Mein Weg ins Eigenheim - Finanzieren

„Wer Energie und Kosten sparen will, sollte jetzt modernisieren.“

Interview mit Bernd Hertweck

Foto: Wüstenrot

Bernd Hertweck, Jahrgang 1967, ist seit 2013 Vorstandsvorsitzender der Wüstenrot Bausparkasse, seit Mai 2018 außerdem Vorstandsvorsitzender des Verbands der Privaten Bausparkassen e. V.

Bernd Hertweck, Vorstandsvorsitzender der Wüstenrot Bausparkasse, erklärt im Interview, warum die Anhebung der Wohnungsbauprämie so dringend geboten war, Bausparen auch heute noch den Weg ins Eigenheim ebnet und jetzt der richtige Zeitpunkt für energetische Modernisierungen gekommen ist.

Herr Hertweck, beim Wohnungsbau, beim Klimaschutz und der privaten Altersvorsorge besteht teilweise großer Nachholbedarf. Gleichzeitig blicken Sie selbst recht zuversichtlich in die Zukunft. Warum? Weil Bund und Länder mit der Novellierung der Wohnungsbauprämie – kurz WoP genannt – und mit der Verabschiedung des Klimapakets zum Jahresende 2019 durchaus positive Signale gesetzt haben, die zukunftsweisend für Wohneigentümer sind und solche, die es werden wollen.

Das müssen Sie uns bitte näher erklären.
Gerne. Bleiben wir bei der Wohnungsbauprämie: Nach über 23 Jahren hat der Gesetzgeber nun die Einkommensgrenzen für die WoP angepasst. Endlich, muss man sagen. Denn zukünftig kommen wieder mehr Menschen in den Genuss der Prämie, und diese fällt mit 70 Euro für Alleinstehende und 140 Euro für verpartnerte Bausparer auch noch deutlich höher aus als bisher.

Warum war Ihnen diese Anpassung so wichtig? Sie haben sich ja auch ganz persönlich in der Öffentlichkeit und in der Politik dafür stark gemacht.
Weil die ursprüngliche Zielsetzung des Wohnungsbauprämiengesetzes von 1952 drohte verloren zu gehen. Ziel der Prämie war ja bei ihrer Einführung, gerade Gering- und Normalverdienern durch eigene und geförderte Sparleistung den Aufbau von Eigenkapital zu ermöglichen, damit sie ihren Wunsch nach Wohneigentum in die Realität umsetzen können. Davon war man zuletzt weit entfernt. Und genau deshalb haben wir darauf gedrängt, dass die Verbesserung der Wohnungsbauprämie noch 2019 Bundestag und Bundesrat passiert.

Sie betonen immer wieder, wie wichtig es sei, Eigenkapital aufzubauen. Ist das in Zeiten von Niedrigzinsen denn überhaupt noch nötig?
Unbedingt. Aus der Praxis wissen wir, dass es vielen Erwerbern trotz historisch niedriger Zinsen an Eigenkapital für eine solide Finanzierung mangelt. Der Grund: Die Bau- und Immobilienpreise sind in den letzten Jahren stark gestiegen. Wer also morgen ins Eigenheim ziehen will, muss heute dafür sparen. Bausparer wissen das und nutzen dazu staatliche Zuschüsse wie die Wohnungsbauprämie, die Wohn-Riester-Förderung und profitieren von vermögenswirksamen Leistungen. Und das macht sich doppelt bezahlt: Denn je höher das Eigenkapital, umso geringer die Darlehensphase und umso niedriger die Tilgungsraten. Bausparer sind einfach clever.

Als Vorstandsvorsitzender einer Bausparkasse müssen Sie das sagen.
(lacht) Nein, weil es die Wahrheit ist. Im Ernst: 1921, also vor knapp 100 Jahren, hat Georg Kropp das Bausparen in Deutschland erfunden und die „Gemeinschaft der Freunde“ mit dem Ziel gegründet, Menschen in bezahlbares Wohneigentum zu bringen. Obgleich sich die Bilder von Schlange stehenden Wohnungssuchenden ähneln mögen, war damals die Lage am Wohnungsmarkt noch deutlich angespannter als heute. Seitdem hat die „Gemeinschaft der Freunde“ und später die aus ihr erwachsene Wüstenrot Bausparkasse Hunderttausenden Menschen zu Wohneigentum verholfen. Sparen im Kollektiv hat sich also seit 100 Jahren bewährt. Und es ist modern wie nie. Denn wer eine Wohnung oder ein Haus sein Eigen nennen kann, steht auch im Alter besser da, weil die Miete nicht die Haushaltskasse in erheblichem Maße schmälert.

Sie haben gerade den angespannten Wohnungsmarkt angesprochen. Sehen Sie da Licht am Ende des Tunnels?
In Ballungsräumen kurzfristig sicherlich nicht. Um hier Abhilfe zu schaffen, bedarf es gesamtgesellschaftlicher Anstrengungen. Länder und Kommunen müssten überbordende Bauvorschriften entschlacken und mehr Bauland ausweisen, damit kräftig gebaut werden kann. Brachen in Großstädten darf es in Zukunft nicht mehr geben. Aber auch die Baubranche kann etwas tun: So engagiert sich die Wüstenrot Haus- und Städtebau GmbH beispielsweise vermehrt auch im Mietwohnungsbau und unterstützt neuerdings auch private Baugemeinschaften bei der Umsetzung ihrer Pläne.

Apropos gesamtgesellschaftliche Verantwortung: Klimaschutz ist gerade ein heiß diskutiertes Thema …
Völlig zu Recht – und gestatten Sie mir, dass ich hier gleich einhake. Wir haben kürzlich eine repräsentative Umfrage unter 800 Eigentümern von Ein- und Zweifamilienhäusern in Auftrag gegeben. Die gute Nachricht: Fast jeder Dritte der bundesweit befragten Eigentümer gab explizit den Klimaschutz als Beweggrund für zukünftige Investitionen in energetische Maßnahmen an.

Wohneigentümer sind also grundsätzlich bereit, Geld für den Klimaschutz in die Hand zu nehmen?
Ja, aber sie brauchen Planungssicherheit und Unterstützung vom Staat, um energetische Sanierungsmaßnahmen wie den Austausch überalterter Heizungsanlagen, Umstellung auf Solarenergie oder eine bessere Dämmung stemmen zu können. Das nun im Dezember verabschiedete Klimapaket gibt den Hauseigentümern jetzt den nötigen Rückenwind. Denn sowohl der avisierte Steuerabzug in Höhe von 20 Prozent für energetische Investitionen als auch die großzügige Austauschprämie in Höhe von bis zu 45 Prozent für alte Ölheizungen können sich sehen lassen. Wer also Energie und damit zukünftig auch Kosten sparen will, sollte jetzt die Modernisierung seines Eigenheims in Angriff nehmen.

Unsere Website setzt Cookies ein – durch die Nutzung der Website erklären Sie sich damit einverstanden. Hier finden Sie unsere Datenschutzerklärung

Einverstanden