Bauplanung

Einen Hausgrundriss planen: Die besten Tipps fürs Familien

Flexibel planen für die Zukunft

Foto: depositphotos/sergeypeterman

Wie alltagstauglich ein Haus ist, hängt entscheidend vom Grundriss ab. Oft sind es die praktischen Details der Planung, die zu den besten Lösungen führen. Manchmal reicht eine zusätzliche Tür oder eine Wand, die leicht versetzt wird, und schon passt die Wohnung ideal zur Familie.

Ein perfekter Grundriss nutzt die Wohnfläche so, dass er den Bedürfnissen der Familie optimal gerecht wird − und zwar nicht nur heute, sondern auch morgen. Denn Familiensituationen ändern sich, beispielsweise wenn die Kinder älter werden oder ausziehen. Hier kommen die besten Tipps für Familien.

Das erfahren Sie in diesem Artikel:

  1. Die Vorüberlegungen: Was sind Ihre Wohnwünsche?
  2. Wie offen möchten Sie wohnen?
  3. Multifunktionales Extrazimmer im Erdgeschoss
  4. Zugänge ins Haus sinnvoll planen
  5. Behalten Sie die Zukunft im Blick

Die Vorüberlegungen: Was sind Ihre Wohnwünsche?

Das Kinderzimmer gefällt Ihnen besonders gut? Lassen Sie sich von positiven Beispielen aus Ihrem Familien- und Freundeskreis inspirieren. Auch Wohnzeitschriften und Websites sind eine gute Inspirationsquelle.
Foto: Pixabay

Bevor Sie loslegen, den Grundriss für Ihr Haus zu planen, sollten Sie sich zunächst über Ihre Wohnwünsche und Ansprüche klar werden. Halten Sie Familienrat:

  • Wie viele Räume benötigen Sie? Wie möchten Sie diese nutzen?
  • Wie wohnen Sie jetzt?
  • Welche Gewohnheiten möchten Sie beibehalten? Was nervt und sollte sich ändern?

Mit solchen Fragen kommen Sie Ihren Bedürfnissen gut auf die Spur. Die Aufgabe des Architekten ist es dann, alle Puzzleteile zu einer vernünftigen und ansprechenden Planung zusammenzufügen, die Ihren Bedürfnissen gerecht wird.

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Wie offen möchten Sie wohnen?

Fließende Grenze: Die transparenten Schiebetüren fallen geöffnet kaum ins Auge, geschlossen dagegen schützen sie die Privatsphäre.
Foto: Baumeister-Haus

Eine grundsätzliche Entscheidung, die Sie treffen sollten, ist: Wie offen möchten Sie wohnen? Prinzipiell haben Gemeinschaftsräume viele Vorteile:

  • Unnötige Flure können eingespart werden, dadurch kommen Sie mit weniger Grundfläche aus − was den Hausbau günstiger macht.
  • Die Wohnung wirkt insgesamt heller und großzügiger.
  • Insbesondere Familien bieten offene Wohn-Ess-Kochräume den Vorteil, dass die Kinder leichter beaufsichtigt werden können, während die Mutter beispielsweise gerade in der Küche das Mittagessen zubereitet. Zudem wird der Kochende nicht aus gemeinsamen Gesprächen ausgeschlossen, sondern ist immer dabei.

Andererseits ist es wichtig, Rückzugsräume zu schaffen. Möchten wir, dass die Treppe durch den Wohnbereich führt? Dann würden auch die Freunde der Kinder an den Eltern vorbeikommen, die vielleicht gerade im Pyjama auf dem Sofa lümmeln.

1 Grundrissbeispiel: Ein eigenes Reich für Kinder und Eltern
Typische Familienkonflikte wie ein unaufgeräumtes Bad werden bei dieser Grundrissplanung entschärft. Im Obergeschoss gibt die Raumaufteilung klare Regeln vor, denn gleich nach dem Treppenaufgang trennen sich die Wege: Rechts leben die Kinder, links die Eltern, beide mit je eigenem Bad.

Trotzdem kann die Familie auch ganz locker zusammentreffen. Die großzügige Freifläche vor der Treppe kann nämlich zu einer gemütlichen Sitzecke ausgestaltet werden. Die Familiengemeinschaft kommt auch im offen gegliederten Erdgeschoss oder auf der gemeinsamen Terrasse nicht zu kurz.

Zeichnung: Dietmar Lochner. Grundlage: „Plan 662“ von Schwörer-Haus
Foto: Schwörer-Haus

Schlafzimmer, Ankleide, Bad − der Elternbereich ist autark und schafft Freiräume abseits des Familientrubels.

Foto: Finger-Haus

Erker und Raumteiler gliedern den offenen Wohn-Ess-Kochbereich.

