Einrichten

Expertentipps: So gelingt das Arbeiten im Home-Office

Einrichtung, Selbstorganisation & Zeitmanagement

Foto: Leonardo Living

Die Mein EigenHeim-Redaktion führte mit der Arbeitspsychologin Dr. Ina Fliegen ein Interview, wie professionelle Büroarbeit im Home-Office gelingt. Die Expertin gibt praktische Tipps: Von der Einrichtung des eigenen Büros über das richtige Zeitmanagement bis zur Selbstorganisation zu Hause. Vergessen sollten Sie auch nicht, die Freiheiten der Heimarbeit zu genießen und kreativ für sich zu nutzen.

Das erfahren Sie in diesem Artikel:

  1. Analysieren Sie Ihre persönliche Arbeitssituation
  2. Ein fester Arbeitsplatz muss sein!
  3. Halten Sie die Technik auf dem neuesten Stand
  4. Legen Sie Prioritäten und Ziele fest
  5. Nutzen Sie die Freiheiten des Home-Office
  6. Die eigene Zeit effektiv managen
  7. Zur Selbstdisziplin gehören auch feste Schlusszeiten
  8. Kontakt zu Kollegen halten
  9. Welches Zeitmodell passt?

Praktische Tipps von der Arbeitsexpertin: Wie gelingt professionelle Büroarbeit im Home-Office?

Dr. Ina Fliegen
Dr. Ina Fliegen
Foto: privat

Die Diplompsychologin Dr. Ina Fliegen berät als freiberufliche Trainerin und Coach zu Themen wie Selbstmanagement, Kommunikation, Organisation und Zusammenarbeit sowie Recruiting und Personalentwicklung. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

Analysieren Sie Ihre persönliche Arbeitssituation

Wenn Sie Ihr neues Home-Office einrichten, ist es sinnvoll, zuerst zu analysieren, welche Arbeiten dort tatsächlich anfallen:

  • Wieviel Zeit wird am Computer verbracht?
  • Wie oft wird telefoniert?
  • Brauchen Sie den persönlichen Austausch mit Kollegen und Kunden?
  • Gibt es Zeiten, in denen Sie besonders konzentriert oder kreativ arbeiten müssen?

Dementsprechend sollten Sie die Anforderungen an Ihren künftigen Heimarbeitsplatz stellen. Wer kreativ arbeitet, braucht eventuell eine freie Wand im Rücken, ein Mood-Board oder einen großen Tisch.

Wer Kundenbesuch bekommt, dem reicht nicht nur eine Schreibtischecke, er braucht womöglich auch eine kleine Meeting-Zone. Wohnung oder Haus müssen das entsprechend ihrer Größe natürlich auch hergeben.

Ein fester Arbeitsplatz muss sein!

Lassen Sie sich nicht dazu verleiten, regelmäßig mit dem Laptop auf dem Schoß vom Sofa aus zu arbeiten:

  • Reservieren Sie einen festen Arbeitsplatz für Ihre Tätigkeit zu Hause. Das muss nicht immer ein separates, abschließbares Zimmer oder gar ein ganzes Büro sein. Es gibt viele gute Möglichkeiten der Home-Office-Möblierung, die schön und praktisch zugleich sind und sich wunderbar ins Wohnambiente integrieren lassen.
  • Der Arbeitsplatz sollte möglichst in Tageslichtnähe aufgestellt werden.
    Auch hinsichtlich Störfaktoren wie Lärm gilt es zu überlegen, wo der beste Platz für Ihr Büro zu Hause ist. Wie laut ist es an welcher Stelle in der Wohnung und passt das zu Ihrer Arbeit?
  • Finden Sie verbindliche Regeln, die innerhalb der Familie oder mit Mitbewohnern gelten. Legen Sie z.B. feste Zeichen fest, mit denen Sie zeigen, dass Sie gerade nicht gestört werden wollen.

 

Foto: Ercol

Eine Mischung aus Sekretär und Schreibtisch bietet der Treviso Desk von Designer Matthew Hilton.

Foto: Müller Möbelwerkstätten

Der Flatmate Sekretär ist nur 122 mm tief und bietet dennoch ein Maximum an Funktionalität.

Sie haben nur wenig Platz in Ihrer Wohnung?

  • Unser platzsparender Mini-Sekretär zum Nachbauen bietet Platz für einen kleinen Klapptisch und eine Tablet-Halterung.
  • Unser Schreibtisch zum Aufklappen ist ebenfalls ein platzsparendes Büromöbel. Nach getaner Arbeit verwandelt sich der Schreibtisch in eine Kommode. Unsere Bauanleitung zeigt, wie's geht.

Halten Sie die Technik auf dem neuesten Stand

Unsere Wohnungen und Privathäuser bieten heute die gleichen technischen Möglichkeiten wie professionelle Büros. Statten Sie Ihren Arbeitsplatz in etwa so aus wie den Platz in Ihrem Stammbüro:

  • Wer viel telefoniert und dabei auch noch den Computer bedienen muss, kann z.B. auch zu Hause ein Headset benutzen.
  • Für Computerarbeit muss der Arbeitsplatz so praktisch und ergonomisch wie möglich gestaltet werden.
  • Die Technik muss auf dem neuesten Stand gehalten, Hardware und Software mit Virenschutz ausgestattet und entsprechend gewartet werden. Nur so können Sie von zu Hause aus die gleiche Arbeitsqualität liefern wie im Büro.

Legen Sie Prioritäten und Ziele fest

hey-sign_Welle Paravent
Paravents sind als mobile Raumtrenner bestens geeignet, um Arbeitszonen im Wohnraum flexibel zu definieren.
Foto: Hey-Sign

Ablenkung ist das größte Problem im Home-Office – wie auch im normalen Büro. Wichtig ist es, sich selbst genau zu analysieren und dann konsequent danach zu handeln: Was passt zu mir? Wie fühle ich mich wohl? Wie und wann arbeite ich am produktivsten?

  • Legen Sie klare Prioritäten fest und setzen Sie sich realistische Ziele.
  • Legen Sie fest, was am jeweiligen Tag erledigt werden soll. Organisieren Sie sich mit Hilfe selbst gesetzter Termine, die Ihnen einen guten individuellen Rahmen bieten, der zu Ihnen und Ihrer Arbeitsweise passt.
  • Beginnen Sie Ihren Arbeitstag am besten immer um die gleiche Zeit und halten Sie feste Schlusszeiten ein.
  • Gehen Sie regelmäßig zum Mittagessen oder setzen Sie sich geregelte Pausenzeiten.

Nutzen Sie die Freiheiten des Home-Office

Wie man sich am besten organisiert, hängt von der eigenen Persönlichkeit und der eigenen Arbeitsstruktur ab. Nutzen Sie die Vorteile, die das Home-Office bietet – auch in puncto freier Zeiteinteilung.

  • Finden Sie heraus, wann Sie am effektivsten arbeiten können und nutzen Sie diese Erkenntnis. Das Gefühl zu haben, produktiv zu sein, aber auf die eigene Weise – das ist ganz wichtig im Home-Office!
  • Wer einen Beruf mit starkem Kontakt zum Kunden oder eine Präsenzzeit am Telefon von 9-17 Uhr hat, muss diese Zeiten natürlich einhalten und erreichbar sein. Bei der Ausübung eines kreativen Berufs aber spricht nichts dagegen, sich mit seinem Konzept für eine Weile in den Garten zu setzen, um sich dort inspirieren zu lassen.
Foto: deinSchrank

Maßgeschneiderte Regale finden in jeder Nische Platz.

Foto: Raumplus

Bei diesem Schrank als Raumtrenner sind die Schiebetüren gleich integriert.

Tipp

Hier finden Sie eine Übersicht über Raumteiler und Trennwände. So bleiben Sie bei der Gestaltung Ihrer Wohnräume absolut flexibel und können Ihr Wohnumfeld immer den momentan Bedürfnissen anpassen.

Die eigene Zeit effektiv managen

hey-sign_Accessoires
Schöne Filz-Accessoires rund um den Schreibtisch machen das Home-Office wohnlich.
Foto: Hey-Sign

Was wollen Sie bis wann erreichen? Was will Ihr Chef, Ihr Auftraggeber, Ihr Kunde zu welcher Zeit und in welcher Qualität von Ihnen?

  • Gehen Sie bei Ihrer Terminplanung vor wie beim klassischen Zeitmanagement im Büro: Planen Sie die Zeitschiene für Ihre Projekte „von hinten“. Deadlines müssen so gesetzt sein, dass sie aufeinander aufbauen und so Schritt für Schritt zum termingerechten Endergebnis führen. Kalkulieren Sie die Zeit für eventuelle Freigabeschleifen, Korrekturzeiten oder externe Dienstleister frühzeitig ein: Nur wenn Paket A fertig ist, kann Paket B anschließen, damit die Deadline haltbar ist.
  • To-do-Listen zum Abhaken der Tagesaufgaben geben ein gutes Gefühl.
  • Zeiterfassung ist auch im Home-Office ein wichtiger Punkt der Selbstkontrolle: Erfassen Sie Ihre Arbeitszeiten regelmäßig und prüfen Sie sie ab und zu ob das aktuelle Zeitmanagement noch angemessen ist. Für die Zeiterfassung gibt es praktische Apps, man kann aber auch nur mit einer Excel-Tabelle arbeiten. So sehen Sie am besten, welche Tätigkeiten entweder überrepräsentiert sind oder – im Gegenteil – zu kurz kommen.

Zur Selbstdisziplin gehören auch feste Schlusszeiten

Der wohl größte Unterschied zum Büro ist beim Home-Office, dass die soziale Kontrolle fehlt. Es ist niemand da, der einen mahnt, wenn man zu viel Zeit in der Kaffee-Ecke verbringt. An Selbstdisziplin führt also kein Weg vorbei: Regeln muss man selbst aufstellen und diese vor allem auch befolgen.

  • Seien Sie dennoch nicht zu streng mit sich: Wenn Sie sich an einem Tag etwas mehr Ablenkung gönnen, sind Sie am nächsten Tag vielleicht umso motivierter, etwas mehr zu tun.
  • Sie müssen nicht immer im Stand-by-Modus und dauernd erreichbar sein: Moderne Arbeit ist ergebnisorientiert. Ist sie gut getan, dann kann man eben auch mal früher Schluss machen.
  • Damit sich der Feierabend nicht immer weiter nach hinten verschiebt, sollten für die Heimarbeit feste Schlusszeiten gelten, die auch nach außen kommuniziert werden.
  • Schließen Sie Ihren Arbeitstag mit einem Abendritual ab. