Photovoltaik: Die neuen Regeln für die Einspeisevergütung 2022

Haus mit PV und E-Tankstelle

Check: Solarvergütung oder Eigenverbrauch?

Foto: E3DC

In den letzten Jahren lohnte sich die Einspeisevergütung für Photovoltaik nur selten, weil sie sehr gering ausfiel. Für Besitzer größerer PV-Anlage ist im Jahr 2022 jetzt  eine deutliche Verbesserung der Solarvergütung geplant:

Die Bundesregierung hat eine Erhöhung der Einspeisevergütung für Volleinspeiser beschlossen – so könnte sich der vollständige Verkauf des Solarstroms wieder lohnen. Auch die Einspeisevergütung für Überschusseinspeiser wurde angehoben. Hier erfahren Sie, was geplant ist und worauf Sie achten müssen.

Das erfahren Sie in diesem Artikel:

  1. Aktuelle Einspeisevergütung für Photovoltaik auf dem Prüfstand
  2. Was lohnt sich mehr: Solarstrom einspeisen oder Eigenverbrauch maximieren?
  3. Welche Änderungen an der Solarvergütung gibt es?
  4. Lohnt sich die Volleinspeisung für Sie?
  5. Was müssen Sie bei der Installation von neuen Photovoltaikanlagen beachten?
  6. Fazit: Solarstrom verkaufen kann sich künftig wieder lohnen

Aktuelle Einspeisevergütung für Photovoltaik auf dem Prüfstand

Etwa 6 Cent pro Kilowattstunde: So hoch (oder besser gesagt: so niedrig) war bisher die Einspeisevergütung für alle, die den auf ihrem Hausdach erzeugten Solarstrom ins öffentliche Netz einspeisen. Dafür sieht das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) eine feste, 20 Jahre lang gezahlte Einspeisevergütung oder Solarvergütung vor.

Doch in vielen Fällen lohnt sie sich für Hausbesitzer nicht mehr. Der Grund: Das Verhältnis der Anschaffungskosten für Photovoltaikanlagen und der erzielbaren Rendite durch die Einspeisung hat sich verschlechtert: Die Preise für Photovoltaikanlagen sind gestiegen, die Einspeisevergütung ist kontinuierlich gesunken.

Infografik Solaranteil steigt auf 22 Prozent
In den Sommermonaten überholt der durch Sonnenenergie erzeugte Strom die Windenergie.
Statista

Deutschland braucht jedoch den Strom, der über PV-Anlagen erzeugt wird, so dringend wie nie. Der Anteil erneuerbarer Energien am Strommix liegt gemäß Fraunhofer ISE im Jahr 2022 bei 52 Prozent. In den Sommermonaten übertrifft der durch Photovoltaik gewonnene Solarstrom die Energie aus Windkraftanlagen.

Infografik Photovoltaik-Zubau zu langsam
Photovoltaik auf Eigenheimen dominiert die Stromerzeugung von Solarstrom. Aber der jährliche Zubau beträgt derzeit nur ein Drittel des notwendigen PV-Stroms.
BSW

Gleichzeitig geht es mit dem Zubau zu schleppend voran: Um die Klimaziele der Bundesregierung zu erreichen, müsste der PV-Zubau verdreifacht werden.

Robert Habeck und das Osterpaket

Die Grundlage für die geänderte Einspeisevergütung ist ein massives Problem von Bundeswirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck. Er muss die Nutzung der erneuerbaren Energien vorantreiben, um Deutschland unabhängiger von fossilen Energieträgern wie Öl und Gas zu machen. Sein Koalitionspartner von der FDP gebrauchte hierzu mit Blick auf den Krieg in der Ukraine den Begriff „Freiheitsenergie“. Dazu ist ein massiver Ausbau der Wind- und Solarenergie nötig.

Seitdem allerdings die Einspeisevergütungen so niedrig sind, dass es sich insbesondere für Eigenheimbesitzer mit großen Dächern nicht mehr lohnt, viel Solarstrom zu erzeugen und ins Netz einzuspeisen, gehen dem Klimaschutzminister viele Kilowattstunden Photovoltaikenergie durch die Lappen. Die Gesetzesänderungen, die in Form des sogenannten Osterpakets im April 2022 vorgestellt wurden, sind ein Anreizbaustein, um das Modell Volleinspeiser wieder lukrativ und damit auch attraktiv zu machen.

Das Umweltbundesamt hatte bereits Ende 2021 den Finger in die Wunde gelegt und in einer Wirtschaftlichkeitsstudie vorgerechnet, dass es höchste Zeit sei, die Rentabilität von PV-Anlagen zu verbessern.

Was lohnt sich mehr: Solarstrom einspeisen oder Eigenverbrauch maximieren?

