Know-how zu haben. Lediglich der regelmäßige Filtertausch erfordert ein wenig Zeit und Disziplin

Die vorgewärmte frische Luft tritt leise und zugluftfrei durch eine unauffällige Bodendose in die Wohnräume.
Foto: Initiative „Gute Luft“ – www.wohnungs-lueftung.de

Was schützt vor Zugluft?
?
Fensterlüftung: Zugluft nur während des Lüftens, damit steuerbar. Zugluft kann je nach Witterung auch als angenehm empfunden werden
+
Lüftungsanlage: Bei richtiger Planung dürfen keine Zugerscheinungen auftreten

Was beseitigt Gerüche besser?
? Fensterlüftung: Geruchsbelastungen müssen aktiv „fortgelüftet“ werden
+ Lüftungsanlage: Grundlüftung beseitigt normale Geruchsbelastungen. Beim Kochen o.ä. ist eine stärkere Einstellung der Lüftungsanlage möglich

Was sorgt für mehr Behaglichkeit im Raum?
+ Fensterlüftung: Lüften übers offene Fenster sorgt für Luftverwirbelung, ggf. auch für Abkühlung. Wie sich die Temperatur im Raum verteilt, ist aber nicht nur vom Lüften, sondern auch vom Wärmeschutz der Außenwand abhängig: Kalte Außenwände sorgen für unbehagliche „Kälteinseln“ im Raum
+ Lüftungsanlage: In ausreichend gedämmten Räumen ist eine gleichmäßige Wärmeverteilung gewährleistet

Was bietet besseren Schallschutz?
? Fensterlüftung: Belastung durch Außenlärm während des Lüftens
+ Lüftungsanlage: Außenlärm bleibt beim Lüften draußen. Die Anlagen selbst müssen strenge Schallschutznormen erfüllen. Darauf ist bei der Planung zu achten!

Mit Einbruchhemmung und Schlagregenschutz: Die Fenster-Spaltlüftung „Titan vent secure“ macht das Lüften auch bei Abwesenheit sicher.
Foto: Siegenia

Was schützt besser vor Einbruch?
? Fensterlüftung: Keine Lüftung möglich, wenn die Bewohner außer Haus sind. Kipplüftung ist aus Energiespargründen abzulehnen und bietet zudem keinen Einbruchschutz. Spezielle Fensterspaltlüfter (siehe Bild) schützen vor Einbruch und sorgen für einen gewissen Luftaustausch
+ Lüftungsanlage: Durch geschlossene Fenster ist Einbruchschutz jederzeit gewährleistet

Was schützt vor Pollen und anderem Getier?
Fensterlüftung: Beim Lüften gelangen Pollen und Insekten in die Wohnräume
+ Lüftungsanlage: Hochwertige Filter können Pollen und Staub zu großen Teilen abhalten. Insekten bleiben überwiegend draußen

Was kostet mehr Energie?
Fensterlüftung: Lüften während der Heizperiode kühlt die Räume aus. Für akribische Rechner: Der Verlust an Lüftungswärme beträgt etwa 40 kWh/m²a
+ Lüftungsanlage: Anlagen mit Wärmerückgewinnung reduzieren die Lüftungswärmeverluste deutlich auf etwa 5 kWh/m²a

Welche Energiekosten fallen durchs Lüften an?
Fensterlüftung: Im Vergleich zu einer Anlage mit Wärmerückgewinnung kostet die Fensterlüftung bei einer Wohnfläche von rund 100 m² bis zu 300 Euro im Jahr
+ Lüftungsanlage: Die Ventilatoren einer Lüftungsanlage verursachen etwa 70 Euro Stromkosten im Jahr. Dazu kommen etwa 60 Euro jährliche Wartungskosten

Quelle: Bayerisches Landesamt für Umwelt

Was kostet eine Lüftungsanlage bei der Anschaffung?

In eine solche Außenwand-Kernbohrung passt die komplette Lüfter- und Wärmetauschereinheit inklusive Filtern eines dezentralen Lüftungsgeräts.
Foto: Initiative „Gute Luft“ – www.wohnungs-lueftung.de

Eine reine Abluftanlage, die ohne Wärmerückgewinnung die Luft über einen Ventilator abführt und durch den entstehenden Unterdruck frische Luft von draußen ansaugt, kostet in einer 3-Zimmer-Wohnung zwischen 1.200 und 1.500 Euro, im Einfamilienhaus je nach Zimmeranzahl bis zu 2.500 Euro (alle Angaben: co2online).

Bei einer zentralen Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung müssen Lüftungskanäle im Gebäude verlegt und ans zentrale Lüftungsgerät angeschlossen werden. Ein solches System kostet je nach Anzahl der Räume zwischen 5.000 Euro und 8.000 Euro, bei bestimmten Zusatzfunktionen bis zu 10.000 Euro.

Dezentrale Lüftungsanlagen können auch sehr gut nachgerüstet werden. Nötig ist lediglich eine Kernbohrung in die Außenwände, in die die Geräte eingebaut wird. Dazu kommen die elektrischen Anschlüsse. Je nach Sanierungsaufwand kostet eine dezentrale Lüftungseinheit für einen Raum rund 1.500 Euro. Auf diese Weise können die Wohnräume abschnittsweise saniert werden.

Werden im Neubau, etwa in einem Mehrfamilienhaus, dezentrale Einheiten eingebaut, kostet dies − bedingt durch den geringeren Installationsaufwand − nur etwa 800 bis 1.200 Euro pro Gerät.

Wartungskosten einer Lüftungsanlage

Der Anlagenbetrieb ist günstig (siehe oben). Allerdings sollten alle Filter regelmäßig wie vom Hersteller angegeben ausgetauscht werden – je nach Außenluftverschmutzung etwa ein Mal im Jahr. Die Kosten für einen kompletten Filtersatz betragen rund 40 bis 90 Euro.

Für die Reinigung der Lüftungskanäle gibt es keine Vorschrift. Empfehlenswert ist es, vor der Reinigung eine Inspektion durchzuführen – immerhin kostet das Reinigen je nach Länge und Zugänglichkeit der Kanäle zwischen 400 und 800 Euro. Experten gehen von etwa 10jähigen Reinigungsintervallen aus.

Filterwechsel an einem zentralen Lüftungsgerät.
Foto: Fränkische

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