Mein Weg ins Eigenheim - Praxisbeispiele

Siedlungshaus aus den 1920er-Jahren originalgetreu restauriert

„Tautes Heim“: Übernachten im Museum

Alle Fotos: www.tautes-heim.de

Das denkmalgeschützte Haus „Tautes Heim“ ist Teil der Berliner „Hufeisensiedlung“, die Mitte der 1920er-Jahre vom Architekten Bruno Taut entworfen und 2008 zum Unesco-Welterbe ernannt wurde. Das Ehepaar Katrin Lesser und Ben Buschhaus hat das Siedlungshaus originalgetreu restauriert. Ein Porträt des Hauses, der Siedlung und des Architekten.

Der Architekt Bruno Taut

Hufeisensiedlung in Berlin
Hufeisensiedlung (1925 bis 1933) in Berlin von Bruno Taut.

Der Architekt Bruno Taut, 1880 in Königsberg geboren, hat in den 1920er-Jahren den Wohnungsbau vor allem in Berlin mitrevolutioniert: Licht, Luft und Sonnen sollte triste Mietskasernen ersetzen. Taut gehörte zwar nicht zum engen Bauhaus-Zirkel, befasste sich aber ebenso mit dem „Neuen Bauen“, etwa der Wechselwirkung von Farbe und Raum sowie mit sozialen Fragen.

Bauherren Ben Buschfeld und Katrin Lesser
Die Bauherren von „Tautes Heim“ Ben Buschfeld und Katrin Lesser.

Neben der Berliner Hufeisensiedlung im Stadtteil Britz (Bezirk Neukölln) plante er auch die Großsiedlung Onkel Toms Hütte in Berlin-Zehlendorf. Bekannt ist auch sein eigenes Wohnhaus in Berlin-Dahlewitz, das er 1925 bis 1926 mit einem Viertelkreis als Grundriss und mit Flachdach baute. 1989 wurde es zum anerkannten Baudenkmal.

Mit der Maxime „Farbe ist Lebensfreude“, plädierte Taut bereits vor 100 Jahren für die Rückkehr zur Natur. Er prägte damit in Teilen das Stadtbild von Berlin und auch anderer Städte wie Magdeburg bis in die heutige Zeit.

Vier der sechs zum Welterbe ernannten „Siedlungen der Berliner Moderne“ wurden von ihm entworfen.
„Diese kulturelle Leistung unterstreicht seine herausragende Bedeutung für die Architekturgeschichte und den Städtebau in Berlin, Deutschland und Europa. Bemerkenswert ist, dass seine Bauten bis heute nichts an Funktionalität und Strahlkraft verloren haben“, sagt der Grafik-, Interface- und Ausstellungs-Designer Ben Buschfeld.

„Freunde der Hufeisensiedlung“

Grundriss Tautes Heim
Grundriss "Tautes Heim"

Zusammen mit seiner Frau, der auf denkmalgeschützte Anlagen spezialisierten Landschaftsarchitektin, Gutachterin und Fachautorin Katrin Lesser bewohnt Ben Buschfeld seit vielen Jahren ein Haus in der Hufeisensiedlung. Knapp 100 Meter Luftlinie davon entfernt haben die beiden ein Siedlungshaus, das sogenannte „Taute Heim“, originalgetreu restauriert und stellen es interessierten Gästen als Ferienhaus zur Verfügung.

Als Buschfeld und Lesser das ziemlich heruntergekommene und zum Verkauf stehende Reihen-Endhaus entdeckten, waren sie begeistert, wie viel Originalsubstanz hier noch vorhanden war. So suchten sie nach einer Möglichkeit, das Haus originalgetreu zu erhalten und den Eindruck von damals wieder erlebbar zu machen.

Zeitreise im Ferienhaus

Wie gut Tauts kluge Grundrisse und mutige Farbgebungen tatsächlich funktionieren, können Gäste heute gegen eine Art Nutzungsgebühr live im Selbstversuch erleben – als Mieter des Ferienhauses. Das Taute Heim ist damit eine Art „mietbares Museum“ zum Privatgebrauch auf Zeit. Es transportiert die vor knapp 100 Jahren herrschende Aufbruchsstimmung in Design, Architektur und Gesellschaft: eine kleine Zeitreise für die Kurzzeit-Bewohner, mit vielen originalen Details und im Kontext der sehr eigenwilligen und markanten Farbgebung von Bruno Taut.

Ferienhaus Hufeisensiedlung
Willkommen im Ferienhaus: Neben der Funktionalität des „Neuen Bauens“ spielen auch Gemütlichkeit und Komfort eine wichtige Rolle.

Eine ungewöhnliche Sanierungsgeschichte

Schon seit 2007 arbeitete Ben Buschfeld an der Online-Wissensvermittlung zur denkmalgerechten Instandsetzung der Hufeisensiedlung: Im Rahmen des Bundesförderprogramms „Nationale Welterbestätten“ gab er den Bewohnern alle Details zur Erneuerung und zum Erhalt von Fassaden, Fenstern, Hauseingängen oder Gärten an die Hand.

Als es um die Restaurierung des „Tauten Heims“ ging, mussten die Besitzer aber weitere Grundlagenforschung leisten: „Die eigentliche Arbeit begann im Innenraum, weil dessen bauzeitliche Gestaltung vorher noch nie systematisch erforscht wurde“, berichtet das Paar. „Hier ist sehr viel Recherche hineingeflossen: Wir haben zunächst die einzelnen Farbschichten wissenschaftlich untersuchen lassen, um dann jeweils die farbenfrohe Erstfassung von 1930 wieder herzustellen.“ Dabei kamen erstaunliche Details ans Licht, etwa die vereinzelt rot abgesetzten Streben des Treppengeländers oder die blaue Decke in der Küche.

Grundriss, Farbgebung, Möblierung 1920er-Jahren
Grundriss, Farbgebung, Möblierung – im „Tauten Heim“ ist alles wie in den 1920er-Jahren

Kreative Innenausstattung

Im nächsten Schritt fahndeten die beiden Besitzer nach Originalen für alle Möbel und Ausstattungselemente – oder wenigstens nach Lösungen, die ins bauzeitliche Bild passen. Buschfeld und Lesser entwarfen schließlich auch mehrere Möbelstücke selbst. Sie hielten sich dabei möglichst eng an historische Vorlagen und alte Schwarzweißfotos.

Die Suche nach historisch fundierten Vorlagen und Original-Ausstattungsstücken erwies sich gerade im Falle von Bruno Taut als schwieriges Unterfangen. Taut hat nicht wie andere populäre Baumeister dieser Zeit wie etwa Le Corbusier oder Mies van der Rohe völlig neue Designlinien im Bauhaus-Stil entwickelt. Er wollte vielmehr gerade die nicht so wohlhabenden Bürger – also die potenziellen Mieter der Hufeisensiedlung – bei ihrem gewachsenen Einrichtungsgeschmack abholen und sie von dort aus auf modernere Wege zu führen. Deshalb basierten seine Entwürfe oft auf bereits vorhandenen Möblierungen.

Alle Planungsleistungen - bis auf die denkmalgerechte Dämmung des Beton-Pultdachs - haben die Bauherren selbst erbracht, ebenso einige handwerkliche Arbeiten. Spezielle Bauaufgaben vergaben sie jedoch an Fachhandwerker und Restauratoren. So wurde etwa der in Küchen zu Beginn des 20. Jahrhunderts typische „Steinholz-Estrich“ von einem der letzten Fachleute angerührt, der noch von der historischen Rezeptur und Verlegetechnik wusste.

Möbel und Accessoires
Der Fußboden vom Spezialisten, Möbel und Accessoires als Original-Fundstücke oder als Eigen-Nachbau: Die beiden Bauherren haben jedes Detail beachtet.

Komfort im Denkmal

Größte Herausforderung war nach Aussage des Bauherren-Ehepaars, die richtige Balance aus zeitgemäßem Komfort für die Gäste und den sehr hohen Denkmalschutzansprüchen zu finden. So musste die moderne Haustechnik, etwa die Spülmaschine und andere Haushaltsgeräte, möglichst unauffällig hinter den historischen Küchenfronten versteckt werden.

Es liegt auf der Hand: Ein Liebhaber-Projekt wie die Renovierung und Sanierung des „Tauten Heims“ hat ihren Preis. Öffentliche Fördergelder haben die Bauherren für ihr Engagement nicht bekommen, und so wollen sie die Kosten über die Jahre durch die Vermietung des Hauses wieder hereinholen. Darüber hinaus hoffen Ben Buschfeld und Katrin Lesser, dass ihr großer Aufwand von den Mietern gewürdigt wird: Wenn die Kurzzeitbewohner eine Wertschätzung für das Baudenkmal und ein Verständnis für das Wohnen vor knapp 100 Jahren entwickeln, dann haben sie ihr Ziel erreicht.

Küche und Bad denkmalgerecht restauriert
Auch Küche und Bad wurden denkmalgerecht restauriert und authentisch möbliert. Sie bieten den Feriengästen dennoch modernen Wohnkomfort.

"Tautes Heim" erleben

Wenn Sie als Gast auch einmal das Leben in einer Ikone der architektonischen Moderne erleben möchten finden Sie hier Informationen zu Preise, Miet- und Nutzungskonditionen im „Tauten Heim“: www.tautes-heim.de »

 

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