Eine Hilfestellung zu der Frage, ob sich eine Photovoltaikanlage grundsätzlich für Sie lohnt, haben wir in diesem Beitrag gegeben: Lohnt sich eine Photovoltaikanlage für mein Haus? »

Derzeit haben Eigenheimbesitzer mit einer Photovoltaikanlage – oder wenn sie eine Solaranlage planen – zwei Optionen, die im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegt wurden:

1 Eigenverbrauch + Überschusseinspeisung
Eine Vergütung für den Eigenverbrauch gibt es nicht mehr. Wer den selbst erzeugten Strom selbst verbrauchen will, erspart sich aber im genutzten Umfang den Einkauf von weitaus teurerem Netzstrom. Überschüssiger Strom wird gegen eine geringe Vergütung ins Netz eingespeist.

Problem: Insbesondere bei größeren Anlagen ist ein hoher Eigenverbrauchsanteil nicht so einfach: Der Strom muss in dem Moment genutzt werden, in dem er entsteht. Ausnahme: Wenn Eigenheimbesitzer einen Stromspeicher besitzen, ermöglicht dies auch die Nutzung zu einer anderen Zeit, zum Beispiel am Abend. Stromspeicher sind jedoch teuer und sie erhöhen die Amortisationszeit einer PV-Anlage.

2 Volleinspeiser
Wer den eigenen PV-Strom vollständig ins Netz einspeist, erhält dafür eine Solarvergütung. Als Volleinspeiser darf der Produzent aber seinen selbst erzeugten Strom nicht nutzen. Daher macht dieses Modell nur bei großen Anlagen Sinn, wenn viel Strom erzeugt wird, der Eigenverbrauch aber vergleichsweise gering ist.

Das Problem:

  • Für den Eigenverbrauch können die meisten Anlagenbetreiber nur 10 bis 15 Prozent des PV-Stroms (bei bis zu 10 kW) nutzen.
  • Wenn sie eine große Dachfläche besitzen, lohnt sich eine große Anlage deshalb für sie nicht.
  • Die Preise der Anlage stünden dann in einem Missverhältnis zu der erzielbaren Einspeisevergütung.
  • Eine große Photovoltaikanlage wäre klimapolitisch wünschenswert, wird aber wegen der geringen Rentabilität von den Eigenheimbesitzern nicht umgesetzt.
  • Für Menschen, die mit der PV-Anlage Geld verdienen wollen, also den gesamten Strom einspeisen würden, macht eine (große) Photovoltaikanlage derzeit erst recht keinen Sinn.

Die Folge: Das Dachflächenpotenzial wird nicht ausgenutzt, es liegen Dachflächen „brach“, die eigentlich genutzt werden könnten und sollten.

Modernes Haus mit PV
Die gesamte Dachfläche für Photovoltaik genutzt: So sollte es sein. Die magere Einspeisevergütung und der geringe Eigenverbrauch sorgen derzeit dafür, dass Eigenheimbesitzer meist eher auf eine Minimallösung bauen.
Schwabenhaus

Welche Änderungen an der Solarvergütung gibt es?

Das neue Gesetz, das Anfang Juli vom Bundestag und Bundesrat abgesegnet wurde, sieht eine Erhöhung sowohl für Überschuss- als auch Volleinspeiser vor:

  1. Überschuss-Einspeiser erhalten für neue Anlagen 8,2 Cent pro Kilowattstunde. Das ist eine überraschende, im Referentenentwurf noch nicht vorgesehen Erhöhung der Einspeisevergütung um knapp 25 Prozent.
  2. Volleinspeiser erhalten eine im Vergleich zu früher mehr als doppelt so hohe Solarvergütung von 13,00 Cent pro kWh bei Anlagen unter 10 kW. Für größere Anlagen gibt es für die restlichen kWh dann noch 10,90 Cent pro kWh. Bei durchschnittlichen Kosten von etwa 8 bis 10 Cent pro Kilowattstunde für die Errichtung und den Betrieb der PV-Anlage, lohnt sich die Volleinspeisung in den meisten Fällen wieder.

Änderungen sind ab 30. Juli 2022 gültig

Am 28. Juli 2022 wurden die Änderungen der Einspeisevergütung im Bundesgesetzblatt veröffentlicht. Dort findet sich auch ein Datum, ab wann diese gelten. Alle Anlagen, die nach dem 29. Juli 2022 ans Netz gingen, können von den neuen Einspeisevergütungen profitieren. Rückwirkend, also für Anlagen, die vor diesem Datum installiert wurden, gelten sie leider nicht.

Lohnt sich die Volleinspeisung für Sie?

