Fachwerkhaus von innen dämmen

Fachwerk von innen dämmen

Wärmedämmung bei denkmalgeschützten Fassaden

Foto: Pixabay

Bei Fachwerk und denkmalgeschützten Fassaden können Häuser häufig nicht von außen gedämmt werden. Dann bietet sich eine Dämmung von innen an. Für diese bauphysikalisch sensible Arbeit stehen unterschiedliche Materialien und Systeme zur Verfügung. Worauf Sie besonders achten sollten.

Das erfahren Sie in diesem Artikel:

  1. Fachwerkhaus sanieren: Machbarkeit prüfen
  2. Innendämmung fürs Fachwerkhaus: Das richtige System
  3. Auf die richtige Verarbeitung kommt es an
  4. Fazit: Innendämmung von Fachwerkhäusern

1. Fachwerkhaus sanieren: Machbarkeit prüfen

Fest steht: Unter energetischen Aspekten ist eine Wärmedämmung von außen immer effektiver als die Wärmedämmung von innen. Aber: Beim Fachwerkhaus liegt der besondere Reiz in der Fassade, deshalb kommt eine außen liegende Wärmedämmung hier nicht in Frage. Wer mehr Wärme und Behaglichkeit in die Innenräume bringen möchte, hat deshalb die Wahl zwischen einer effizienteren Heizung oder einer Innendämmung.

Die Innendämmung beim Fachwerkhaus ist bauphysikalisch häufig nicht ganz unproblematisch, deshalb müssen immer die bautechnischen Besonderheiten berücksichtigt werden. Neben den Befestigungsmöglichkeiten spielt vor allem der Feuchtehaushalt in der Außenwand eine Rolle. Teilweise ist als Teil der Planung ein sogenannter feuchtetechnischer Nachweis erforderlich, um diese Problematik frühzeitig zu klären.

Zunächst sollte deshalb ein Energieplaner, Architekt oder Fachhandwerker prüfen, ob überhaupt eine Innendämmung infrage kommt. Sie erstellen ein Sanierungsgutachten, aus dem sich die weiteren Maßnahmen ergeben.

Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde

Innendämmung
Die exakte Ausführung der Maßnahmen zur Innendämmung ist beim Fachwerkhaus besonders wichtig.
Foto: Pavatex

Roman Schäfler vom Verband Privater Bauherren (VPB) weist darauf hin, wie wichtig es ist, das behördliche Einverständnis für die Sanierung einzuholen. "Es ist die Bedingung für die spätere Ausstellung der Bescheinigung, die der Steuerpflichtige dem Finanzamt vorlegen muss, um die Denkmalausgaben geltend machen zu können." Wer ohne Genehmigung saniert oder umbaut, der bekomme nicht nur keine Bescheinigung und damit auch keinen Steuererlass, sondern obendrein auch noch ein Verfahren wegen illegalen Bauens.

Dafür können Besitzer eines Kulturdenkmales, und dazu gehören häufig auch Fachwerkhäuser, fast alle Arbeiten an ihrem Haus nach wie vor steuerlich absetzen, und zwar zu 90 Prozent über zehn Jahre. Vorausgesetzt, das Kulturdenkmal wird von den Eigentümern selbst bewohnt und sämtliche Sanierungs- und Umbauarbeiten werden vor Baubeginn mit der zuständigen Denkmalschutzbehörde abgestimmt und von ihr genehmigt.

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2. Innendämmung fürs Fachwerkhaus: Das richtige System

Fachwerk von innen dämmen
Kapillaraktive und dampfdiffusionsoffene Wärmedämmungssysteme sind eine gute Wahl fürs Fachwerkhaus.
Foto: Pixabay

Ein Grundproblem bei der Innendämmung von Fachwerkhäusern ist, dass die Feuchtigkeit aus dem Innern unzureichend abtransportiert wird, wenn die Dämmung falsch ausgeführt wird. Feuchte- und Schimmelschäden können die Folge sein.

Bausachverständiger Thomas Weber vom Verband Privater Bauherren (VPB) weist auf das Problem hin: "Durch die Innendämmung wird die äußere Wand nicht mehr aufgeheizt und bleibt insgesamt kühler als früher. Das ist gewollt. Dringt jetzt aber Feuchtigkeit in die Innendämmung ein und trifft dort auf die alte, jetzt kühlere Außenwand, so kondensiert sie an dieser Stelle, durchfeuchtet die Konstruktion und begünstigt den Schimmel. Kapillaraktive Dämmungen verhindern dies, denn sie saugen, ähnlich einem Löschblatt, die Feuchtigkeit auf und leiten sie über ihre Kapillare zurück in den Raum. Die Wand bleibt trocken."

