Innendämmung: Wann ist sie sinnvoll, wann nicht?
Innendämmung im Altbau
Manche Fassaden sind viel zu schön, um sie in Dämmstoff zu packen. Bei denkmalgeschützten Fassaden ist es gar nicht erlaubt. Damit der Energieverbrauch trotzdem sinkt, kann das Dämmen von innen eine Option sein. In diesem Beitrag erfahren Sie, warum eine Innendämmung als schwierig gilt und worauf man bei der Sanierung achten sollten, damit sie gut gelingt.
Das erfahren Sie in diesem Artikel:
Wann ist eine Innendämmung sinnvoll?
Bauernhäuser mit Fachwerk, Stuckfassaden, Gründerzeithäuser in eng bebauten Innenstädten – sie alle machen Städte und Dörfer lebens- und liebenswert, oft sind sie denkmalgeschützt. Wenn hier die Fassade energetisch auf Stand gebracht werden soll, kann eine Innendämmung zum Zug kommen. So bleibt die schöne Fassade erhalten.
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Eine Außendämmung ist − energetisch und bauphysikalisch − besser als eine Innnendämmung
Die Systeme sind mittlerweile ausgereift. Dennoch: Eine Dämmung von innen will gut geplant sein, bauphysikalisch hat sie ihre Tücken (dazu gleich mehr). Wichtig ist, rechtzeitig Fachleute ins Boot zu holen.
Während beim Dämmen von außen 18 bis 20 Zentimeter Material kein Problem sind, geht bei der Innendämmung außerdem wertvoller Wohnraum verloren. Dementsprechend dünner (also schlechter gedämmt) fallen die Dämmstärken meist aus.
Aber: Lohnenswert ist die Maßnahme dennoch, denn es gilt: „Der erste Zentimeter dämmt am besten“. Wichtig zu wissen: Wärmeverluste sinken nicht linear: 6 Zentimeter Dämmung reduzieren die Wärmeverluste auf 45 Prozent, 12 Zentimeter senken auf „nur“ 35 Prozent.
Warum gilt die Innendämmung als schwierig?
Zu den bauphysikalischen Herausforderungen der Innendämmung gehört die Taupunktverschiebung. Sie entsteht, wenn man eine kalte Außenwand von innen dämmt.
Kurz erklärt: Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen als kalte. Die warme Raumluft kühlt in Richtung Außenwand ab, das Wasser kondensiert. Bei einer Innendämmung liegt diese „Tauwasserzone“ innerhalb der Dämmschicht (siehe Zeichnung unten): Es kann zu Feuchteschäden kommen.
Kalte Außenwand von innen dämmen: das Problem Taupunktverschiebung
Die Lösung: Tauwasser blockieren oder regulieren
Eine kalte Außenwand von innen dämmen ist eine Herausforderung. Denn wo Bauteile, etwa Betongeschossdecken, die neue Dämmschicht unterbrechen, können Wärmebrücken entstehen – mit der Gefahr von Kondenswasser- und Schimmelbildung. Fachleute wissen, ob zusätzliche Maßnahmen, etwa Dämmkeile an Decken, notwendig sind. Moderne Dämmsysteme bieten gute Lösungen für das Problem. Sie regulieren und minimieren das Risiko (siehe Zeichnung unten):
a) über eine Dampfbremse, die verhindert, das Feuchtigkeit eindringt oder
b) über dampfoffene Dämmstoffe, die Wasser aufnehmen und wieder abgeben können.
Dicht oder offen – zwei Varianten der Innendämmung
Weitere Herausforderungen der Innendämmung
Eine weitere Herausforderung ist, dass nach der Dämmung von innen die Außenwände nach Regengüssen schlechter abtrocknen, weil die Wände von der Raumwärme ja nicht mehr mit erwärmt werden. Vor allem Fachwerkhäusern mit ihrem Materialmix aus Holz und Putz macht das zu schaffen.
Auch der sommerliche Wärmeschutz ist ein Schwachpunkt. Fallen im Sommer die Wände als Wärmespeichermasse weg, können sich Räume schneller aufheizen.
Auch Wasserleitungen verdienen Aufmerksamkeit: Liegen sie später im kalten Bereich und können im Extremfall einfrieren?
Fachwerkhaus dämmen: Darauf sollten Sie achten
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Wie ist eine Innendämmung aufgebaut?
Aus bauphysikalischer Sicht lassen sich Innendämmungen danach einteilen, wie sie mit der wichtigsten Herausforderung − eine kalte Außenwand von innen dämmen − umgehen: also mit Kondenswasser.
Variante 1: Dampfbremse
Bei dieser Variante hält eine Dampfbremse Feuchtigkeit von der Dämmschicht fern (siehe Zeichnung oben). Solche Systeme funktionieren, verlangen aber eine sorgfältige, luftdichte Ausführung – und das dauerhaft. Eine Herausforderung, denn wer denkt nach vielen Jahren beim Bohren noch an die Innendämmung?
Variante 2: Diffusionsoffene Systeme
Heute setzen sich mehr und mehr diffusionsoffene Systeme durch, die einen anderen Ansatz verfolgen: Sie akzeptieren, dass sich zeitweise Feuchtigkeit bildet. Mineralische Dämmplatten oder Putze können Wasser aufnehmen, zwischenspeichern und zeitversetzt wieder an die Raumluft abgeben.
Solche kondensattolerierenden Systeme sind häufig Platten, die direkt an die Wand verklebt werden – mit zum System passendem kapillaraktivem Kleber. Wichtig ist, dass die Platten satt und vollflächig im Kleberbett liegen, es darf kein Luftraum dahinter verbleiben. Schwer zu dämmen sind Innenwände mit Vor- und Rücksprüngen. Flexible Plattenmaterialien gleichen diese zu einem gewissen Grad aus.
