So finden Sie Stromleitungen in der Wand
Stromleitungen finden für mehr Sicherheit
Sie haben eine neue Garderobe gekauft oder möchten das Familienfoto aufhängen. Der Bohrer liegt bereit, doch plötzlich beschleicht Sie ein ungutes Gefühl: Wo verlaufen eigentlich die Kabel? Wer hier auf gut Glück bohrt, spielt Russisch Roulette mit der Hauselektrik. Wir zeigen Ihnen, wie Sie Stromleitungen finden, welche Installationszonen Sie kennen müssen und warum das Smartphone dabei (leider) oft versagt.
Das erfahren Sie in diesem Artikel:
- Wie verlaufen die Stromleitungen in der Wand?
- Wie tief liegen Stromleitungen in der Wand?
- So verwenden Sie ein Ortungsgerät fachmännisch
- Stromleitung finden mit Handy – Top oder Flop?
- Was tun, wenn Sie die Stromleitung angebohrt habe?
- Fazit: Orten Sie Stromleitungen in der Wand niemals mit dem Handy, sondern immer mit einem speziellen Detektor
Wie verlaufen die Stromleitungen in der Wand?
Viele Heimwerker stehen vor einer weißen Wand und fühlen sich ein wenig verloren. Dabei folgt die Elektrik in den meisten Häusern keinem Chaos, sondern strengen Regeln. Damit Stromleitungen unter Putz auch Jahre später noch sicher lokalisiert werden können, gibt die DIN 18015 klare Installationszonen vor. Das bedeutet: Kabel werden nicht kreuz und quer verlegt, sondern in definierten Korridoren.
Wenn Sie sich fragen: „Wie verlaufen Stromleitungen in der Wand?“, helfen Ihnen folgende Grundregeln zur Orientierung:
- Senkrechte Linien: Leitungen führen in der Regel senkrecht von der Decke oder vom Boden zu Steckdosen und Lichtschaltern. Ziehen Sie also gedanklich eine vertikale Linie über und unter jedem Schalter – hier ist Bohren tabu.
- Waagerechte Zonen: Horizontale Kabel verlaufen meist ca. 30 Zentimeter unterhalb der Zimmerdecke oder 30 Zentimeter über dem fertigen Fußboden.
- Besonderheit Küche: Hier gibt es oft eine sogenannte mittlere Installationszone für Arbeitssteckdosen, etwa 100 bis 115 Zentimeter über dem Boden.
- Besonderheit Badezimmer: Im Bad liegen Leitungen oft waagerecht im oberen Bereich und werden von dort senkrecht zu Waschbecken und Anschlüssen heruntergeführt. Rund um Dusche und Badewanne gibt es sogenannte Schutzbereiche, in denen keine Steckdosen oder Schalter installiert sein dürfen.
Vorsicht im Altbau!
Wohnen Sie in einem Haus, das vor 1970 erbaut wurde? Dann können Sie sich auf diese Normen leider nicht verlassen. Früher wurde oft Material gespart und der „kürzeste Weg“ gewählt. Das Ergebnis: Leitungen, die diagonal quer über die Wand verlaufen. Auch nachträglich eingezogene Kabel von Hobby-Handwerkern halten sich selten an Normen. Hier hilft keine Faustregel, sondern nur ein technisches Prüfgerät.
Wie tief liegen Stromleitungen in der Wand?
Eine wichtige Frage bei der Auswahl von Dübeln und Schrauben ist die Verlegetiefe. Leitungen liegen häufig etwa 1–2 cm unter dem Putz (genauer: unter der fertigen Wandoberfläche). In der Praxis variiert das jedoch stark. Das bedeutet für Sie:
- Schon kurze Nägel für Bilderrahmen können die Isolierung eines Kabels beschädigen, da diese oft nur rund 1 cm tief liegt.
- Vielleicht denken Sie: „Dann nehme ich eben einen Bohrtiefenbegrenzer.“ Doch ein Bohrtiefenbegrenzer hilft hier nicht weiter. Löcher für Dübel sind fast immer tiefer (4–6 cm) als die Lage des Kabels (1–2 cm), Sie würden die Leitung also trotzdem treffen.
- Bohren Sie niemals auf Verdacht in Installationszonen. Nutzen Sie im Zweifel ein Ortungsgerät, bevor Sie die Maschine ansetzen.
Was tun bei Stromausfall?
Mit ein paar schnellen Checks finden Sie heraus, wo die Ursache des Problems im Haus liegt, z.B. Sicherung, FI, defektes Kabel oder Gerät. Dieser Leitfaden zeigt Schritt für Schritt, wie Sie bei einem Stromausfall vorgehen sollten »
So verwenden Sie ein Ortungsgerät fachmännisch
Wenn Sie wirklich sicher gehen wollen, kommen Sie an einem physischen Leitungssucher nicht vorbei. Gute Einsteigergeräte gibt es bereits ab ca. 45 Euro.
Man unterscheidet zwei Hauptkategorien:
- Einfache Metallsuchgeräte: Diese finden alles, was metallisch ist (auch Wasserrohre), unterscheiden aber oft nicht zwischen Strom und Stahl.
- Multidetektoren: Diese hochwertigen Geräte können verschiedene Materialien (Holz, Metall, spannungsführende Leitungen) differenzieren. Sie zeigen oft über ein Ampelsystem (Rot/Gelb/Grün) an, wie sicher das Bohren ist.
