Kosten sparen durch Eigenleistung beim Hausbau?

Frau trägt Ytong-Baustein auf Baustelle

Welche Arbeiten sind sinnvoll, welche nicht?

Foto: Ytong Bausatzhaus

Bauen ist teuer. Da liegt es nahe, die Baukosten durch Eigenleistungen zu senken. Doch lohnt sich das? Wo ist Do-it-yourself sinnvoll, wo nicht?

Das erfahren Sie in diesem Artikel:

  1. Was bringt Eigenleistung?
  2. Ausbauhäuser und Bausatzhäuser
  3. Welche Arbeiten am Bau kann ich als Laie schaffen?
  4. Haftungsfragen und Versicherungsbedarf klären

Was bringt Eigenleistung?

Eigenleistungen beim Hausbau können die Baukosten senken. Deshalb erkennen Banken Eigenleistungen als Kapitalersatz an – meist aber nur bis maximal zehn Prozent der Baukosten. Diese Begrenzung erfolgt aus gutem Grund: Bauherren sollen vor Fehleinschätzungen geschützt werden.

Planen Sie exakt und realistisch! Wer sich handwerklich überschätzt oder sich beim Hausbau zeitlich überfordert, ...

  • … kann die Kostenkalkulation durcheinanderbringen,
  • … kann den Bauablauf verzögern,
  • … muss möglicherweise Fachbetriebe beauftragen, die eigenen Fehler am Bau zu beseitigen,
  • … gefährdet unter Umständen seine Gesundheit
  • … zahlt am Ende oft drauf.

Die folgende Übersicht zeigt, welche Eigenleistung beim Hausbau die größte Kostenersparnis bringt − exemplarisch dargestellt an den Städten Leipzig und München. Das größte Einsparpotenzial bieten demnach Trockenbau-, Maler- und Lackierarbeiten sowie das Verlegen von Bodenbelägen und Setzen von Zimmertüren.

Grafik Eigenleistungen: Welche Gewerke lohnen sich?
Verband Privater Bauherren (VPB)

Ausbauhäuser und Bausatzhäuser

Wer mehr tun will, als nur beim Innenausbau selbst Hand anzulegen, bekommt auch dafür passende Angebote auf dem Markt der Hausanbieter. Eine Möglichkeit sind Ausbauhäuser. Dabei handelt es sich – kurz gesagt – um eine abgespeckte Version von komplett schlüsselfertig erstellten Bauten. Bausatz- oder Selbstbauhäuser dagegen verfolgen ein grundlegend anderes Konzept und binden die Bauherren von Anfang an auf der Baustelle aktiv ein.

Viele Fertighaushersteller oder auch Bauträger kommen Selbermachern entgegen, indem sie neben schlüsselfertigen Angeboten auch Ausbauhäuser offerieren. Verschiedene Ausbaustufen stehen zur Wahl – von „fast schlüsselfertig“ bis „zum Ausbau vorbereitet“. Die Stufen sind in der Regel so organisiert, dass es keine Probleme beim Bauablauf oder bei Gewährleistungsfragen gibt.

Gute Fertighaushersteller, die Ausbauhäuser anbieten, stellen ihren Bauherren auf Wunsch einen Ausbauberater zur Seite. Er berät zu Fragen rund um den selbst durchgeführten Innenausbau. Ebenfalls ein wertvoller Service ist die Lieferung der Materialien für den Innenausbau in der richtigen Menge und zum richtigen Zeitpunkt durch die Fertighausfirma.

Frau mauert eine Wand mit Porenbeton-Mauerblöcken
Bauen mit Porenbeton-Plansteinen ist auch für Selbermacher geeignet. Mit Dünnbettmörtel werden die Steine aufeinander „geklebt“. Das ist deutlich einfacher als das klassische Mauern.
Ytong Bausatzhaus

Und für ganz talentierte Helfer gibt es Bausatzhäuser oder Selbstbauhäuser, bei denen schon der Rohbau in Eigenleistung entsteht. Das Selbstbausystem kann aus leicht zu verarbeitenden Plansteinen bestehen, aus Verfüllsteinen, die später mit Beton ausgegossen werden, oder auch aus massiven Holzbohlen, die zu ein- oder zweischaligen Wänden zusammengefügt werden. Schon vor dem Erwerb eines Bausatzhauses sollten sich Bauherren genau mit dem jeweiligen System vertraut machen. Dazu gibt es – online oder vor Ort – in aller Regel Informationsveranstaltungen, Filme oder Chats.

Am besten geschieht der Aufbau eines Selbstbauhauses zumindest beim Start unter Aufsicht eines Profis, bei Holzbausystemen eines Richtmeisters. Außerdem sollte die ausführliche Einweisung in die Bautechniken und das Stellen von Spezialwerkzeug bzw. Maschinen eine Selbstverständlichkeit sein. Achten Sie bei der Angebotsauswahl darauf, welche Serviceleistungen im Preis enthalten sind und welche extra kosten.