Eine weitere Möglichkeit sind mit Bauplatten verkleidete Ständerwerke, die mit Dämmstoffen wie Leichtlehm, Zellulose-, Hanffasern oder Perlite gefüllt werden. Solche Systeme bieten viel Flexibilität für Leitungen und Installationen.
Auch Wärmedämmputze, die auf die Wand gespritzt oder gespachtelt werden, passen sich unebenen Untergründen gut an und kommen ohne Fugen aus.
Welche Dämmstoffe eignen sich für innen?
Wichtigstes Kriterium bei der Innendämmung ist eine gute Dämmleistung bei minimaler Aufbauhöhe – schließlich soll möglichst wenig Wohnraum verloren gehen.
Materialkombinationen haben oft die Nase vorn: Holzfaserplatten haben eine gute Dämmleistung, in Kombination mit einer „Klimakammerplatte“ gibt es ein besonders schlankes System. Im Dämmputz enthaltenes „Aerogel“ ist ein Material, das für die Raumfahrt entwickelt wurde – es besteht bis zu 99,8 Prozent aus Luft. In Kombination mit Kalkputz entsteht damit ein sehr leistungsstarker und diffusionsoffener Innendämmputz.
Die Materialien, die als Dämmstoff infrage kommen, sind aber generell sehr vielfältig: Calciumsilikat, Holzfaser, Lehm, Blähglasgranulat, Mineralschaum oder -wolle. Daneben gibt es auch ökologische „Nischenprodukte“, etwa aus Hanffasern. In der Fachwerksanierung können beispielsweise Schilfrohrmatten zum Einsatz kommen. Auch Platten aus dem Kunststoff Polystyrol werden angeboten, diese sind jedoch nicht diffusionsoffen. Was die Feuchteregulation angeht, können sie die angesprochenen Probleme mit sich bringen.
Am Ende ist es immer ein Abwägen: Wie viel Raumverlust ist akzeptabel, wie nachhaltig und ökologisch soll das Material sein und was darf die Maßnahme kosten?
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Gibt es eine Förderung für die Innendämmung?
Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) macht zur nachträglichen Innendämmung von Außenwänden aktuell keine Vorgaben für den U-Wert. Wer jedoch auf Fördergelder für seine Maßnahme hofft, muss gewisse Werte einhalten.
Im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) gelten für die Innendämmung U-Wert-Anforderungen. Wände von Baudenkmälern und erhaltenswerter Bausubstanz müssen 0,45 W/(m²K) erreichen. Für Außenwände mit Sichtfachwerk gilt ein U-Wert von 0,65 W/(m²K).
Wer diese Werte einhält, kann eine Förderung als Einzelmaßnahme erhalten. Der Fördersatz beträgt 15 Prozent, mit einem individuellen Sanierungsfahrplan
(iSFP) erhöht er sich auf 20 Prozent. Förderfähig sind dabei nicht nur Dämmmaterial und Dämmarbeiten, sondern auch notwendige Begleitmaßnahmen.
Dazu zählen etwa Anpassungen an Boden und Decke, Dämmung von Fensterlaibungen, Versetzen von Heizkörpern oder ähnliche Arbeiten, die technisch erforderlich sind.
Was ist ein individueller Sanierungsfahrplan?
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Interview: Ist die Dämmung von innen eine lohnenswerte Alternative?
Wir fragen den Experten Frank Hettler, Leiter der unabhängigen Initiative "Zukunft Altbau": Wann ist die Innendämmung überhaupt sinnvoll − und wann nicht?
Wann ist die Dämmung von innen sinnvoll?
Eine Innendämmung ist dann sinnvoll, wenn beispielsweise Denkmalschutzaspekte dagegensprechen, von außen zu dämmen. Ein Großteil des Gebäudebestands eignet sich sehr gut für eine Außendämmung. Diese erscheint zwar zunächst komplizierter und ist deutlich teurer, in der Regel ist sie aber wesentlich effektiver als eine Innendämmung, die aufgrund der vielen innen liegenden Anschlüsse deutlich fehleranfälliger ist. Wo baulich möglich, ist man daher trotz höherer Kosten langfristig mit der Dämmung von außen besser beraten.
Ist eine Innendämmung dann überhaupt empfehlenswert?
Ja, absolut – bevor die Fassade ungedämmt bleibt. Es gibt mittlerweile viele sehr gute Systeme, die natürlich fachgerecht ausgeführt werden müssen. In einem Einfamilienhaus mit 125 m² Wohnfläche und energetisch schlechter Außenwand kann eine Innendämmung mit 6 bis 10 Zentimeter rund 50 kWh pro Quadratmeter einsparen. Das entspricht bei aktuellen Energiepreisen für fossile Energieträger einer Ersparnis von etwa 400 Euro im Jahr. Neben dem Einsparpotenzial ist eine Dämmung aber auch immer eine Wertsteigerung und ein Beitrag zum Wohnkomfort.
Wer kann zur Innendämmung beraten?
Stuckateurbetriebe und Energieberateer mit Denkmalzulassung sind Fachleute für Innendämmung. Sie verfügen über das notwendige Wissen zu Materialkombinationen und bauphysikalischen Zusammenhängen. Grundsätzlich hat in den vergangenen Jahren die Fassadendämmung durch negative öffentliche Debatten an Akzeptanz verloren. Das ist bedauerlich, denn die Fassade ist von der Fläche meist das größte Bauteil mit entsprechend hohem Einsparpotenzial.