Mein Weg ins Eigenheim - Praxisbeispiele

Nachhaltiges Bauen in der Praxis: das Sonnenhaus Starnberg

Baureportage: Ökologisches Bauen mit Holz

Ökologisch, wohngesund und energieeffizient – nachhaltig gebaute Gebäude sind für viele Bauherren die Häuser der Zukunft. Doch wie lässt sich nachhaltiges und ökologisches Bauen in der Praxis umsetzen?

Ein Beispiel ist das Einfamilienhaus von Katharina K.*, das seit September 2018 im Landkreis Starnberg gebaut wird. In Sachen Nachhaltigkeit ist das Wohnhaus in vielerlei Hinsicht vorbildlich. Das Wohnhaus hat Bernd Kerscher geplant. Er ist Architekt aus Freising und Vorstandsmitglied beim Sonnenhaus Institut.

Wir begleiten die Bauherrin beim Bau Ihres Hauses und zeigen anhand vieler Schritt-für-Schritt-Bilder direkt von der Baustelle, wie ein ökologisches Massivholzhaus vom ersten Spatenstich bis zum Einzug entsteht. Außerdem gibt es viele hilfreiche Tipps zum nachhaltigen Bauen.

Das erfahren Sie in diesem Artikel:

  1. Das Bauprojekt
  2. Nur Holz: Ökologische Massivholzbauweise
  3. Lehm: Wohngesund und ökologisch
  4. Die Sonne als ausschließliche Energiequelle
  5. Die wichtigsten Hausdaten im Überblick

Das Bauprojekt

Als die Bauherrin Katharina K. und der Architekt Bernd Kerscher ins Gespräch kamen, wusste die Bauherrin schon genau, was sie wollte: So ökologisch und wohngesund wie möglich sollte ihr neues Eigenheim sein.

Holz, Lehm und Sonne: So knapp lässt sich das Nachhaltigkeitskonzept des Einfamilienhauses von Katharina K. auf den Punkt bringen. In unserer Baureportage erfahren Sie am praktischen Beispiel, wie das funktioniert.

„Das Haus ist ökologisch, CO2-neutral, weitgehend energieunabhängig, wohngesund und recyclingfähig“, fasst Architekt Bernd Kerscher die Vorzüge des Hauses zusammen.

Nachhaltiges Bauen und Wohnen

In unserem Überblicksartikel erfahren Sie, was nachhaltiges Bauen und Wohnen bedeutet, was zu einem nachhaltig gebauten Haus gehört und welches die richtigen Baustoffe sind.
» Nachhaltiges Bauen und Wohnen - worauf muss ich achten?

Nur Holz: Ökologische Massivholzbauweise

Auf der Baustelle: Schrauben aus hartem Buchenholz verbinden die Holzelemente.
Foto: Bernd Kerscher

Noch bevor die Bauherrin Katharina K. mit dem Architekten Bernd Kerscher ins Gespräch kam, hatte sie sich schon für eine leimfreie Massivholzbauweise aus fertigen Holzelementen entschieden. Das ist nicht nur ökologisch und wohngesund, auch die Dämmwirkung der fertigen Holzelemente ist sehr gut.

Der Name des Systems ("NurHolz" von Rombach, aus dem Schwarzwald) bedeutet, dass kein Leim, keine Metallstifte, kein Dämmpaket zum Einsatz kommen – die Wände bestehen aus massivem, unbehandeltem Fichtenholz. Das leimfreie System macht den Bau noch ökologischer, als es bei herkömmlicher Massivholzbauweise der Fall ist.

Alle Holzbauelemente werden nach Plänen des Architekten maßgenau vorproduziert und anschließend in Fertigbauweise errichtet. Das geht ruckzuck: Der Rohbau für das Haus wurde innerhalb weniger Tage errichtet.

Baureportage: Das Sonnenhaus Starnberg

Sehen Sie in unserer Baureportage anhand vieler Schritt-für-Schritt-Bilder, wie der Rohbau in nur fünf Tagen errichtet wird.
»Hausbau Schritt für Schritt: Wie entsteht der Rohbau eines Massivholzhauses?

Lehm: Wohngesund und ökologisch

Bilder von der Baustelle: Die Küche wurde bereits mit Lehmplatten verplankt.
Foto: Bernd Kerscher

Die Sichtholzflächen der Massivholzwände werden innen an ausgewählten Stellen durch aufgebrachte Lehmputzplatten ergänzt. Lehm ist ein nachhaltiger und schadstofffreier Baustoff, der für ein gesundes Raumklima sorgt.

