Wann ist Homeoffice steuerlich absetzbar?

Heimarbeit von der Steuer absetzen − so geht's

Foto: Drobot Dean/Adobe Stock

Spätestens seit Corona verbringen immer mehr Menschen einen Teil ihrer Arbeitszeit im Homeoffice, also zu Hause. Je nachdem, ob Sie fest angestellt oder freischaffend beziehungsweise selbstständig sind, lassen sich unterschiedliche Kosten fürs Homeoffice steuerlich absetzen. Hier erfahren Sie, welche Kosten rund ums heimische Arbeitszimmer steuerlich absetzbar sind.

Das erfahren Sie in diesem Artikel:

  1. Homeoffice als Freiberufler oder Selbstständiger steuerlich absetzen
  2. Homeoffice als Festangestellter steuerlich absetzen
  3. Homeoffice beim Teleheimarbeitsplatz steuerlich absetzen
  4. Kann man Homeoffice während der Coronakrise steuerlich absetzen?
  5. Fazit: Heimarbeit steuerlich absetzen auf einem Blick

Homeoffice als Freiberufler oder Selbstständiger steuerlich absetzen

Freischaffende und Selbstständige, die zu Hause arbeiten, sind für alles selbst verantwortlich − vom Kuli bis zur Stromrechnung. Sie können in der Regel alle Kosten rund ums heimische Arbeitszimmer steuerlich absetzen – von der Büroausstattung bis zum Mietanteil fürs Arbeitszimmer.

Kosten, die für die gesamte Wohnung anfallen, wie Miete, Strom oder Heizung, dürfen allerdings nur anteilig fürs Arbeitszimmer geltend gemacht werden.

Diese Kosten können Sie steuerlich geltend machen:

Voll anrechenbar Anteilig anrechenbar
  • Büromöbel, Ausstattung
  • Arbeitsmittel (Druckerpapier, Telefon, Stifte etc.)
  • Renovierung
  • Reparaturen
  • Nachträgliche Errichtung des Arbeitszimmers (beispielsweise durch einen Anbau oder Dachgeschossausbau)
  • Miete
  • Nebenkosten wie Strom, Heizung, Wasser, Müllabfuhr usw.
  • Reinigungskosten
  • Telefon- und Internetkosten
  • Hausratversicherung
  • Abschreibungen, Betriebskosten und Schuldzinsen (nur für Eigentümer)

Anteilige Kosten richtig berechnen

Bei Kosten, die für die ganze Wohnung anfallen, wie Miete, Strom oder Heizung, dürfen Sie nur die anteiligen Kosten des Arbeitszimmers steuerlich absetzen.

Dazu rechnen Sie:
(Fläche des Arbeitszimmers) / (Gesamtfläche der Wohnung) x 100 = Arbeitszimmeranteil in Prozent

Rechenbeispiel:

Die Wohnung ist 120 m² groß, das Arbeitszimmer 12 m².
Dann rechnen Sie: 12/120 x 100 = 10 Prozent.

Es dürfen also nur 10 Prozent der anteiligen Kosten, beispielsweise der Mietkosten, steuerlich geltend gemacht werden. Betragen die Mietkosten beispielsweise 1.200 Euro, rechnen Sie: 1.200/100 x 10 = 120 Euro
Fazit: Es dürfen 120 Euro steuerlich geltend gemacht werden.

Homeoffice als Festangestellter steuerlich absetzen

Bei einem Festangestellten sind die steuerlichen Regelungen komplizierter. Grundsätzlich kann er natürlich nur die Ausgaben steuerlich geltend machen, die er selbst getragen hat. Doch auch hier geht nicht alles.

Es gibt keinen Rechtsanspruch aufs Arbeiten im Homeoffice!

Grundsätzlich gilt: Noch gibt es in Deutschland keinen Rechtsanspruch aufs Arbeiten im Homeoffice. Verbringen Angestellte nur ab und zu – und meist auf eigenen Wunsch – ihre Arbeitszeit zu Hause am Schreibtisch, müssen Arbeitnehmer und Arbeitgeber die Modalitäten zuvor aushandeln.

Kann ich die Kosten fürs Arbeitszimmer von der Steuer absetzen?

Das häusliche Arbeitszimmer wird bei Angestellten vom Finanzamt meist nicht akzeptiert, denn für diesen Raum gelten strikte Regeln:

Eine Arbeitsecke im Wohnzimmer oder ein Durchgangszimmer gelten vor dem Fiskus nicht als Arbeitszimmer.
Foto: Pixabay
  1. Das Arbeitszimmer muss abgeschlossen und büromäßig möbliert sein.
  2. Der Raum wird nahezu ausschließlich nur für berufliche Zwecke genutzt.
  3. Der Arbeitgeber stellt keinen eigenen Arbeitsplatz zur Verfügung (Das gilt beispielsweise auch für Lehrer und Dozenten, die keinen eigenen Schreibtisch in der Schule haben, oder für Außendienstmitarbeiter).
  4. Das Homeoffice bildet den Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit. Arbeitnehmer, die im Homeoffice nur zeitweise zu Hause arbeiten, erfüllen die Bedingung nicht. Steht ihnen außerdem im Betrieb noch ein Arbeitsplatz zur Verfügung, greift die Regelung erst recht nicht.

