Energiesparen

Lohnt sich eine Photovoltaikanlage für mein Haus?

PV-Anlage: ja oder nein?

Foto: Elena Elisseeva/shutterstock/ArGe Medien im ZVEH

Auf über 1,7 Millionen deutschen Dächern sind mittlerweile Photovoltaikanlagen (kurz: PV-Anlagen) installiert. Kein Wunder: Immer mehr Bundesbürger wollen sich laut Umfragen von den stetig steigenden Energiekosten unabhängig machen. Mit einer eigenen Photovoltaik-Anlage lässt sich Solarstrom günstig für den Eigenbedarf nutzen. Hier erfahren Sie, ob und unter welchen Voraussetzungen sich eine PV-Anlage für Ihr Haus lohnt.

Das erfahren Sie in diesem Artikel:

  1. Welche Häuser sind für PV-Anlagen geeignet?
  2. Lohnt sich die Einspeisevergütung durch PV-Anlagen?
  3. Ist es sinnvoll, mit Photovoltaik zu heizen?
  4. Wie groß sollte die PV-Anlage sein, damit sie sich rechnet?
  5. Was kostet eine Photovoltaikanlage?
  6. Wie finde ich den richtigen Fachbetrieb?
  7. Welche Förderprogramme kann ich nutzen?
  8. Checkliste: Lohnt sich die Anschaffung einer Photovoltaikanlage?

Welche Häuser sind für PV-Anlagen geeignet?

Optimal ist eine Dachneigung von 28 Grad und Südost- bis Südwestausrichtungen.
Foto: Shutterstock/Smileus

Es gibt für jede Gebäude- und Dachart die passende Lösung, wenn die statischen Voraussetzungen gegeben sind. Vom Flachdach bis zur 45-Grad-Neigung ist die Montage einer PV-Anlage möglich.

Die wichtigsten Voraussetzungen für einen guten Stromertrag sind ein möglichst verschattungsfreies Dach in Richtung Süden, Osten oder Westen mit einer Neigung von 20 bis 60 Grad.

Stimmt die Statik, kann fast auf jedem Gebäude nachträglich eine PV-Anlage angebracht werden. Wer beim Neubau die spätere Installation vorbereiten möchte, sollte sich von einem PV-Installateur beraten lassen. Anschlüsse und Leitungen können mit wenig Aufwand schon beim Bau des Hauses gelegt werden.

Wissenswertes zur Funktionsweise einer Photovoltaikanlage: Wie funktioniert Photovoltaik? Welche Komponenten gehören zu einer Komplettanlage? Sind mono- oder polykristalline Solarzellen effektiver? »Wie funktioniert eine Photovoltaik-Anlage?

Lohnt sich die Einspeisevergütung durch PV-Anlagen?

Eine Besonderheit von PV-Anlagen ist, dass der erzeugte Strom nicht nur für den Eigenverbrauch verwendet werden kann, sondern dass sie durch die Einspeisung von Strom ins Netz auch Erträge durch Einspeisevergütungen erbringen. Neue PV-Anlagen erhalten bis zu einer Nennleistung von 100 kW eine feste Einspeisevergütung. Laut Angaben des Fraunhofer Instituts (Stand: 18.03.2019) beträgt die Einspeisevergütung für kleine Dachanlagen bis zu 11,11 ct pro kWh für 20 Jahre.

Häufig lohnt es sich eher, den Solarstrom selbst zu nutzen als ihn ins Netz einzuspeisen, weil er inzwischen weniger kostet als der Strom aus dem Netz. Ältere Anlagen profitieren noch von den hohen Einspeisevergütungen der Anfangsjahre, doch auch diese laufen in den nächsten Jahren nach und nach aus.

Stromspeicher - ja oder nein?

Stromspeicher werden häufig mit Photovoltaikanlagen kombiniert. Inzwischen wird etwa jede zweite Photovoltaikanlage in Deutschland mit einem Speicher verkauft. Die Kombination einer Photovoltaikanlage mit einem Stromspeicher ist aber nicht zwingend notwendig. Die Frage ist: Wann lohnt sich ein Stromspeicher, wann lohnt er sich nicht?

Ist es sinnvoll, mit Photovoltaik zu heizen?

Es liegt nahe, den günstig selbst produzierten Strom auch zum Heizen zu nutzen. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten:

  • Solarstrom kann als Antriebsenergie für eine Wärmepumpe genutzt werden.
  • Ebenso möglich ist eine elektrische Direktheizung mit solarer Unterstützung.
  • Zudem kann überschüssiger Solarstrom über einen Heizstab das Warmwasser im Speicher aufheizen.

Einen Haken hat das Heizen mit hauseigenem Sonnenstrom allerdings: Er wird nicht ausreichen, um den Bedarf zu decken. Denn eine PV-Anlage erzeugt 80 Prozent ihres Ertrags im Sommer – während 80 Prozent der Heizwärme im Winter benötigt werden. So muss in der Heizperiode immer wieder Strom vom Energieversorger die Lücke füllen. Wer konsequent ökologisch handeln will, setzt beim Strom-Zukauf auf regenerativ erzeugten Ökostrom.

Je komplexer das Energiekonzept, desto wichtiger wird das Energiemanagement. So sollte beispielsweise die Wärmepumpe dann anspringen und den Speicher aufheizen, wenn gerade viel PV-Strom zur Verfügung steht.

Wer die Wärmepumpe mit Solarstrom vom eigenen Dach betreibt, heizt konsequent ökologisch und macht sich unabhängig vom öffentlichen Stromversorger. Wir zeigen am Beispiel eines Einfamilienhauses, wie das funktioniert. »Nachhaltig heizen: Wärmepumpe mit Solarstrom betreiben

Wie groß sollte die PV-Anlage sein, damit sie sich rechnet?

Wenn zur PV-Anlage wie bei diesem Neubau noch sehr gute Dämmwerte sowie ein Speichersystem kommen, kann der KfW-Förderstandard "Effizienzhaus 40 Plus" erreicht werden. Die 39 Module dieses Solardaches ergeben eine Gesamt-Spitzenleistung von nahezu 10 kW.
Foto: Weber-Haus

Die Größe einer Photovoltaik-Anlage hängt vom Gesamtkonzept ab:

  • Kleinere Flächen lassen sich gezielter auf den Eigenverbrauch abstimmen.
  • Bei größeren Flächen bleibt mehr Strom für die Netzeinspeisung übrig. Die gesetzlich garantierte Vergütung für die Einspeisung wird 20 Jahre lang bezahlt, ist für heute neu installierte Anlagen allerdings nicht mehr sehr hoch.

Trotzdem empfiehlt die Branchenvereinigung Solar Cluster Baden-Württemberg, PV-Anlagen möglichst groß zu bauen, denn bei der Überschuss-Einspeisung ließe sich immerhin ein Gewinn von rund ein bis drei Cent pro Kilowattstunde (kWh) erzielen. Wer den Strom dagegen selbst verbraucht, spart sich den Kauf von Netzstrom und steigert so den Gewinn auf rund 15 Cent pro kWh.

Photovoltaikanlagen sollten mindestens 20 Jahre lang in Betrieb sein. Für diesen Zeitraum wird die Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz gewährt. Dieser Zeitraum sollte für Betreiber aber nur die Untergrenze darstellen, denn technisch sind längere Laufzeiten möglich, wie Anlagen aus den 1990er-Jahren beweisen.

Energiebilanz einer PV-Anlage

Bis zu fünf Jahre muss in Deutschland eine PV-Anlage Strom erzeugen, um die Energie wieder hereinzuspielen, die für ihre Herstellung benötigt wird. Durch effiziente Produktionsmethoden lässt sich dieser Wert auf bis zu zwei Jahre senken. Die Gesamtenergiebilanz einer rund 20 Jahre arbeitenden Solarstromanlage ist also positiv und lohnt sich in den meisten Fällen.

Was kostet eine PV-Anlage?

Wer heute eine Photovoltaikanlage installiert, macht’s richtig: Die Technik ist günstig wie nie, die Konzepte zum Eigenverbrauch des Sonnenstroms sind ausgefeilt – mit Speicher, Wärmepumpe oder Elektroauto. Das ist gut fürs Portemonnaie und gut fürs Klima. Seit 2012 ist selbst erzeugter Solarstrom günstiger als Strom vom Energieversorger.

Die Anschaffungskosten einer Photovoltaik-Anlage sind in den letzten Jahren deutlich gesunken. Kleine Photovoltaik Anlagen mit weniger Leistung sind etwas teurer als größere Anlagen mit mehr Leistung.

Fallbeispiel

Ein Vier-Personen-Haushalt verbraucht im Jahr rund 4.000 Kilowattstunden Strom. Um diese Menge zu erwirtschaften, ist eine 5-Kilowatt-PV-Anlage nötig - das entspricht etwa 40 Quadratmetern Solarmodule auf dem Dach. Der Durchschnittspreis liegt bei etwa 1.500 Euro pro kWp (Kilowattpeak). Eine entsprechende 5-kW-Anlage kostet nur noch rund 7.500 Euro.

Größere schlüsselfertige Aufdachanlagen bis zehn Kilowatt (kW) Leistung kosten laut dem Solar Cluster heute um die 1.280 Euro je kW. Zum Vergleich: 2006 lag der Preis noch bei rund 5.000 Euro je kW. Wichtig: Bei Anlagen über 10 kW Leistung muss der Betreiber eine zusätzliche Umlage bezahlen und in seine Kalkulation einbeziehen.

