Umbau & Anbau

Ratgeber: Balkonsanierung im Überblick

Schäden analysieren und beheben

Foto: www.design-stgt.de-Digitalstock

Ist Ihr Balkon in die Jahre gekommen? Balkone sind allen Wettern ausgesetzt. Deshalb ist hier die Gefahr größer als bei anderen Bauteilen, dass das Material schnell altert und ermüdet. Das gilt erst recht, wenn es zudem auch noch schlecht verarbeitet wurde. Hier lesen Sie, woher die Schäden kommen, und welche Möglichkeiten es gibt, sie zu beheben.

Das erfahren Sie in diesem Artikel:

  1. Ursache für Schäden am Balkon
  2. Schadensanalyse: Schritte zum sanierten Balkon
  3. Gefälle-Estriche durch Flüssigkunststoffe
  4. Drainagesysteme und Entkopppelungsmatten
  5. Auch an das Geländer denken
  6. Komplettabriss andenken
  7. Zusammenfassung: Tipps zur Balkonerneuerung

Ursachen für Schäden am Balkon

Rost und Risse

Während bei Holzbalkonen viel mit schützenden Anstrichen getan ist, weisen Stahlbetonbalkone oft gravierende Mängel auf. Die Ursache liegt im Belagsaufbau: Auf die Tragplatte wurde lange Zeit einfach der Estrich und darauf der Belag, meist Fliesen, aufgebracht. Diese Materialien dehnen sich bei Temperaturschwankungen unterschiedlich stark aus – die Folge sind Risse, durch die Wasser eindringen kann.

Eine mögliche Folge: Die eingebauten Bewehrungseisen, die die Konstruktion verstärken sollen, beginnen zu rosten und sich vom Beton zu lösen. Er beginnt zu bröckeln.

Kalkausblühungen

Auch Belagsfugen sind auf Dauer nicht wasserdicht. Erwärmt sich der Balkon, verdunstet die Feuchtigkeit und hinterlässt sichtbare Kalkausblühungen – ein erstes Alarmzeichen. Im Winter friert das Wasser. Dabei dehnt es sich aus und sprengt weitere Risse in Belag und Unterbau, in die noch viel mehr Feuchtigkeit einsickern kann.

Bröckelnder Beton

Problematisch wird’s, wenn schließlich die Betontragplatte in Mitleidenschaft gezogen wird. Das Wasser lässt die Bewehrungseisen rosten, die Verbindung zum Beton löst sich: es beginnt zu bröckeln. Jetzt hilft nur noch eine grundlegende Sanierung.

Schadensanalyse: Schritte zum sanierten Balkon

Soll der Balkon saniert werden, ist zunächst eine gründliche Schadensanalyse nötig. Wenn der Beton bröckelt, kann nur eine Fachfirma den Schaden beheben. Eventuell muss sogar ein Statiker hinzugezogen werden. Schadhafte Beläge müssen in der Regel ersetzt werden.

Ziel aller Sanierungsmaßnahmen ist es, Beläge thermisch zu entkoppeln und Wasser abzuführen, bevor es Schaden anrichten kann. Dazu ist zunächst ein Gefälle weg vom Gebäude nötig (etwa 2 Prozent).

Sind dagegen keine größeren Schäden vorhanden, kann der neue Aufbau oft direkt auf dem alten Fliesenbelag erfolgen – sofern es die Höhenverhältnisse zulassen. Das ist je nach System auch für versierte Heimwerker zu bewerkstelligen.

Fliese auf Fliese verlegen

Wer sich das mühsame Abschlagen alter Fliesen sparen möchte, kann auch einfach „Fliese auf Fliese” verlegen. Voraussetzung ist dabei, dass der alte Fliesenbelag keine größeren Schäden aufweist und der tragende Untergrund stabil ist.

» Anleitung: Fliese auf Fliese verlegen

Gefälle-Estriche durch Flüssigkunststoffe

Zum Abdichten von Balkonen haben sich auch Systeme auf Flüssigkunststoff-Basis bewährt. Sie ermöglichen eine große Gestaltungspalette in Farbtönen aller Art. Das Aufbringen übernehmen Fachfirmen.
Foto: Triflex

Eine erste Maßnahme sind Gefälle-Estriche. Stauwasser findet bei herkömmlicher Verarbeitung nahezu immer einen Weg, zwischen Abdichtung und Nutzschicht Unheil anzurichten. Das gilt vor allem bei Fliesen. In diesem Fall kann eine neue versiegelte Kunststoffbeschichtung weiter helfen.

Flüssigkunststoffe haben sich zur Abdichtung gegen eindringendes Wasser bewährt:

  • Sie sind wasserdicht, verrottungsfest und UV-beständig.
  • Sie bieten viele Gestaltungsvarianten mit einer großen Auswahl an Farb- und Oberflächeneffekten.
  • Sie können in einer zusätzlichen Schicht damit auch das Finish, die Nutzfläche des Belags, bilden – entweder einfarbig oder mit eingestreuten Farbchips.

Kunststoffbeschichtungen empfehlen sich allerdings nur bei nahezu völliger Trockenheit des Untergrunds. Andernfalls besteht die Gefahr, dass eingeschlossenes Wasser unterhalb der Nutzschicht bei höheren Temperaturen Druck erzeugt, der den neuen Belag förmlich sprengt.

