Mein Weg ins Eigenheim - Praxisbeispiele

Bauen am Hang: Häuser mit Aussicht

Hanghäuser: Planungstipps und Hausbeispiele

Foto: Schönbein/Bittermann & Weiss

Wer im Hanghaus wohnt, kann meist einen tollen Ausblick genießen. Bevor es jedoch so weit ist, müssen Bauherren so manche planerische Hürde nehmen. Wir zeigen gelungene Hausbeispiele und beschreiben, was Bauherren bei der Planung eines Hanghauses beachten sollten.

Das erfahren Sie in diesem Artikel:

  1. Erschließung von oben oder von unten
  2. Die oberen Stockwerke: Wohnbereiche neu denken und aufteilen
  3. Die unteren Stockwerke: Wohnen im „Keller”
  4. Baugrund im Visier
  5. Hausbeispiel 1: Stelzenhaus am steilen Hang
  6. Hausbeispiel 2: Punktlandung auf schmalem Hanggrundstück
  7. Hausbeispiel 3: Sonnensammler

Bauen am Hang ist eine Herausforderung: Je steiler die Lage, desto größer sind die Anforderungen an die Bautechnik – und desto höher ist auch die Gefahr, dass die Kosten aus dem Ruder laufen. Die Kompetenz eines erfahrenen Architekten, der mit dieser schwierigen Bausituation vertraut ist, ist hier besonders wichtig.

Der Architekt ist außerdem als Gestalter gefragt. Schließlich birgt die Hangsituation nicht nur Risiken, sondern auch große gestalterische Chancen, die Ergebnisse mit ganz eigenem Flair ermöglichen.

Erschließung von oben oder von unten

Die Hanglage bietet einen großen Variationsreichtum. Sogar barrierefreies Wohnen ist möglich, wenn ein ebenerdiger Hauptzugang eine ausreichend große Wohnfläche auf einer Ebene erschließt. Ob dies von oben, von der mittleren oder der unteren Etage her erfolgt, hängt vom Grundstück und dessen Erschließung ab: Liegt das Haus oberhalb oder unterhalb der Straße? Diese Frage ist auch wichtig, wenn es um die Abwasserentsorgung geht: Bei einer Erschließung von oben kann es notwendig sein, das Abwasser über eine Hebeanlage auf das Straßen- bzw. Kanalisationsniveau zu heben.

Oft ist es sinnvoll, die untere Ebene nicht komplett in den Hang hinein zu graben, sondern als Teilgeschoss für die Garage oder – bei der Erschließung von oben – für gut belichtete Kellerräume zu nutzen. Eine Ebene höher lässt sich die Ausweitung auf die volle Geschossfläche wesentlich kostengünstiger verwirklichen.

Die oberen Stockwerke: Wohnbereiche neu denken und aufteilen

Wer sich von den klassischen Vorstellungen wie „unten Wohnen, oben Schlafen” verabschiedet, kann unkonventionelle Lösungen umsetzen. So können zum Beispiel die „dunkleren” Erd- oder Halbgeschosse Schlaf- und Funktionsräume aufnehmen – und im darüber liegenden Wohnbereich liegt den Bewohnern beim Tritt auf den Balkon die Welt förmlich zu Füßen. Auf die übliche „Verlängerung” des Wohnbereichs auf eine Terrasse muss bei seitlich am Hang liegenden, ebenerdigen Ausgängen trotzdem niemand verzichte.

Die unteren Stockwerke: Wohnen im „Keller”

Hangkeller eignen sich aufgrund der meist günstigen Lichtverhältnisse besonders gut zur Wohnraumerweiterung. Die Sonne erreicht problemlos auch die unteren Stockwerke, die sich nach vorne zum Tal öffnen. So können hier Gartengeschosse oder Einliegerwohnungen mit direktem Zugang ins Freie entstehen. Eine wasserdichte Ausführung des Kellers sowie eine gute Wärmedämmung sorgen für Gemütlichkeit. Dass man im Keller sitzt, merkt man im Alltag überhaupt nicht.

