Flachdachaufbau im Detail

Flachdach Aufbau und Beschichtung mit Bitumen

Im Überblick: Kaltdach, Warmdach und Umkehrdach

Foto: Ultrament

Flachdächer müssen besonders gut abgedichtet und solide aufgebaut sein, damit sie dauerhaft dicht sind. Je nach Flachdachtyp unterscheidet sich dabei der Aufbau der verschiedenen Dämm- und Abdichtungsschichten. Man unterscheidet zwischen Kaltdach, Warmdach und Umkehrdach. Hier erfahren Sie, worin sich die verschiedenen Flachdächer unterscheiden und wie der Aufbau jedes Flachdachtyps aussieht.

Das erfahren Sie in diesem Artikel:

  1. Die drei gängigsten Flachdachaufbauten
  2. Flachdachaufbau beim Kaltdach
  3. Flachdachaufbau beim Warmdach
  4. Flachdachaufbau beim Umkehrdach
  5. Wieviel Gefälle beim Flachdach?

Die drei gängigsten Flachdachaufbauten

Ob mechanische oder thermische Belastungen durch Hitze und Kälte – die Flachdachabdichtung muss einiges aushalten. Darum sind das richtige Material und Sorgfalt beim Aufbringen besonders wichtig. Die richtige Abdichtung Ihres Flachdachs ist dabei vor allem von der Unterkonstruktion bzw. der Nutzung der Dachfläche abhängig. Die drei gängigsten Flachdachaufbauten sind das Kaltdach, das Warmdach und das Umkehrdach.

Traditionell kommen bei Flachdächern Bitumendichtbahnen zum Einsatz, die in mehreren Lagen verlegt und abschließend mit Flüssigbitumen bestrichen werden. Es gibt auch Kaltschweißbahnen, die mit einer Klebeschicht ausgestattet sind sowie Abdichtungsbahnen aus PVC und Elastomerbahnen aus synthetisch hergestelltem Kautschuk.

Bei Durchdringungen wie Lichtkuppeln, Rohren, Geländern, Schornsteinen, aber auch Blitzableitern hat sich der Einsatz von flüssigen Flachdachabdichtungen bewährt, weil dabei keine leckanfälligen Nähte entstehen.

1. Flachdachaufbau beim Kaltdach

Ein Kaltdach wird zweischalig und belüftet ausgeführt.

So funktioniert der Flachdachaufbau: Über der Wärmedämmung befindet sich ein Hohlraum, der über Öffnungen an den Dachrändern belüftet wird. Richtig ausgeführt liegt der Vorteil dieser Konstruktion darin, dass eindringende Feuchte sicher abgeführt wird.

Im Fall von Material- bzw. Konstruktionsfehlern aber ist der Abtransport der Feuchtigkeit nicht mehr gewährleistet – Feuchteschäden sind die Folge. Da Kaltdachaufbauten komplexer und somit auch teurer als andere Varianten sind, werden sie heute nur noch selten umgesetzt. Bei Bungalows der 1960er- bis 1980-er Jahre sind sie aber noch häufig anzutreffen.

Schemazeichnung: Aufbau beim Kaltdach

Flachdach Aufbau im Detail beim Kaltdach
Zeichnung: Dietmar Lochner

➀ Auflast, (z.B. Kies), ➁ Dachabdichtung, ➂ Trennlage, ➃ Holzschalung, ➄ belüftete Balkenlage, dazwischen Dämmung, ➅ Dampfbremse, ➆ Ausgleichsschicht, in der Regel Gefälleestrich, ➇ Tragkonstruktion, hier Stahlbetondecke

2. Flachdachaufbau beim Warmdach

Dieser einschalige, nicht belüftete Flachdachaufbau ist recht kostengünstig und weit verbreitet.

So funktioniert der Flachdachaufbau: Alle Funktionsschichten liegen unmittelbar aufeinander. Es darf keinerlei Feuchtigkeit in die Konstruktion eindringen, da keine Belüftung vorhanden ist. Eine Dampfsperre unter der Dämmschicht ist daher zwingend.

Die Dachabdichtung liegt oberhalb der Dämmung und schützt diese vor Witterungseinflüssen. Warmdächer können ohne oder mit einer Auflast versehen werden – beispielsweise mit Kies, einer Dachbegrünung oder mit Terrassenplatten. Dann muss der verwendete Dämmstoff für die Belastung geeignet sein. Ohne Deckschicht ist auf UV-Beständigkeit der obersten Dachbahn zu achten.

