Umbau & Anbau

Den Anbau eines Wintergartens planen

Vom richtigen Standort zum ersten Spatenstich

Damit der Anbau eines Wintergartens auch wirklich zur positiven Energiebilanz eines bestehenden Wohnhauses beiträgt, sollten vorher bautechnische sowie bauphysikalische Fragen mit dem Handwerker geklärt sein. Es ist sinnvoll, dabei insbesondere Belichtung und Beschattung, Frischluftzufuhr, Glasqualität sowie die Möglichkeit einer Überhitzung anzusprechen.

Das erfahren Sie in diesem Artikel:

  1. Nutzung und Ausrichtung des Wintergartens
  2. Die richtige Beschattung
  3. Klare Durchsicht, bessere Luft
  4. Wahl des Profilmaterials
  5. Tipps zum Anbau eines Wintergartens

Nutzung und Ausrichtung des Wintergartens

Dieser Wintergarten bietet einen Rundum-Blick ins Grüne.
Foto: Stefan Diller

Stellen Sie sich vor dem Bau Ihres Wintergartens folgende Fragen:

  • Soll der Wintergarten nur ein dekoratives Gewächshaus werden?
  • Oder ist ein beheizbarer Freizeitplatz gewünscht, der dadurch zumindest frostfrei bleibt, Topfpflanzen über den Winter hilft und lediglich in Übergangszeiten zum Verweilen einlädt?
  • Wird gar eine ganzjährige Nutzung mit einer Vergrößerung der Wohnfläche gewünscht?

Bei der Berechnung der Größe muss der planende Bauherr davon ausgehen, dass das Sitzplatzareal für sechs Personen (mit Tisch) eine Fläche von mindestens 3 x 3 Meter in Anspruch nimmt. Sollen noch Pflanzen untergebracht werden? Dann wären für einen Wintergarten, Verkehrsflächen eingerechnet, etwa 15 Quadratmeter empfehlenswert.

Vor allem bei der letztgenannten und am meisten gebauten Variante, beim beheizten Wohnwintergarten, kommt es auf den Standort an:

  • Wintergärten mit Ost-Ausrichtung sind ideal fürs Frühstück in der gläsernen Loge. Außerdem schafft die Morgensonne perfekte Wachstumsbedingungen für die meisten Zimmerpflanzen.
  • Nord-Wintergärten sind dann sinnvoll, wenn der Anbau vor allem als Atelier oder Büroraum genutzt werden soll. Störungen durch direktes, blendendes Sonnenlicht lassen sich dort vermeiden.
  • Die Westlage bietet Wärme bis in die Abendstunden, erfordert aber – wie natürlich auch die Südausrichtung – eine besonders wirksame Belüftung und ein durchdachtes Beschattungssystem zum Schutz vor zu intensiver Sonneneinstrahlung.

Die richtige Beschattung

Die vermeintlich beste Seite – die Südausrichtung – kann zwar durch den Treibhauseffekt beim Übergang der Jahreszeiten und in den kälteren Monaten zum größtmöglichen Energiegewinn führen. Wenn aber die Sonne am höchsten steht, kann dieser Standort auch zum Nachteil werden. Dann steht und fällt der Gebrauchswert eines Wohnglashauses mit der richtigen Beschattung und der Be- und Entlüftung.

Eine wirksame Außenbeschattung ist die effektivste Lösung gegen Hitzestau. Bei der Innenbeschattung bieten sich hochwertige Faltstoreanlagen, Rollos oder Jalousien an. Diese können natürlich gleichzeitig auch als Sichtschutz verwendet werden. Durchdachte Funktionsstoffe, zum Beispiel mit aluminiumbedampfter Oberfläche, reflektieren die Sonnenstrahlen und beugen so einer Aufheizung im Inneren vor. Eine Innenbeschattung ist aber immer nur halb so effektiv wie eine vergleichbare Außenbeschattung.

Klare Durchsicht, bessere Luft

Soll der transparente Vorbau dem Hausbesitzer auf Dauer Freude bereiten, dürfen die Glasflächen nicht beschlagen. Außerdem müssen Hitzestaus vermieden werden. Schon bei kleinsten Mängeln von Material oder Ausführung können die Scheiben in kürzester Zeit beschlagen und die Nutzbarkeit einschränken. Deshalb sind dichte Anschlüsse zum Schutz vor Feuchtigkeit zwingend erforderlich. Ein gläserner Vorbau muss nämlich Temperatursprünge von häufig 80 Grad Celsius aushalten - für das Dichtungsmaterial eine permanente Elastizitätsprüfung.

Belüftung und Beschattung entscheiden über die Alltagstauglichkeit eines Wintergartens. Beispiel: Bei 32 Grad Celsius Außentemperatur steigt die Quecksilbersäule im Wintergarten auf 80 Grad. Um mit einer gut funktionierenden Lüftung unter 40 Grad zu kommen, müssen im Dachbereich zwei Drittel der Fläche zu öffnen sein, insgesamt zehn Prozent der Gesamtglashülle.

Weitere Infos zu diesem Thema finden Sie hier: Perfektes Raumklima im Wintergarten

Wahl des Profilmaterials

  • Holz hat gut dämmende Eigenschaften und eine wohnliche Anmutung. Als natürlicher Baustoff erfordert er witterungsbedingt allerdings auf Dauer einen höheren Pflegeaufwand.
  • Kunststoff ist eine kostengünstige Lösung, die nur einfache Pflege benötigt. Sie hat allerdings eine geringere statische Belastbarkeit, die allerdings im Dachbereich durch Stahleinschübe erhöht werden kann. Reine Kunststoff-Profile kommen lediglich für kleinere Glasanbauten infrage.
  • Aluminium ist statisch hoch belastbar und damit auch für größere gläserne Bauteile geeignet. Durch die Beschichtung sind die unterschiedlichsten farblichen Lösungen denkbar. Die heute übliche Eloxierung oder Einbrennlackierung verbessert langfristig die optische Qualität der Oberfläche. Der Nachteil bei Aluminium und auch bei Stahl ist, dass wegen des Wärmeabflusses eine thermische Trennung vorzusehen ist. Durch eine innenliegende Dämmschicht in den Hohlkammerprofilen kann, zumindest beim Aluminium, die Dämmung deutlich verbessert werden.
  • Auch die Kombination von Holz und Aluminium kann ein guter Kompromiss sein, wenn Holz nur innenraumseitig zum Einsatz kommt.

Tipps zum Anbau eines Wintergartens

  • Ein Wintergartenbau ist genehmigungspflichtig. Die Landesbauordnungen der jeweiligen Bundesländer regeln das in eigener Zuständigkeit. Viele Wintergartenbauer übernehmen auch die bürokratischen Formalitäten. Das geht dann zügiger, so dass schon in wenigen Wochen Baubeginn sein kann.
  • Bei einem Holzwintergarten sollte darauf geachtet werden, dass er mit einem langlebigen Oberflächenschutz versehen ist. Das kann die Zahl der Unterhaltungsanstriche reduzieren.
  • Weniger Reinigungsaufwand verspricht eine neue Glasqualität. Dabei beschleunigt eine hauchdünne Oberschicht mit Hilfe des Tageslichts den Zersetzungsvorgang von organischen Verschmutzungen. Der nächste Regen soll die Verunreinigungen einfach wegspülen.
  • Beim Glas gibt der „g-Wert” den Energiegewinn an. Dieser „Gesamtenergiedurchlassgrad” bemisst, wieviel Prozent der kurzwelligen Sonneneinstrahlung durch die Scheibe nach innen gelangen und damit als langwellige Wärmestrahlung nutzbar sind. Der g-Wert sollte also möglichst hoch sein.
  • Dagegen steht der „U-Wert” für den Energieverlust. Gemessen wird, welche Wärmemenge einen Werkstoff pro Zeiteinheit durchdringt, wenn zwischen innen und außen ein Temperaturunterschied von einem Grad besteht. Der U-Wert sollte also möglichst niedrig sein.

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