Strittig – und Gegenstand vieler Gerichtsurteile – ist immer wieder die Frage: Wo liegt der Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit? Vor allem Lehrer kennen diese Problematik, auch Handelsvertreter, beratende Ingenieure oder Ärzte. Sie arbeiten teilweise zu Hause, teilweise woanders – und die Finanzämter akzeptieren die Heimarbeitszimmer in der Regel nicht als Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit. Ausnahmen sind möglich, aber immer das Ergebnis individueller Abwägungen des zuständigen Finanzamts.

Fazit

Wer keinen eigenen Arbeitsplatz beim Arbeitgeber hat, kann die Kosten des heimischen Arbeitszimmers von der Steuer absetzen – allerdings nur bis zu einem Höchstbetrag von 1.250 Euro pro Jahr.

Liegen Ihre tatsächlichen Kosten unter dem Höchstbetrag, können Sie auch nur diese Kosten in der Steuererklärung eintragen.

Höchstbetrag von 1.250 Euro gilt pro Person, nicht pro Zimmer

  • Wichtig: Haben Sie zwei oder mehrere Arbeitszimmer, können Sie die angefallenen Kosten dennoch nur einmal in der Steuererklärung angeben. (BFH, Aktenzeichen VIII R 15/15).
  • Umgekehrt gilt aber auch: Verschiedene Personen, die dasselbe Arbeitszimmer nutzen, können jeweils 1.250 Euro geltend machen, sofern Sie die jeweiligen Aufwendungen auch getragen haben.

Homeoffice beim Teleheimarbeitsplatz steuerlich absetzen

Im Unterschied zum Festangestellte, der zeitweilig von Zuhause arbeitet, werden Teleheimarbeitsplätze vom Arbeitgeber im Privatbereich der Beschäftigten fest eingerichtet. Bei einem solchen vollwertigen Arbeitsplatz übernimmt der Arbeitgeber in der Regel die Kosten für Einrichtung, Ausstattung und Unterhalt, ebenso wie für Software und Geräte. Da Sie die Kosten in diesem Fall nicht selbst tragen, können Sie diese auch nicht steuerlich geltend machen.

Es ist sinnvoll, alle Rechte und Pflichten, die den Teleheimarbeitsplatz betreffen, in einem Zusatz zum Arbeitsvertrag zu regeln: die Modalitäten der Arbeit ebenso wie die Frage, wer die Kosten für das heimische Arbeitszimmer und dessen Ausstattung bezahlt. Beteiligt sich der Arbeitgeber an der Office-Ausstattung, muss geregelt sein, inwieweit der Heimarbeiter diese privat benutzen darf. Hat ein Heimarbeiter während der Arbeitszeit einen Unfall, greift in der Regel die betriebliche Unfallversicherung.

Kann man Homeoffice während der Coronakrise steuerlich absetzen?

Auch in der Coronakrise gelten weiterhin die Bestimmungen des Steuerrechts, wie oben beschrieben. Die Kosten für Ihr Arbeitszimmer können Sie also nur dann steuerlich absetzen, wenn es sich um einen separaten Raum handelt, der fast ausschließlich für die berufliche Tätigkeit genutzt wird.

Möglich wäre es immerhin, dass für das Steuerjahr 2020 großzügigere Regelungen hinsichtlich der vielen Beschäftigen getroffen werden, die im Homeoffice gearbeitet haben. Für diesen Fall empfiehlt der Lohnsteuerhilfeverein:

  • Lassen Sie sich schriftlich vom Arbeitgeber bescheinigen, in welchem Zeitraum Sie von zu Hause arbeiten mussten.
  • Notieren Sie Ihre Homeoffice-Arbeitszeiten, am besten in Form einer Tabelle.
  • Heben Sie die Rechnungen für Arbeitsmittel wie Druckerpapier, Telefon etc. auf.

Je detaillierter Sie Ihre entstandenen Kosten dokumentieren, desto größer die Aussicht auf Erfolg.

Fazit: Heimarbeit steuerlich absetzen auf einem Blick

  • In Deutschland gibt es (noch) keinen Rechtsanspruch auf das Arbeiten zu Hause. Alles ist Verhandlungssache, auch die Frage, ob und wie weit sich der Arbeitgeber an der Finanzierung des Homeoffice beteiligt.
  • Angestellte sollten die Arbeit am Teleheimarbeitsplatz als Zusatz zum Arbeitsvertrag mit ihrem Arbeitgeber vereinbaren. Dazu zählen Datenschutzregelungen und Zugangsrechte sowie arbeitsrechtliche Vorgaben.
  • Wer seinen beruflichen Mittelpunkt im Homeoffice hat, darf es steuerlich komplett geltend machen.
  • Wer seinen beruflichen Mittelpunkt auswärts hat, für Büroarbeiten aber auswärts kein anderes Arbeitszimmer hat, darf ein heimisches Arbeitszimmer bis maximal 1.250 Euro absetzen. Wo der „berufliche Mittelpunkt“ liegt, ist Abwägungssache.
  • Das Homeoffice muss ein abschließbarer Raum sein. Nicht zulässig sind ein Durchgangszimmer, eine Arbeitsecke, ein Spiel-, Gäste- oder Bügelzimmer.
  • Absetzbar sind nur Ausgaben, die der Arbeitgeber weder bezahlt noch erstattet.
  • Schreibtisch, Aktenschrank und Regale sind gegebenenfalls absetzbar. Eine ausklappbare Couch ist Verhandlungssache, ein TV-Gerät z. B. für einen Fernsehjournalisten auch.

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