Alternativ kommt auch Abdichtungsfolie, die aufgeklebt wird, zum Einsatz oder selbstklebende Dichtungsbahnen. Hier entfallen lange Trockenzeiten, und die Verlegung ist witterungsunabhängiger.

Drainagesysteme und Entkopppelungsmatten

Die Entkoppelung von Belag und Untergrund fängt unterschiedliche Bewegungen zwischen Tragkonstruktion und Belag ab und beugt so Spannungen und Rissen vor. Auch wird vom Untergrund aufsteigende Feuchtigkeit durch die zahlreichen Kanäle einer Matte sicher abgeleitet oder als Wasserdampf entlüftet. Die Oberfläche des Balkonbodens bleibt trocken und intakt.

Drainagesysteme

Das Balkon-Winkelprofil mit schräger Tropfkante und punktueller Drainage-Entwässerung schützt die freien Randbereiche von Balkonen.
Foto: Dural

Ist die Kragplatte bereits stark beschädigt, wird ein Drainagesystem eingebaut. Eine Drainage leitet das Regenwasser – etwa bei einem Starkregen – schnell und ohne Umwege zu den Ablaufrohren. Es gibt inzwischen Systeme, die aus mehreren Platten mit eingebauter Drainage und sogar einer Dämmung bestehen. Sie beugen allzu großen Spannungen vor, die durch große Temperatursprünge entstehen können und deren Folge oft Risse sind.

Die Aufbauhöhe ist unproblematisch, da sie sich mit maximal drei Zentimetern den vorhandenen Voraussetzungen anpasst. Ein sachgerechtes Verfugen der Belagsteile verhindert das Eindringen von Schmutz und sorgt für ein langes Leben des Belags.

Entkoppelungsmatten

Diese Entkoppelungsmatte ist aus Hartschaum gefertigt, der thermische Spannungen abbaut.
Grafik: Wedi

Soll gefliest werden, haben sich Entkoppelungsmatten bewährt. Damit sind Fliesen und Unterbau voneinander getrennt, so dass keine Rissbildungen möglich sind. Meist verfügen sie auch über Drainagekanäle, die versickerndes Wasser problemlos ableiten – zu einem Ablauf oder über die Balkonkante. Tropfkanten oder Rinnensysteme verhindern, dass ablaufendes Wasser dabei Putz und Beton schadet.

Auch an das Geländer denken

Zu einem gründlich sanierten Balkon gehört natürlich auch ein neues Geländer. Sozusagen als Blickfang des Vorbaus in luftiger Höhe sollte er zum Baustil des Hauses passen. Er kann dabei durchaus das Gesamtbild eines Wohngebäudes aufwerten. Angeboten werden heute Geländer aus widerstandsfähigem Aluminium, rostfreiem Edelstahl und hochwertigem Acrylglas.

Das neue Geländer sollte allerdings nicht wie das alte oben werden, sondern von vorn oder von unten verankert werden – damit keine neuen Schwachpunkte entstehen.

Das Geländer muss aber auch Sicherheitsbestimmungen erfüllen, dient es doch der Absturzsicherung. Ist es aus Stäben ausgeführt, dürfen diese maximal 14 Zentimeter voneinander angeordnet sein, um auch für Kleinkinder Sicherheit zu gewährleisten. Die notwendige Höhe von Balkongeländern regeln die jeweiligen Landesbauordnungen. Die Standardhöhe für Balkongeländer beträgt 0,90 Meter.

Komplettabriss andenken

Ist der Balkon sehr schadhaft, kommt eventuell nur ein Komplettabriss in Frage. Das bietet sich vor allem bei älteren Modellen an, bei denen sich die Betondecke des Hauses nahtlos als Balkonkragplatte fortsetzt – eine energetisch unerwünschte Wärmebrücke. An der Innenseite der Räume ist Tauwasserbildung möglich, die zu Schimmel führen kann. Der neue Balkon wird hingegen thermisch völlig getrennt vor die Fassade gestellt – zum Beispiel auf Stahlgerüste.

Lohnt eine Sanierung des Balkons nicht mehr, wäre die wirtschaftlichere Lösung eventuell ein Fertigbalkon. Er wird nach Abriss des alten vor die Hauswand gestellt und mit der Fassade fest verbunden. Als Konstruktionsmaterial eignen sich feuerverzinkter Stahl, Aluminium und Holz. Nachträglich angebaute Balkonanlagen sind genehmigungspflichtig und müssen eine prüffähige Statik der Konstruktion nachweisen.

Zusammenfassung: Tipps zur Balkonerneuerung

  • Bei der Sanierung von Balkonen bieten reaktionsschnelle Flüssigkunststoffe eine interessante Alternative zu herkömmlichen Methoden. Da die Produkte extrem schnell aushärten, erlauben sie die komplette Sanierung innerhalb eines Tages.
  • Beim Einsatz der Balkonversiegelungstechnik müssen Schmutz- und Schadstoffkrusten, Salzausblühungen sowie Algen- und Moosbewuchs gründlich entfernt werden. Dadurch werden Kapillaren und Poren geöffnet.
  • Drainage- und Entkoppelungssysteme helfen, Sickerwasser abzuleiten – die Voraussetzung für einen dauerhaft schönen Balkon.
  • Hochwertige Geländersysteme mit wartungsfreien Materialien runden eine grundlegende Balkonsanierung ab.

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