Innendämmung mit Holzfaserdämmplatten: Zwei Praxisbeispiele

20.04.26
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Alte Häuser natürlich dämmen

Wichtiges Kriterium bei einer Innendämmung ist eine gute Dämmleistung bei möglichst geringer Aufbauhöhe – schließlich soll möglichst wenig Wohnraum verloren gehen. Beliebt sind Holzfaserdämmplatten: Damit lassen sich recht schlanke, diffusionsoffene Dämmsysteme aufbauen. Sie können Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben.

Die Dämmung von innen ist vor allem bei älteren Gebäuden interessant – etwa bei erhaltenswerten Fassaden oder denkmalgeschützten Gebäuden, bei denen eine Außendämmung nicht infrage kommt. Wir zeigen anhand von zwei Praxisbeispielen, wie eine Innendämmung mit Holzfaserplatten funktionieren kann.

Das erfahren Sie in diesem Artikel:

  1. Praxisbeispiel: Innendämmung eines Heubodens
  2. Praxisbeispiel: Dämmung nach Feuchteschaden (Ahrtal-Überschwemmung)
  3. Fazit: Vorteile und Grenzen der Innendämmung – was zeigen die Praxisbeispiele?

Wann ist ein Innendämmung sinnvoll?

Grundsätzlich ist eine Außendämmung aus energetischer Sicht zwar besser als eine Innendämmung. Das Dämmen von innen ist sinnvoll, wenn der Energieverbrauch sinken soll, eine Dämmung von außen nicht möglich oder gewünscht ist. Das kann bei erhaltenswerten Fassaden, Sichtmauerwerk, Natursteinwänden, Fachwerk oder denkmalgeschützten Gebäuden der Fall sein. Auch bei einzelnen Gebäudeteilen oder Räumen kann eine Innendämmung eine Lösung sein, wenn gezielt der Wärmeschutz verbessert werden soll.

In diesem Beitrag erfahren Sie, warum eine Innendämmung als schwierig gilt, und worauf man besonders achten sollte, damit es funktioniert »

1. Praxisbeispiel: Innendämmung eines Heubodens

Der ehemalige Kuhstall aus dem 19. Jahrhundert verfügt über eine gute Bausubstanz. Das Dach war erst vor wenigen Jahren erneuert worden.

Heuböden waren für Landwirte früher ein Muss, heute haben sie vielerorts ihre ursprüngliche Funktion verloren. Für einen Leerstand sind sie jedoch oft viel zu schade. Zu diesem Ergebnis kamen auch die neuen Besitzer eines ehemaligen Stalls im Altenburger Land in Thüringen.

„Eigentlich war uns das Gebäude zu groß“, erinnert sich Dr. Mario Geißler. Doch je mehr Objekte sie auf der Suche nach einem Haus auf dem Land besichtigten, desto deutlicher wurde ihnen das Besondere dieses Heubodens. Schließlich entschieden sie sich für das Gebäude – und wagten die energetische Sanierung.

Der Raum erstreckt sich auf 140 Quadratmetern über das gesamte Obergeschoss und reicht nach oben bis zum First. Dadurch bleibt die imposante Balkenkonstruktion, die das Dach trägt, offen sichtbar. Sie sollte bei der Sanierung unbedingt erhalten bleiben.

Der 140 Quadratmeter große Raum erstreckt sich über das ganze Obergeschoß und reicht nach oben bis zum First. Dadurch ist auch die imposante Balkenkonstruktion, die das Dach trägt, offen zu sehen.

Die Voraussetzungen waren gut: Das Stallgebäude verfügte über eine solide Bausubstanz, das Dach war erst wenige Jahre zuvor erneuert worden. Das Mauerwerk besteht aus einem 60 Zentimeter hohen Natursteinsockel, darüber wurden die Wände aus Ziegeln gemauert.

Beider Innendämmung setzten die Bauherren auf Holzfaserplatten. Sie können Unebenheiten im Mauerwerk ausgleichen, sind diffusionsoffen und tragen zu einem angenehmen Raumklima bei. Wichtig ist jedoch, dass der gesamte Aufbau aufeinander abgestimmt ist. Dämmplatte, Putz und Anstrich müssen zusammenpassen, damit Feuchtigkeit nicht eingeschlossen wird.

Das Holzfaser-Dämmsystem UdiReco hatte mit seinen biegsamen Platten den Vorteil, dass ich die weiche Seite an die Wand anschmiegt und so Unebenheiten im Mauerwerk ausgleichen kann. Die Holzfaserdämmplatten wurden mit hoher Zugkraft an die Wand gepresst und verschraubt.

Die biegsamen Platten schmiegen sich an die Ziegelwände und gleichen so Unebenheiten bis zu zwei Zentimetern aus.

Stelldübel mit integriertem Teller drücken die Dämmplatten in die richtige Position.

Diffusionsoffener Dämmstoff

Auch die Balken in der Außenmauer mussten nicht aufwendig bearbeitet werden. Der Grund: Der diffusionsoffene Dämmstoff kann Feuchtigkeit aus dem Mauerwerk aufnehmen und wieder an die Raumluft abgeben. So wird verhindert, dass Feuchtigkeit dauerhaft eingeschlossen bleibt. Andernfalls hätten die Balken aufwendig in Folie verpackt werden müssen.

Auch der teilweise abgebröckelte zementhaltige Putz musste bei der Sanierung nicht komplett abgeschlagen werden. Anders wäre es bei gipshaltigem Putz gewesen: Gips kann Feuchtigkeit aufnehmen und damit das Risiko für Schimmel erhöhen. Solche Putzreste hätten vor der Dämmung entfernt werden müssen.

Die Dämmplatten wurden an den Außenmauern des Heubodens auf einer Fläche von rund 200 Quadratmetern angebracht. Sie haben eine Stärke von 14 Zentimetern und kamen ohne Unterkonstruktion oder Klebstoff aus. Für diese Arbeiten benötigten die Zimmerleute etwa einen Monat.

Die Dämmplatten wurden an den Außenmauern des Heubodens auf einer Fläche von 200 Quadratmetern angebracht.

Worauf kommt es bei der Innendämmung mit Holzfaserdämmplatten an?

Bei einer Innendämmung mit Holzfaserplatten ist ein durchgehend diffusionsoffener Aufbau wichtig. Dazu gehören geeignete Dämmplatten, passende Putze – zum Beispiel Kalkputz – und ein diffusionsoffener Anstrich, etwa mit Silikatfarbe. So kann Feuchtigkeit aus dem Mauerwerk aufgenommen und wieder an die Raumluft abgegeben werden. Nicht geeignet sind dagegen Materialien, die Feuchte einschließen oder problematische Untergründe verdecken.

Das Ergebnis: So lebt es sich heute im ehemaligen Heuboden

Heute lebt die vierköpfige Familie auf 140 Quadratmetern Wohnfläche. Entstanden sind fünf Zimmer, darunter ein großzügiger Wohn-Ess-Bereich mit rund 80 Quadratmetern. Neu eingebaute, bodentiefe Fenster bringen viel Licht in den ehemaligen Heuboden.

Modernes Wohnen im alten Heuboden: Für Helligkeit sorgen die neuen bodenebenen Fenster.

Fazit: Durch die Innendämmung verbesserte sich der Wärmedurchgangskoeffizient (U-Wert) von ursprünglich 1,426 W/(m²K) auf 0,281 W/(m² K). Ergänzt wird die Dämmung durch regenerative Haustechnik: Zum Einsatz kommen eine Erdwärmepumpe und eine Photovoltaikanlage zur Stromerzeugung.

2. Praxisbeispiel: Dämmung nach Feuchteschaden (Ahrtal-Überschwemmung)

Das diffusionsoffene Dämmsystem würde auch bei einem erneuten Nässeschaden wieder abtrocknen. Voraussetzung dafür ist ein durchgehend diffusionsoffener Systemaufbau aus Dämmplatten, Grund- bzw. Haftputz, Oberputz aus beispielsweise Kalk und Anstrich mit Silikatfarbe.

Sollen Wände nach einem Feuchteschaden neu gedämmt werden, ist besondere Vorsicht geboten. Eventuelle Restfeuchte darf nicht im Mauerwerk eingeschlossen werden, sonst können langfristig Schäden oder Schimmel entstehen. In solchen Fällen ist ein diffusionsoffener Dämmaufbau besonders wichtig.

Holzfasern können Feuchtigkeit aus dem Mauerwerk aufnehmen und wieder an die Raumluft abgeben. Dadurch eignet sich das Naturmaterial auch für die Innendämmung nach Feuchteschäden – zum Beispiel dann, wenn eine Außendämmung aus gestalterischen oder denkmalschutzrechtlichen Gründen nicht infrage kommt.

Zum Einsatz kam das System unter anderem bei einem Bruchsteinhaus, das nach der Ahrtalflut kernsaniert wurde. Die Wände waren zuvor vollständig durchfeuchtet. Die Sanierer entschieden sich für eine Innendämmung mit Holzfaserplatten.

Das Innendämmsystem kam sogar bei einem nach der Ahrtalflut kernsanierten Bruchsteinhaus zum Einsatz. Trotz vorheriger kompletter Durchfeuchtung der Wände.
Einfache Montage: Die Dämmplatten werden mithilfe von Stelldübeln justiert und fixiert.

Die 10 Zentimeter starken Dämmplatten wurden mithilfe von Stelldübeln fixiert. Die weiche, flexible Seite konnte auch hier Unebenheiten bis zu zwei Zentimetern im unebenen Mauerwerk ausgleichen. Die formstabile, zum Raum gewandte Platte kann direkt verputzt werden.

Fazit: Vorteile und Grenzen der Innendämmung – was zeigen die Praxisbeispiele?

Im denkmalgeschützten Altbau kann eine Innendämmung eine sinnvolle Lösung sein – wenn eine schöne Fassade erhalten bleiben soll oder eine Außendämmung nicht möglich ist. Die beiden Praxisbeispiele zeigen, dass Holzfaserplatten auch mit unebenem Mauerwerk, historischen Bauteilen und sogar mit Wänden, die zuvor stark durchfeuchtet waren, klarkommen.

Gleichzeitig ist eine Innendämmung anspruchsvoller als viele andere Dämmmaßnahmen. Wärmebrücken, Anschlüsse und vorhandene Feuchtigkeit müssen sorgfältig geprüft werden. Entscheidend ist der richtige Aufbau. Holzfaserplatten allein reichen nicht aus – auch Putz, Anstrich und Anschlüsse müssen diffusionsoffen und auf das Gebäude abgestimmt sein. Wird die Innendämmung sorgfältig geplant und fachgerecht ausgeführt, kann sie den Wärmeschutz deutlich verbessern, das Raumklima angenehmer machen und gleichzeitig die äußere Gestalt des Hauses bewahren.

 

Fotos: Udi Dämmsysteme