Multifunktionales Extrazimmer im Erdgeschoss

Kleine Kinder halten sich am liebsten in der Nähe der Eltern auf. Meist liegen die Kinderzimmer aber im Obergeschoss, während sich das Familienleben unten in Küche und Wohnzimmer abspielt. Die Lösung: Planen Sie ein multifunktionales Zimmer im Erdgeschoss Ihres Hauses ein.

  • Sind die Kinder klein, dient es als Spielzimmer. Hier können die Kleinen auch mal längerfristige Spielprojekte in Angriff nehmen, denn Ritterburg oder Rennbahn können aufgebaut bleiben. Wenn Ordnung herrschen soll, wird einfach die Tür zugezogen.
  • Mit Blick auf die Zukunft lässt sich der separate Raum im Erdgeschoss später zum Schlafzimmer umfunktionieren. Wenn zudem das Gäste-WC im Erdgeschoss so angelegt ist, dass es mit geringem Aufwand zum Dusch-WC umgebaut werden kann, ist im Alter das Wohnen auf einer Ebene möglich.

Praktische Grundriss-Tipps

  • Ein Bad über dem Hauswirtschaftsraum eröffnet die Chance, die getragene Kleidung über einen Wäscheabwurfschacht direkt bei der Waschmaschine landen zu lassen.
  • Hundebesitzer oder Hobbygärtner können den Hauswirtschaftsraum mit einer Außentür optimieren – schon hat man eine Schmutzschleuse.
  • Auch ein Arbeitszimmer lässt sich mit einer zusätzlichen Außentür aufwerten: Offizielle Besucher werden direkt im Home-Office empfangen und müssen nicht durch die private Wohnung geführt werden.
  • Überhaupt die Privatsphäre: Man kann sie ganz unauffällig und doch effektiv schützen, indem man Schlafzimmer und Bad durch einen Nebenflur erschließt. Selbst wenn sich in Diele und Wohnbereich Gäste tummeln, kann man sich in den Rückzugsräumen unbehelligt bewegen. Ein geschickter Schachzug ist dies vor allem beim Wohnen auf einer Ebene, wie es in Bungalows der Fall ist.
  • Charme hat es auch, wenn etwa gleich große Räume im Haus geplant werden. Diese sind am wenigsten auf bestimmte Nutzungen festgelegt. Je nach Lebenssituation kann dann munter gewechselt werden: vom Arbeits- zum Kinderzimmer oder zum Hobbyraum.

2 Grundriss-Beispiel: Multifunktionales Extrazimmer im Erdgeschoss
In dieser Hausplanung ist zwischen den Kinderzimmern im Obergeschoss eine großzügige Spieldiele vorgesehen, in der sich die Kinder austoben können.

Zeichnung: Dietmar Lochner. Grundlage: Haus "Heidenrod", Keitel-Haus
  • Positiver Nebeneffekt: Der Wohnbereich im Erdgeschoss bleibt frei vom Spielzeug. Die Kinder können beim Spielen auch mal lauter werden, ohne die Eltern unten im Wohnzimmer zu stören.
  • Wird eine solche Spieldiele geschickt zwischen zwei Räumen angeordnet, kann daraus später bei Bedarf sogar ein weiteres Kinderzimmer entstehen. Wenn die Kinder älter werden, kann sie mit dann mit wenig Aufwand zum Wohnzimmer umgestaltet werden.
  • Wenn Sie ein Haus planen, ist auch eine offene Galerie eine attraktive Grundriss-Variante. Auf ihr finden die Spielaktivitäten räumlich getrennt vom Wohnzimmer statt, aber die Eltern sind nach wie vor in Rufweite. Nachteil: Der Geräuschpegel kann sich störend auf Gespräche im Erdgeschoss auswirken.
Foto: Haus "Heidenrod" (Keitel-Haus)

Zwischen den Kinderzimmern liegt ein lichtdurchflutetes Spielparadies für die beiden Töchter.

Foto: Haus "Heidenrod" (Keitel-Haus)

Bei gutem Wetter erweitert der Holzbalkon die Spieldiele um weitere zehn Quadratmeter.

Zugänge ins Haus sinnvoll planen: Diele groß, Verkehrsflächen klein

In der Eingangsveranda lässt sich der Schuhwechsel bequem vor der Haustür erledigen.
Fotos: Haus "Heidenrod" (Keitel-Haus)

Oft wird ihr bei der Hausplanung vergleichsweise wenig Beachtung geschenkt. Dabei erweist sich eine große Diele im Eingangsbereich als äußerst praktisch.

  • Eine große Diele schafft ausreichend Stauraum: Mäntel, Mützen und Schuhe verschwinden in Schränken und auch der Schulranzen, die Sportsachen oder der Kinderwagen finden garantiert eine Parklücke.
  • Durch einen großen Eingangsbereich wird das Zuhause großzügiger und es gibt kein Gedränge, wenn man Gäste empfängt oder gemeinsam das Haus verlässt.
  • Planen Sie draußen ein Vordach oder sogar einen kleinen Vorbau ein. Damit sind Bewohner und Besucher auf den letzten Metern bis zur Haustür vor Regen geschützt.

Umgekehrt ist es sinnvoll, die übrigen Verkehrsflächen, wie Flure und Gänge, knapper zu bemessen, um nicht unnötigen Wohnraum zu verschwenden. Inspirieren Sie sich hier beispielsweise von gut gelungenen Reihenhausgrundrissen.

4 Grundrissbeispiel: Sorgen Sie für praktische Versorgungswege
Im folgenden Beispiel trennt ein geschlossener Flur den offenen Wohnbereich von den Verkehrswegen und von den rein funktionalen Versorgungsräumen.

Sie planen einen Hauswirtschaftsraum? Eine gute Idee, denn hier findet die Waschmaschine ebenso ihren Platz wie sperrige Getränkekisten und sonstige Vorräte. Die "Anlieferung" in diesem Grundrissbeispiel erfolgt direkt durch die Küche, der Umweg durchs Wohnzimmer entfällt. Die gewaschene Wäsche nimmt den kurzen Weg durch die Terrassentür zum Trockenständer.

Die Küche hat einen direkten Zugang zur Terrasse: Ob Frühstück auf der Terrasse oder Gartenfest – Grillgut und Geschirr sind ohne den Umweg übers Wohnzimmer rasch nach draußen getragen und wieder abgeräumt.

Zeichnung: Dietmar Lochner. Grundlage: Musterhaus "Aveo 411" von Finger-Haus

Tipp: Den Grundriss "im Kopf" begehen

Wenn Sie Ihr Haus planen, kommen Sie optimalen Verkehrwegen am besten auf die Spur, wenn Sie sich bildlich vorstellen, welche Räume Sie durchqueren, wo Türen sind, wer sich von Ihrer Familie in welchen Zimmern am liebsten aufhält und ob die Aufteilung dazu passt.

Denken Sie auch an Ihre typischen alltäglichen Wege, die Sie in Ihrer Wohnung zurücklegen. Wenn Waschmaschine und Speisekammer im Keller stehen, müssen Sie oft die Treppe rauf und runter laufen. Ein Speisekammer zwischen Eingangsbereich und Küche wäre hier oftmals viel praktischer. Denken Sie auch daran, dass in der Nähe des Waschraums genügend Stellfläche zum Lagern der Wäsche, zum Bügeln und zum Aufhängen der Wäsche bereitstellen sollte. Machen Sie sich Ihr Leben so einfach wie möglich!

Behalten Sie die Zukunft im Blick

Ein gut geplantes Haus sollte sich mit der Familie weiterentwickeln, denn schnell werden aus Kindern Teenies und aus Teenies junge Erwachsene. Die besten Voraussetzungen dafür erfüllen etwa gleich große Räume.

Dann können Sohn oder Tochter später zum Beispiel einfach ins Gästezimmer im Erdgeschoss umziehen. Mit einem separaten Hauszugang und einer Duschmöglichkeit im Gäste-WC bekommen sie ihr eigenes Mini-Appartement. Erleichtert werden alle diese Umnutzungen mit einer Hauskonstruktion, die das Einfügen oder Entfernen von (Leichtbau-)Wänden problemlos und kostengünstig zulässt. Ein gut geplantes Haus kann sich also jederzeit neu auf die Bedürfnisse seiner Bewohner einstellen.

Alternativ kann man im Erdgeschoss auch eine Einliegerwohnung einplanen. Das hat mehrere Vorteile: Zum einen schafft sie durchs Vermieten eine gute Einnahmequelle, zum anderen lässt sie sich, sobald die Kinder größer geworden sind, als separaten Wohnbereich nutzen.

Wenn Sie ein Haus planen, sollten Sie außerdem möglichst schon in der Grundrissplanung das Älterwerden gleich mitdenken. Unsere Checkliste "Schritt für Schritt zur barrierefreien Wohnung" zeigt, welche Möglichkeiten es gibt, Haus und Wohnung altersgerecht zu gestalten.

Unsere Serie: Grundrissplanung fürs Eigenheim

Mehr praktische Tipps zur Grundrissplanung finden Sie in unserer Serie:

» Aktueller Beitrag: Teil 1: Einen Hausgrundriss planen: Die besten Tipps für Familien

Übrigens: Tolle Anregungen bekommen Sie auch auf Musterhaus-Ausstellungen. Hier kann man die Hausentwürfe verschiedener Fertighaus-Hersteller vergleichen und sich inspirieren lassen. Musterhaus-Ausstellungen auf einen Blick »

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