„Gerade heute gilt: Der Blick sollte auch in die Zukunft gerichtet sein.“

Interview mit Bernd Hertweck

Foto: Wüstenrot

Bernd Hertweck, Jahrgang 1967, ist seit 2013 Vorstandsvorsitzender der Wüstenrot Bausparkasse, seit Mai 2018 außerdem Vorstandsvorsitzender des Verbands der Privaten Bausparkassen e. V.

Herr Hertweck, die Corona-Pandemie hat zum Teil zu tiefen gesellschaftlichen Einschnitten geführt. Was sind die Folgen für die Immobilienmärkte in Deutschland?
Die Folgen der Corona-Krise gehen natürlich auch am Immobilienmarkt nicht spurlos vorbei. Bei den Gewerbeimmobilien – im Laden- und Geschäftsbereich also – rechnen Experten tendenziell mit rückläufigen Renditen in nächster Zeit. Auch am Wohnungsmarkt haben sich Käufer und Verkäufer in den letzten Monaten eher zurückgehalten. Im Spitzensegment, etwa bei neu errichteten Wohnimmobilien in den Top-7-Städten, kannten die Preise über Jahre nur eine Richtung: nach oben. Aber selbst dort hat sich die Preiskurve bereits im Vorjahr abgeflacht. Und auch am anderen Ende des Marktes, in einfachen Lagen, wurden nicht mehr jede Preisvorstellung und jedes Wohnobjekt von der Käuferseite akzeptiert. Diese Entwicklung könnte Corona möglicherweise noch verstärken.

Ist also mit einer größeren Preiskorrektur am Wohnungsmarkt zu rechnen?
Nein. Mit merklichen Preisrückgängen ist am ehesten noch direkt in den teuren Großstädten zu rechnen. In deren Umfeld, den urbanen Ballungsräumen, sehen wir aber weiterhin einen Nachfrageüberhang. Eine deutliche Preiskorrektur lässt sich daher aktuell nicht prognostizieren. Denn die Mechanismen am Wohnungsmarkt werden nicht dauerhaft außer Kraft gesetzt.

Gleichwohl ist bei einigen Menschen die finanzielle Situation in Schieflage geraten.
Das ist leider richtig. Mit Blick über den Atlantischen Ozean, wo viele Millionen Menschen ihren Job verloren haben, sorgen in Deutschland das Kurzarbeitergeld, die Corona-Soforthilfen und weitere Anstrengungen des Staates aber dafür, dass wir hierzulande deutlich besser durch die Wirtschaftskrise kommen. Als Bausparkasse tun wir wiederum alles, um unseren Kunden individuell zu helfen – indem beispielsweise Spar- und Tilgungsleistungen für einen bestimmten Zeitraum ausgesetzt werden können. Schließlich wollen wir unseren Kunden, wo immer möglich, beistehen, um Schlimmeres zu vermeiden. Glücklicherweise mussten bisher nur wenige unserer Kunden eine Stundungsanfrage stellen.

Viele Menschen sind durch die Pandemie aber verunsichert und halten ihr Geld lieber zusammen, als große Anschaffungen zu tätigen. Ist der Wunsch nach einer eigenen Immobilie in diesen Zeiten überhaupt noch realistisch?
Aber ja. Wenn die Krise eins gezeigt hat, dann doch vor allem, wie wichtig die eigenen vier Wände sind – als sicherer Rückzugsort, wo wir uns wohlfühlen und geborgen sind. Deshalb bin ich davon überzeugt, dass in der Bevölkerung der ohnehin schon starke Wunsch, lieber im Eigenheim als zur Miete zu wohnen, noch einmal gestiegen ist.

Was raten Sie den Menschen, die sich perspektivisch ein Eigenheim leisten wollen?
Frühzeitig Eigenkapital anzusparen, um die Schuldenlast von vornherein zu begrenzen und somit die monatlichen Tilgungsraten sowie die Tilgungsdauer für eine Immobilienfinanzierung möglichst gering zu halten. Die gute Nachricht dabei ist, dass sich auch in der besonderen Situation der letzten Monate nichts an den historisch günstigen Baugeldzinsen geändert hat. Im Gegenteil, die Krise trägt dazu bei, dass die Zinsen auf Sicht niedrig bleiben werden. Doch auch die günstigsten Finanzierungsbedingungen ändern nichts daran, dass es für eine solide Baufinanzierung einer gesunden Eigenkapitalbasis bedarf. Ein Bausparvertrag ist das ideale Instrument zur Eigenkapitalbildung, denn der Staat spart ordentlich mit.