So finden Sie jede Leitung in der Wand:
- Gerät kalibrieren: Schalten Sie das Ortungsgerät ein und halten Sie es fern von Metall in die Luft, um es zu nullen (beachten Sie die Bedienungsanleitung).
- Stromfluss erzeugen: Schalten Sie im Zimmer das Licht ein und stecken Sie einen Verbraucher (z. B. Radio) in die Steckdose. Fließt Strom, ist das elektromagnetische Feld stärker und das Gerät findet die Leitung leichter.
- Erden Sie sich: Das ist bei manchen Leitungs-Suchgeräten wichtig für eine bessere Messgenauigkeit. Legen Sie Ihre freie Hand flach an die Wand, während Sie mit der anderen das Gerät führen. Das verhindert, dass statische Aufladung das Messergebnis verfälscht.
- Suchbereich scannen: Fahren Sie mehrmals langsam über den Bereich, in dem Sie bohren wollen. Bewegen Sie das Gerät dabei waagerecht und senkrecht.
- Markieren: Wenn das Gerät ausschlägt (Piepen oder rotes Licht), markieren Sie die Stelle. Halten Sie beim Bohren immer einen Sicherheitsabstand von einigen Zentimetern zur georteten Stelle ein.
Stromleitung finden mit Handy – Top oder Flop?
Es klingt verlockend: Eine kostenlose App herunterladen, das Smartphone an die Wand halten und schon finden Sie die Stromleitung unter dem Putz. Klingt toll, doch die Realität ist ernüchternd und potenziell gefährlich.
Wie funktionieren diese Apps? Smartphones besitzen eingebaute magnetische Sensoren (Magnetometer), die eigentlich für die Kompass-Funktion gedacht sind. Metall-Detektor-Apps zweckentfremden diesen Sensor, um Veränderungen im Magnetfeld zu messen.
Warum Sie sich nicht darauf verlassen dürfen:
- Die Sensoren sind nicht dafür ausgelegt, dünne Kupferkabel, die tief im Putz liegen, zuverlässig zu erkennen.
- Das Handy kann (wenn überhaupt) nur auf Metall reagieren. Es sagt Ihnen nicht, ob Sie gerade eine stromführende Leitung, einen ungefährlichen Stahlträger oder ein Wasserrohr gefunden haben.
- Andere elektronische Geräte in der Nähe oder die eigene statische Aufladung stören die Messung massiv.
Unter dem Strich gilt also: Für die grobe Suche nach einem dicken Metallbalken unter einer Rigipswand mag so eine App ausreichen. Um lebensgefährliche Stromleitungen in der Wand sicher zu orten, ist das Smartphone jedoch ungeeignet. Vertrauen Sie hier nicht auf Technik, die für Selfies und Navigation gebaut wurde.
Was tun, wenn Sie die Stromleitung angebohrt haben?
Trotz aller Vorsicht ist es passiert: Der Bohrer trifft auf Widerstand, es funkt, knallt oder das Licht geht aus. Sie haben vermutlich eine Stromleitung angebohrt. Jetzt heißt es Ruhe bewahren und richtig handeln!
Ihre Notfall-Checkliste:
- Bohrer nicht anfassen! Lassen Sie die Maschine sofort los, wenn sie noch in der Wand steckt. Es besteht akute Lebensgefahr durch Stromschlag, da das Metallgehäuse oder das Bohrfutter unter Spannung stehen könnten.
- Strom abschalten: Gehen Sie sofort zum Sicherungskasten. Schalten Sie die Sicherung für den betroffenen Raum aus. Es reicht nicht, nur den Lichtschalter zu betätigen! Prüfen Sie anschließend mit einem Spannungsprüfer, ob die Leitung wirklich tot ist.
- Nicht basteln, sondern Fachmann rufen: Ein häufiger Fehler ist der Versuch, das Loch einfach zuzuspachteln oder das Kabel mit Isolierband zu „flicken“. Tun Sie das niemals. Ein beschädigtes Kabel kann sich bei Belastung erhitzen und später einen Wohnungsbrand auslösen.
- Reparatur: Ein Elektriker muss die Stelle öffnen, eine Unterputzdose setzen und die Kabel fachgerecht neu verbinden. Das kostet meist ab 100 Euro aufwärts, ist aber alternativlos für Ihre Sicherheit.
- Versicherung: Melden Sie den Schaden Ihrer Haftpflichtversicherung (bei Mietwohnungen) oder Wohngebäudeversicherung (bei Eigentum). Wenn Sie fahrlässig gehandelt haben (z.B. wild außerhalb von Installationszonen gebohrt), kann es jedoch zu Problemen bei der Regulierung kommen.
Fazit: Orten Sie Stromleitungen in der Wand niemals mit dem Handy, sondern immer mit einem speziellen Detektor
- Stromleitungen verlaufen meist in Installationszonen (senkrecht zu Schaltern/Dosen, waagerecht ca. 30 cm von Decke/Boden entfernt).
- Smartphone-Apps sind unzuverlässig, da ihre Sensoren zu schwach für tief liegende Stromkabel sind.
- Verwenden Sie immer ein professionelles Ortungsgerät.
- Bei einer angebohrten Stromleitung: Sicherung raus, Bohrer nicht anfassen und zwingend den Elektriker rufen – Flicken ist brandgefährlich.
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