Schemazeichnung: Aufbau beim Warmdach

Flachdach Aufbau im Detail beim Umkehrdach
Zeichnung: Dietmar Lochner

➀ Auflast, (z.B. Kies), ➁ Dachabdichtung, ➂ Trennlage, ➃ Dämmung, ➄ Dampfsperre, ➅ Ausgleichschicht/Gefälleestrich, ➆ Tragkonstruktion, hier Stahlbetondecke

3. Flachdachaufbau beim Umkehrdach 

Das Umkehrdach unterscheidet sich vom Warmdach in der Reihenfolge der Schichten: Die Abdichtung liegt geschützt vor mechanischen Einwirkungen und UV-Strahlung unter der Dämmung. Diese ist dann aber der Witterung ausgesetzt und muss darum aus feuchteresistentem Material wie Polyurethan (PUR) oder Polystyrol (XPS) bestehen. Eine Dampfsperre ist beim Umkehrdach nicht nötig.

Wird kein Grün- oder Terrassendach gebaut, verhindert Kies als Auflast über einem wasserableitenden Filtervlies das Wegwehen bzw. Aufschwimmen der Dämmplatten. Da diese meist lose verlegt werden, können sie bei Rückbau oder Sanierung wiederverwendet werden. Im Vergleich zum Warmdach ist das Umkehrdach etwas teurer, dafür besteht keine Gefahr der Tauwasserbildung und die Konstruktion ist in der Regel langlebiger.

Schemazeichnung: Aufbau beim Umkehrdach

Flachdach Aufbau im Detail beim Umkehrdach
Zeichnung: Dietmar Lochner

➀ Auflast, (z.B. Kies), ➁ Filtervlies, ➂ Dämmung aus Hartschaumplatten, ➃ Dachabdichtung, ➄ Ausgleichschicht/Gefälleestrich, ➅ Tragkonstruktion, hier Stahlbetondecke

Die richtige Dämmung für jeden Flachdachaufbau

Welche Dämmung sich für Ihr Flachdach am besten eignet, hängt vor allem von der Konstruktion des Flachdachs ab: Kaltdach, Warmdach oder Umkehrdach. In unserer Übersicht haben wir für Sie zusammengestellt, welche Flachdachdämmung für Ihre Dachkonstruktion die richtige ist: Flachdachsanierung: Effektiv dämmen und abdichten »

Wieviel Gefälle beim Flachdach?

Laut aktueller Richtlinie wird eine Dachfläche mit einer Neigung von weniger als 10 Grad als Flachdach bezeichnet. Das empfohlene Mindestgefälle für den kontinuierlichen Abfluss des Regenwassers liegt bei 2 Prozent – mit 5 Prozent Gefälle sind Bauherren jedoch auf der sicheren Seite. Die leichte Neigung kann entweder auf der obersten Geschossdecke zum Beispiel mithilfe von Estrichmörtel modelliert oder mit keilförmig geschnittenen Dämmplatten hergestellt werden.

Wie Flachdächer abgedichtet, gedämmt und gedeckt werden sollen, regelt die DIN 18531. Dabei werden allerdings nur Mindeststandards festgelegt. „Ein Dach nach DIN hält nur rund 20 Jahre“, kritisiert der Verband Privater Bauherren (VPB). Wer vorsorgen will, sollte sich darum im Bauvertrag für eine langlebigere, wenngleich etwas teurere Variante entscheiden.

Wird ein Flachdach saniert und sind dabei mehr als 10 Prozent der Dachfläche betroffen, müssen zudem die Anforderungen des GEG (Gebäudeenergiegesetzes; früher: ENEV) für einen ausreichenden Wärmeschutz eingehalten werden. In diesem Fall haben Sie dann auch ein Anrecht auf staatliche Förderung. Denken Sie aber daran, Anträge immer vor Beginn der Maßnahme einzureichen.

In unserem Artikel Gebäudeenergiegesetz im Überblick haben wir wichtige Neuerungen des Energiespargesetzes zusammengefasst.

Tipp: Dachbegrünung fürs Flachdach

Flachdächer können bei einer Sanierung auch begrünt werden. Der große Vorteil: Dachbegrünungen verlängern die Haltbarkeit Ihres Daches um rund das Doppelte. In unserem Artikel Aufbau eines Gründachs erfahren Sie, wie das funktioniert.

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