Die Lösung: Kapillaraktive Dämmsysteme

Innendämmsysteme sind deshalb entweder „kapillaraktiv“ oder mit einer Dampfbremse ausgestattet. Unter anderem von der Feuchtigkeit der Wand und der Raumnutzung hängt ab, welches System zum Einsatz kommt. Beide verfolgen das Ziel, Feuchtigkeitsansammlungen auf der innenseitigen Oberfläche der Wand und in der Dämmung zu vermeiden.

  • Kapillaraktive und dampfdiffusionsoffene Systeme können – wie auch die Wand selbst – eine bestimmte Menge Feuchtigkeit aufnehmen und nach innen wie nach außen wieder abgeben. Insbesondere bei Fachwerk ist diese Art der Innendämmung empfehlenswert, da oft viel Feuchtigkeit durch die Gefache dringt.
  • Dampfbremsende Systeme hingegen trennen die beiden Sphären: Die kalte Wand befindet sich auf der einen Seite, die warme Raumluft auf der anderen. Wo genau die dampfbremsende Schicht liegt, ist unterschiedlich: Ist sie als Folie ausgeführt, liegt sie auf der Raumseite der Wärmedämmung.

 

Sanierung der Fassade eines Fachwerkhauses
Sanierung eines Baudenkmales von 1898: Die Fassade der Villa wurde saniert. Dabei wurden in Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde historischer Putz und Farbe beibehalten. Putzflächen und Fachwerk wurden gereinigt, Schäden ausgebessert und fachgerecht mit geeigneten Anstrichen versehen. Beim Fensteraustausch wurden die Profile der historischen Originalfenster wieder aufgenommen. Die Dachdeckung konnte im Original erhalten werden.
Foto: Verband Privater Bauherren (VPB)/Regionalbüro Wetzlar

3. Auf die richtige Verarbeitung kommt es an

Fassade bei denkmalgeschütztem Haus
Wer möchte eine schöne Fassade schon unter einer Dämmung verstecken? Bei denkmalgeschützten Gebäuden ist es gar nicht erlaubt. Hier ist eine Innendämmung die einzige Chance zur Verbesserung des Wärmeschutzes.
Foto: KfW-Bildarchiv/Thomas Klewar

Innendämmungen sind komplexe Bauarbeiten und sollten deshalb nur von qualifizierten Handwerkern ausgeführt werden. Die korrekte Ausführung der Dämmmaßnahmen ist sehr wichtig, um Folgeschäden wie Schimmel zu vermeiden.

So müssen Dämmplatten flächenbündig verklebt werden und unebene Wände dürfen nicht mit Hilfe der Innendämmungsplatten begradigt werden. Anderenfalls entstehen Hohlräume unter den Platten, in denen sich Feuchtigkeit sammeln kann. Auch die Anschlüsse, etwa an den Fensterlaibungen und Innenwänden, müssen korrekt ausgeführt werden. Hier dürfen keine kalten Stellen entstehen, an denen Raumfeuchte kondensieren kann.

Für die Befestigung eignen sich unterschiedliche Techniken:

  • Bei schiefen Wänden kommt nur eine Unterkonstruktion aus Metall oder Holz infrage, zwischen die die Dämmung gesetzt wird.
  • Bei steifen Dämmmaterialien wie Polystyrol oder Vakuumisolationspaneelen muss der Untergrund begradigt werden. Dabei reicht mitunter schon der etwas dickere Auftrag des Klebers.
  • Weiche Dämmmatten, etwa aus Holzfasern, sind in der Lage, sich dem Untergrund anzupassen.

Großes Augenmerk muss auf alle Punkte gelegt werden, an denen kalte und warme Bauteile miteinander in Berührung kommen können – es drohen die klassischen Wärmebrücken. Denn genau hier kann die Feuchtigkeit der warmen Raumluft kondensieren, und es droht Schimmel. Auch Holzbalkendecken müssen sehr sorgfältig vorbereitet werden, damit hier keine Feuchtigkeit eindringen kann.

Fazit: Innendämmung von Fachwerkhäusern

Die Innendämmung von Fachwerkhäusern sollte sehr sorgsam vorbereitet, geplant und ausgeführt werden. Wird unsauber gearbeitet, ist die Gefahr von Feuchte- und Schimmelschäden groß. Lassen Sie sich deshalb gut beraten, ob die Innendämmung für Ihr Haus die richtige Wahl ist.

Entscheiden Sie sich für die Innendämmung Ihres Fachwerkhauses, wählen Sie unbedingt fachlich versierte Handwerksbetriebe aus und lassen Sie eine baubegleitende Qualitätskontrolle durchführen. Hier kommen Tipps, wie Sie gute Handwerker finden »

Mehr Informationen

Der Verband Privater Bauherren hat einen "Leitfaden zur Sanierung eines Fachwerkhauses" herausgegeben. Er kann gegen eine Schutzgebühre in Höhe von 5 Euro direkt beim VPB bezogen werden.

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