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen kommt mit Bezug auf eine Studie der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin zu dem Fazit: „Anlagen bis 10 Kilowatt sind meistens sinnvoll.“ Auch größere könnten sich durchaus lohnen, sofern die verfügbare Dachfläche und das eigene Budget dies zulassen.

Wer sich für eine Anlage interessiert, sollte die individuelle Situation vor Ort zuerst von einem erfahrenen Installateur begutachten lassen. Dann erfolgt die Planung – vom Modul-Verlegeplan bis zur Ertragsprognose.

Wie finde ich den richtigen Fachbetrieb?

Damit eine PV-Anlage tatsächlich lange und möglichst störungsfrei läuft, sind zum einen hochwertige Komponenten, zum anderen eine fachgerechte Installation und Wartung Voraussetzung. Für beides braucht man den richtigen Fachbetrieb.
Foto: Pixabay

Meist sind es Elektrohandwerker, die sich auf Photovoltaikanlagen spezialisiert haben. Wer sich auf die Suche nach einem Fachbetrieb begibt, kann Nachbarn oder Kollegen fragen, die bereits eine Solarstromanlage betreiben. Auch bei lokalen Klimaschutz-Initiativen, im Internet oder auf Fach- und Solarmessen gibt es Informationen.

So erkennen Sie einen seriösen Fachbetrieb

  • Fragen Sie den Handwerksbetrieb nach Referenzen. Manch ein Anbieter ist einverstanden, dass Sie seine Kunden nach ihren Erfahrungen befragen.
  • Ein Indiz für einen seriösen Handwerker ist, wenn er erst zum Vor-Ort-Termin kommt und danach ein Angebot erstellt. Denn wichtige Aspekte wie eine mögliche Verschattung durch Bäume und Nachbargebäude oder der Zustand des Daches können nur vor Ort geprüft werden.
  • Auch Anbieter von Solarstromspeichern sollten Referenzen vorweisen können. Allerdings ist dieser Markt noch jung, viele Handwerker steigen gerade erst in das Geschäftsfeld ein. Auskünfte über Effizienz, Lebensdauer, Dimensionierung und Preise der Akkus darf man aber auch von einem weniger erfahrenen Installateur erwarten. Auch die Frage nach Weiterbildungen bei den Herstellern ist durchaus legitim.

Wie für alle Handwerkerleistungen gilt auch für den Kauf und die Installation von Photovoltaikanlagen sowie Speichersystemen: immer mehrere Angebote einholen! Der Preis sollte weder bei den Systemen noch bei der Montage das alleinige Entscheidungskriterium sein. Manchmal ist es besser, etwas mehr in die gute Qualität und die kompetente Installation zu investieren – um dann viele Jahre lang umso mehr Freude an der Solarstromerzeugung zu haben.

Welche Förderung von PV-Anlagen gibt es?

Fördermittel gibt es auf Bundes-, Länder- und kommunaler Ebene sowie von Energieversorgern. Wer also eine Photovoltaikanlage, ein Speichersystem oder beides zusammen kaufen möchte, sollte sich frühzeitig informieren, denn die Vergabe von Investitionszuschüssen und zinsgünstigen Krediten ist in der Regel an Bedingungen geknüpft.

Photovoltaikanlagen werden im Rahmen des KfW-Programms 270 „Erneuerbare Energien – Standard“ gefördert. Zinsgünstige Darlehen gibt es nicht nur für die reinen Anschaffungskosten der Anlage, sondern auch für die Planungs-, Projektierungs- und Installationskosten. Wichtig: Wer das Programm nutzen möchte, muss vor dem Kauf der Anlage den Antrag bei der KfW einreichen.

Die bundesweite Förderung für Solarstromspeicher, mit der in den vergangenen Jahren der Markt in Schwung gebracht werden sollte, gibt es seit 2019 nicht mehr. Immerhin vergeben aber die Bundesländer Baden-Württemberg, Thüringen und Sachsen weiterhin Fördermittel. So unterstützt beispielsweise Baden-Württemberg Solarspeichersysteme mit einem Zuschuss von bis zu 30 Prozent der Nettoinvestitionskosten. Aber: Das Programm läuft nur noch bis maximal 31. Dezember 2019.

Wer passende Förderprogramme sucht, kann den Fördermittel-Check auf dem gemeinnützigen Onlineportal CO2-online nutzen. Das Programm ermittelt nach Angabe der Postleitzahl, einiger Gebäudedaten und dem Fördermittelwunsch Programme der Kommunen, der Länder und des Bundes.

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