Die Stiftung Warentest hat anhand von Anlagengröße, Eigenverbrauch und Strompreis die Schwellenwerte errechnet, unterhalb derer sich eine Volleinspeisung lohnt. Hier finden Sie die Schwellenwerte im Überblick:

Schwellenwerte für Volleinspeiser

Bei einer Photovoltaikanlage bis 10 kW Leistung und einem Strompreis von 0,30 Euro pro kWh lohnt sich das Volleinspeisemodell, solange Ihr Eigenverbrauch unter 30 Prozent des erzeugten Stroms liegt. Diese Schwelle beträgt bei einer Anlage von …

  • 15 kW: 26 Prozent
  • 20 kW: 25 Prozent
  • 25 kW: 24 Prozent
  • 30 kW: 23 Prozent

Eigenverbrauch bestimmen

Bei steigenden Energiepreisen lohnt sich eine Volleinspeisung schon mit einem niedrigeren Eigenverbrauchsanteil. Sollte der Strompreis etwa auf 0,50 Euro pro kWh steigen, lohnt sich die Volleinspeisung bereits unter 16 Prozent Eigenverbrauch.

Der Eigenverbrauch ohne Batteriespeicher liegt in den meisten Fällen bei 10 bis 15 Prozent. Tipp: Mit dem Solarrechner der Verbraucherzentrale können Sie Ihren individuellen Wert berechnen.

Die Leistung von unter 10 kW liegen die meisten auf Privathaushalten installierten PV-Anlagen, daher ist sie besonders aussagekräftig.

Tipp für Besitzer kleinerer PV-Anlagen

Die wenigsten Privathaushalte sind Volleinspeiser. Anstatt auf die Einspeisevergütung zu spekulieren, lohnt es sich für sie häufig mehr, die Vereinfachungsregel anzuwenden und sich ein wenig aus dem bürokratischen Dickicht als PV-Anlagen-Besitzer zu befreien.

Was müssen Sie bei der Installation von neuen Photovoltaikanlagen beachten?

Photovoltaik-Installateure bei der Arbeit
Wenn die Pläne der Bundesregierung im neuen Erneuerbare-Energien-Gesetz aufgehen, lohnt sich auch wieder die volle Belegung des Daches mit Photovoltaikmodulen.
IBC
  1. Für Selbstnutzer wird die Überschusseinspeisung attraktiver: Wenn Sie die Installation einer PV-Anlage planen und selbst einen Teil des Stroms verbrauchen wollen, profitieren Sie von um 25 Prozent gestiegenen Vergütungssätzen.
  2. Volleinspeiser können sich auf bessere Rentabilität großer Anlagen freuen: Haben Sie vor, eine große PV-Anlage zu installieren und wollen Sie eine entsprechend große Menge von Solarstrom komplett ins Netz einspeisen, lohnt es sich, einige Vorkehrungen zu treffen. Wenn Sie die gesamte Einspeisevergütung als Volleinspeiser kassieren wollen, müssen Sie dies Ihrem Netzbetreiber mitteilen. Das sollte im Jahr der Installation noch vor der Inbetriebnahme der Anlage geschehen. In den folgenden Jahren können Sie dann jeweils zum Jahresanfang entscheiden, ob Sie den PV-Strom vollständig einspeisen wollen oder teilweise selbst nutzen möchten. Sollten die Strompreise steigen und die Eigennutzung attraktiver werden, können Sie also durchaus noch Änderungen vornehmen!

Fazit: Solarstrom verkaufen kann sich künftig wieder lohnen

Photovoltaikmodule für die hohe Einspeisevergütung werden installiert
Photovoltaik ist immer eine gute Idee: Sie schafft Unabhängigkeit und dient dem Klimaschutz.
Enpal
  • Die Umsetzung des Osterpakets zum Ausbau der erneuerbaren Energien beschert sowohl Eigenheimbesitzern, die ihren Photovoltaikstrom komplett ins Netz einspeisen als auch Überschuss-Einspeisern eine höhere Einspeisevergütung.
  • Die neue Solarvergütung lohnt sich insbesondere für Eigenheimbesitzer mit großen Dachflächen und entsprechend großen PV-Anlagen. Dank der höheren Einspeisevergütung werden sie attraktiv und rentabel.
  • Je nach Größe der Photovoltaikanlage, des Eigenverbrauchsumfangs und der Kosten für Netzstrom gibt es eine individuelle Schwelle, ab der sich eine Volleinspeisung wirtschaftlich lohnt.
  • Mit der neuen Einspeisevergütung wird neben den zwei Zielen „Unabhängigkeit“ und „Klimaschutz“, die eine eigene Solaranlage erfüllt, auch wieder das Ziel „Wirtschaftlichkeit“ erreicht.

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