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Welche Arbeiten am Bau kann ich als Laie schaffen?

Frau tapeziert eine Wand
Die einfachste Eigenleistung beim Bauen ist das Tapezieren. Hier kann es kein Gewährleistungsproblem mit einem nachfolgenden Gewerk geben.
Henkel

Wer selbst baut, braucht Knowhow, Spezialwerkzeug und viel Zeit. Erfahrungsgemäß bewältigen Laien höchstens zwei Drittel der Leistung eines Profis. Als realistisches Zeitbudget gelten rund 20 Stunden pro Woche neben dem Job. Wer also 1.000 Arbeitsstunden Eigenleistung erbringen will, muss demnach entweder 50 Wochen Einsatz bringen oder er braucht Helfer.

Der Verband Privater Bauherren (VPB) nennt folgende Arbeitsbereiche, wo engagierte Bauherren und Selbermacher ihre Arbeitskraft gut einbringen können:

  • Maler- und Tapezierarbeiten
  • Dachausbau bzw. der Dachdämmung,
  • Fliesen verlegen
  • Bodenbelagsarbeiten

Die Übersicht deckt sich auch im Wesentlichen mit den Ergebnissen oben (siehe Grafik), bei welchen Eigenleistungen die größte Kostenersparnis zu erwarten ist. Hier stehen Aufwand und Nutzen also in einem sinnvollen Verhältnis.

Bei Ausbauhäusern können darüber hinaus – je nach Talent – auch der Einbau von Innentüren, Sanitärobjekten oder sogar Innentreppen und nichttragenden Innenwänden in Eigenregie übernommen werden.

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Haftungsfragen und Versicherungsbedarf klären

Die Eigenleistungen müssen mit professionellen Arbeiten auf der Baustelle Hand in Hand gehen. Vor allem, wer mit Schlüsselfertig-Anbietern (also Bauträgern oder Fertighausherstellern) arbeitet, ist gut beraten, Eigenleistung vor Beginn vertraglich abzustimmen.

Geregelt werden müssen auch Haftungsfragen:

  • Was passiert, wenn der Bauherr in Eigenregie Schäden verursacht und der Bauträger nicht weiterbauen kann?
  • Was passiert, wenn in Folge unsachgemäßer Eigenleistungen ein Handwerker verunglückt?

Welche Versicherungen brauche ich?

Wie der Bauherren-Schutzbund (BSB) betont, gelten für Bauherren Melde- und Anzeigepflichten, wenn sie „private Bauhelfer“ einsetzen. Das kann zum Beispiel ein Cousin, ein Arbeitskollege, ein hilfsbereiter Nachbar oder auch ein befreundeter Bauarbeiter sein, der nach seinem Feierabend auf der Baustelle mithilft. Für sie alle trägt der Bauherr die volle Verantwortung. Der zuständige Ansprechpartner dafür ist die Bau-Berufsgenossenschaft.

Die BG Bau schreibt den Abschluss einer gesetzlichen Bauhelferversicherung zwingend vor, zahlt aber im Schadensfall für freiwillige Helfer oft zu wenig. Deshalb lohnt sich für Bauherren, die mit viel Eigenleistung planen und dabei auf private oder stundenweise beschäftigte Helfer zurückgreifen, eine zusätzliche private Bauhelferversicherung oder Bauherren-Haftpflichtversicherung.

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Wichtig: Der Bauherr selbst sowie dessen Ehepartner haben durch die Bauhelferversicherung keinen Versicherungsschutz. Sie sollten deshalb prüfen, ob sie gegen Unfallfolgen ausreichend abgesichert sind.

Stichwort Haftung: Eigenleistung oder doch lieber Profis?

Generell gilt: Für selbst erbrachte Arbeiten sind Sie selbst verantwortlich, d.h. Sie haften sowohl für Schäden als auch für teuren Zeitverlust – beispielsweise wenn das fremd vergebene Folgegewerk durch die Eigenleistung erst später beginnen kann.

Schätzen Sie Ihre eigenen Fähigkeiten sowie den nötigen Zeitaufwand also realistisch ein, um den Vorteil der Preisersparnis nicht mit dem Verlust von Gewährleistungsrechten zu bezahlen. Mit der Vergabe an einen Handwerker gehen Sie auf Nummer Sicher. Zudem schützt Sie der gesetzliche Gewährleistungsanspruch, wenn Handwerker schlecht gearbeitet haben. Innerhalb von fünf Jahren nach Bauabnahme muss der Handwerker Mängel kostenlos nachbessern. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Beitrag: Handwerker-Gewährleistung: Das sind Ihre Rechte »