Baugrund im Visier

Eines der größten Risiken beim Bauen in Hanglage stellt der Baugrund dar. Lockeres Erdreich, aufgeschüttete Hänge, Fels und Gestein oder auch talwärts drückendes Grundwasser können zu einer Kostenexplosion führen. Fragen Sie vor dem Bau die Nachbarn, die darüber oft aus eigener Erfahrung berichten können.

Noch größere Planungssicherheit erhält der Bauherr durch ein Bodengutachten. Hierbei wird neben der Tragfähigkeit und generellen Beschaffenheit des Bodens unter anderem auch das Wasservorkommen überprüft, verbunden mit konkreten Hinweisen auf notwendige Stütz- oder andere Baumaßnahmen. Aufgrund eines solchen Gutachtens lassen sich Aufwand und Kosten wesentlich genauer abschätzen.

Hausbeispiel 1: Stelzenhaus am steilen Hang

Außergewöhnlich: Wohnen auf einer Ebene im Hanghaus.

Frei schwebend ragt das obere Geschoss dieses Holzfertighauses über das Tal. Es steht auf einem so schwer bebaubaren Grundstück, dass es trotz guter Lage praktisch unverkäuflich war. In zwei Versteigerungen hatte sich kein Interessent gefunden. Letztlich erwarben es die Bauherren zu einem sehr günstigen Preis, so dass ein größeres Budget für den eigentlichen Hausbau übrig blieb.

Der Höhenunterschied von insgesamt elf Metern wurde mit Hilfe von neun Meter hohen Stahlstützen überbrückt, so dass nun tatsächlich das Wohnen auf einer großzügig bemessenen Ebene möglich ist (siehe Skizze). In dem darunter liegenden zweistöckigen Sockel liegen ein Büro sowie eine Einliegerwohnung. Die Wohnebene bietet über große Glasflächen einen weiten Ausblick ins unbebaute Tal.

Die beiden unteren Etagen beherbergen ein Büro und eine Einliegerwohnung. Die Wohnebene wirkt wie ein frei schwebender Bungalow und bietet einen großartigen Blick ins Tal.
Fotos: Schönbein/Bittermann & Weiss

Bautafel

Bauweise: Holzrahmenkonstruktion mit 240 mm Zellulosedämmung, Putzfassade, U-Wert Außenwand 0,19 W/m²K, 24 Grad geneigtes Satteldach, Fenster dreifach verglast
Außenmaße: 14,00 x 16,00 m
Wohnfläche: EG 171,40 m², UG1 70,70 m², UG2 66,10 m²
Heizung: Luft-Wasser-Wärmepumpe, Kaminofen
Primärenergiebedarf: 55,60 kWh/m²a (maximal zulässig: 113 kWh/m²a)
Baukosten: auf Anfrage
Hersteller: Bittermann & Weiss Holzhaus, Am Geißgraben 6, 97950 Gerchsheim, Tel: 09344 9209-10, www.bittermann-holzhaus.de

Hausbeispiel 2: Punktlandung auf schmalem Hanggrundstück

Hanghaus: Wohnbereiche im Freien
Die Terrasse unten schließt sich an den Schlafbereich an. Der darüber liegende Balkon verlängert den gemeinsamen Wohn-/Essbereich ins Freie.
Foto: Schwörer-Haus

Wo viele Haushersteller einfach abwinkten, realisierte Schwörer-Haus auf einem nur zehn Meter breiten Grundstück ein attraktives Eigenheim mit optimaler Grundrisslösung. Abzüglich der vorgeschriebenen Abstände zu den Nachbargrundstücken blieb für den Baukörper nur eine Breite von nur etwa fünfeinhalb Metern.

Das Manko wurde durch die Hanglage kompensiert: Der Entwurf konnte auf drei Ebenen angelegt werden. Unten befinden sich der Schlaftrakt der Eltern, ein Arbeitsplatz sowie das Badezimmer und die vorgelagerte Terrasse. Im hinteren Teil des Hauses ist der Keller halb in den Baugrund gegraben.

Ganz oben steht den beiden Kindern jeweils ein großes Zimmer und ein gemeinsames Bad zur Verfügung. Auf der mittleren Ebene, wo sich auch der Hauseingang befindet, trifft sich die ganze Familie im offenen Koch-Ess-Wohnbereich. Ein Highlight ist hier der weit ausladende, aufgeständerte Balkon, der gleichzeitig als Überdachung der darunter liegenden Terrasse dient.

Bautafel

Bauweise: Holzständerbau, 240 mm Holzfachwerk mit Dämmung, Holzfassade mit sägerauer Stülpschalung (U-Wert 0,19 W/m²K), Putzfassade (U-Wert 0,16 W/m²K), 40 Grad geneigtes Satteldach mit 240 mm Vollsparrendämmung, U-Wert 0,18 W/m²K, Holzfenster dreifach verglast
Außenmaße: 5,61 m x 12,35 m
Wohnfläche: UG (Wohnbereich) 28,85 m², EG 60,57 m², DG 51,65 m², insgesamt 141,07 m²
Haustechnik: Frischluftheizung mit keramischen Nachheizelementen, Kleinwärmepumpe, Solarwärmeanlage, kontrollierte Wohnungslüftung mit Wärmerückgewinnung
Preis: schlüsselfertig ab Oberkante Kellerdecke 231.161 Euro
Hersteller: Schwörer-Haus, Hans-Schwörer-Str. 8, 72531 Hohenstein-Oberstetten, Tel. 07387 16-0, www.schwoerer.de

Fotos: Schwörer-Haus

Hausbeispiel 3: Sonnensammler

Auch dieses Haus ist ein Holzleichtbau. Lediglich die im Hang liegenden Wände sind aus Stahlbeton. Darauf ruht die Leichtbaukonstruktion, die die Vorteile des Südhangs voll ausnutzt: Die großzügige Verglasung erlaubt nicht nur ungehinderte Panoramablicke in die Ferne. Sie lässt während der Heizperiode auch die Strahlungswärme der tief stehenden Sonne in die Räume. Auch dies trägt dazu bei, dass die Bewohner mit niedrigen Heizkosten kalkulieren können: Rund 300 Euro für Gas reichen übers ganze Jahr.

Dazu kommen 3 Ster Holz, das einen Kaminofen befeuert. Dieser besitzt eine Wassertasche, so dass ein Großteil der Wärme im zentralen Pufferspeicher landet, in den auch die Solarwärmeanlage auf dem Dach ihre Wärme abgibt. Auch die Dämmstoffe sind ökologisch einwandfrei: Die Holzkonstruktionen von Wänden und Dach sind mit Zellulose sowie mit einem Wärmedämmverbundsystem auf Holzfaserbasis gedämmt. Der gesamte Wandaufbau ist diffusionsoffen.

Bautafel

Bauweise: Holzrahmenkonstruktion mit 180 mm Mineralfaserdämmung plus 100 mm Holzweichfaserplatte, U-Wert Außenwand 0,138 W/m²K, 28 Grad geneigtes Satteldach, U-Wert 0,157 W/m²K, Fenster dreifach verglast
Außenmaße: 10,76 x 10,92 m
Wohnfläche: EG 84,39 m², OG 60,01 m², UG 80,07 m²
Haustechnik: Gasbrennwertheizung, Kaminofen mit Speicheranschluss, Solarwärmeanlage
Primärenergiebedarf: 51,90 kWh/m²a (maximal zulässig: 74,49 kWh/m²a)
Preis: Basispreis 320.000 Euro inkl. Keller, Extras auf Anfrage
Planung: Willi Mayer Holzbau, Thanheimer Str. 40, 72406 Bisingen, Tel. 07476 94002-0, www.willi-mayer.de
Hersteller: Zimmermeister-Haus, Stauffenbergstr. 20, 74523 Schwäbisch Hall, Tel. 0800 9640266, www.zmh.com

Dieses Hanghaus nutzt alle Vorteile des Südhangs voll aus.
Fernsicht statt Einsicht durch die Nachbarn: Das gilt bei Hanghäusern oft auch für die unteren Geschosse.
Fotos: Zimmermeister-Haus

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