Lehm lässt sich einfach abbauen und verarbeiten, ist preiswert, schadstofffrei und sorgt für ein ausgeglichenes Raumklima. Auf natürliche Weise reguliert er den Feuchtigkeitsgehalt des Wohnraums, indem er Wasserdampf aufnimmt, speichert und bei Bedarf wieder abgibt. Dadurch pendelt sich die relative Luftfeuchtigkeit bei idealen Werten um die 50 Prozent ein. Außerdem bindet Lehm Gerüche, z.B. in der Küche. Auch beim Brandschutz schneidet er sehr gut ab.

Die Sonne als Energiequelle

Beim Einfamilienhaus von Katharina K. wird größtenteils Sonnenenergie zur Energieerzeugung genutzt. Dafür sorgt eine große Photovoltaikanlage in Kombination mit einer solarstromgeregelten Wärmepumpe, die umweltfreundlich Wärme und Strom erzeugen.

Auf dem Dach des Hauses werden Photovoltaik-Module angebracht, die durch ein solarbetriebenes Wärmepumpen-System ergänzt werden. Dadurch erreicht das Haus einen hohen Autarkiegrad in der Wärme- und Stromversorgung. Optional wäre auch eine Solarthermie-Heizung möglich gewesen, die aber (aufgrund von Faktoren wie Dachneigung, Verschattungssituation und Wünschen der Bauherrin) durch die PV-Wärmepumpen-Solarheizung ersetzt wurde.

So wird das „Sonnenhaus Starnberg“ aussehen. Das Dach wird auf der Südseite fast komplett mit Photovoltaikmodulen bestückt.
Grafik: Bernd Kerscher

Mitglieder aus dem Kompetenznetzwerk für solares Bauen haben schon seit einigen Jahren ein eigenes System entwickelt, das dafür sorgt, dass bevorzugt Solarstrom für den Betrieb der Wärmepumpe genutzt wird. „Nur so ist das Heizen mit einer Wärmepumpe ökologisch“, erklärt Architekt Bernd Kerscher.

Die Wärme wird in einem 3.000 Liter-Speicher zwischengespeichert. Damit der Solarstrom auch zeitversetzt genutzt werden kann, kommt ein ökologischer 10 kW-GreenRock-Salzwasserbatteriespeicher zum Einsatz (Bluesky Energy, aus Österreich). Diese Batterie kommt ohne seltene Erden oder giftige Elemente aus und kann sich auch nicht unkontrolliert selbst entzünden, wie dies beispielsweise bei Litium-Ionen-Batterien möglich ist. Sie passt zum nachhaltigen Grundkonzept des Hauses und ist in etwa preisgleich.

Mit diesem System kann die Bauherrin 62 % ihres Wärmebedarfs solar decken. Beim Haushaltsstrom soll sie einen Autarkiegrad von 93 % erreichen. Selbst den Akku eines Elektroautos könnte sie mit eigenem Sonnenstrom laden.

Hier geht's zum ersten Teil unserer Baureportage:

Baureportage: Das Sonnenhaus Starnberg

Sehen Sie in unserer Baureportage anhand vieler Schritt-für-Schritt-Bilder, wie der Rohbau in nur fünf Tagen errichtet wird.
»Hausbau Schritt für Schritt: Wie entsteht der Rohbau eines Massivholzhauses?

Die wichtigsten Hausdaten im Überblick

  • Einfamilienhaus mit integriertem Ein-Zimmer-Apartement (nutzbar beispielsweise zur Vermietung oder für eine Alters-Pflegekraft)
  • Wohnfläche: ca. 175 m², nicht unterkellert
  • Baubeginn: Mitte September 2018
  • Voraussichtliche Fertigstellung: Juli 2019
  • Architekt: Bernd Kerscher, Freising

Rohbau und Dämmung

  • Leimfreie Massivholzbauweise („Nur Holz“) mit weitgehend fertigen Sichtholzoberflächen
  • Decke über EG: leimfreie Brettstapeldecke; Dach: Massivholzdach mit Holzweichfaserdämmung (18 cm)
  • Dämmung unter Bodenplatte: 30 cm Glasschaumschotter
  • Dämmung außen: Massivholzaußenwand (18 cm), Außendämmung: Holzweichfaser (16 cm), Holzverschalung
  • Passivhaustaugliche Holz-Alufenster, Uw 0,72 W/(m2 K)

Energie und Heizung

  • Photovoltaikanlage mit Salzwasser-Batteriespeicher (10 kWh)
  • Warmwasserspeicher (3000 Liter)
  • solarstromgeregelte Luft-Wärmepumpe (11 KW)
  • Kaminofen, ohne Wärmetauscher
  • durchgehend Fußbodenheizung
  • dezentrale Lüftung mit Wärmerückgewinnung

* Name der Bauherrin von der Redaktion geändert

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