Inwiefern spart der Staat mit?
Weil der Staat die Eigenkapitalbildung mittels Bausparvertrag staatlich unterstützt. Bestes Beispiel: die Wohnungsbauprämie. Ab 2021 kommen viel mehr Menschen in den Genuss der Prämie, weil die Einkommensgrenzen deutlich angehoben werden und die Prämie fällt mit bis zu 70 Euro für Alleinerziehende und 140 Euro für verpartnerte Bausparer deutlich höher aus als zuvor. Zudem können Bausparer von der Wohn-Riester-Förderung und vermögenswirksamen Leistungen profitieren. Das lohnt sich. Und nicht zu vergessen: Wer jetzt einen Bausparvertrag abschließt, sichert sich heute die niedrigen Zinsen für die eigenen vier Wände von morgen. Das rechnet sich.

Das Thema Klimaschutz scheint aktuell gänzlich verdrängt worden zu sein?
Auf den ersten Blick mag das so scheinen. Aber wir wissen aus eigenen Studien, dass Eigentümer von Ein- und Zweifamilienhäusern das Thema energetische Sanierung durchaus umtreibt und sie auch bereit sind, Geld zu investieren.

Ist es denn ratsam, jetzt in eine Sanierung der eigenen Immobilie zu investieren?
Wenn nicht jetzt, wann sonst? Denn durch die Niedrigzinsen sind auch Modernisierungsfinanzierungen extrem günstig zu bekommen. So bietet beispielsweise Wüstenrot für den begrenzten Finanzierungsbedarf ein zusätzlich vergünstigtes Klimadarlehen an, das besonders schnell und unbürokratisch, weil ohne Grundbucheintragung, erhältlich ist. Solche Angebote treffen nun zusammen mit dem Klimapaket des Bundes, mit dem der Staat sanierungswillige Eigenheimbesitzer mit sehr attraktiven Förderungen und steuerlichen Vergünstigungen in einem noch nie da gewesenen Ausmaß unterstützt.

Aber die Förderlandschaft ist nicht sehr übersichtlich.
Das stimmt allerdings. Neben dem Steuerbonus und den Zuschüssen des Bundes über BAFA und KfW gibt es eine weitere Vielzahl an regionalen Fördertöpfen vonseiten der Bundesländer, Regionen, Kommunen und Energieversorger. Um diese bestmöglich auszuschöpfen, unterstützt Wüstenrot Modernisierungswillige mit dem Fördergeld-Service für die energetische Sanierung. Unsere Berater helfen, aus den rund 6.000 Förderprogrammen in Deutschland das Beste herauszuholen.
Ergo: Wer den finanziellen Spielraum hat, sollte eine energetische Sanierung nicht auf die lange Bank schieben. Denn in der Kombination aus günstiger Finanzierung, hoher staatlicher Förderung und zukünftig ersparter CO2-Steuer rechnen sich heute energetische Sanierungen vielfach bereits innerhalb weniger Jahre. Wer sein Haus energetisch saniert, investiert somit mehrfach klug: Er erwirtschaftet eine dauerhafte Energierendite, nimmt die Klimawende selbst in die Hand und handelt mit Blick auf die Enkelgeneration verantwortungsbewusst. Zugleich hebt er seine Lebensqualität und steigert den Wert seiner Immobilie.

Sie scheinen in der Krise vor allem Chancen zu sehen.
Die Corona-Pandemie hat sicherlich niemanden ungerührt gelassen. Haben doch gerade die vergangenen Wochen und Monate gezeigt, wie schnell sich Lebenssituationen verändern können, Wünsche und Pläne gegebenenfalls angepasst werden müssen. Als Wüstenrot Bausparkasse haben wir gemeinsam mit unseren Beratern vor Ort alles Menschenmögliche gemacht, um für unsere Kunden möglichst jederzeit da und ansprechbar zu sein. Aber gerade in Krisenzeiten sollte sich der Blick auch nach vorne richten. Deshalb ist es jetzt besonders wichtig, unseren Kunden Perspektiven aufzuzeigen und ihnen bei der Verwirklichung ihrer Wohnwünsche mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Unsere Website setzt Cookies ein – durch die Nutzung der Website erklären Sie sich damit einverstanden. Hier finden Sie unsere Datenschutzerklärung

Einverstanden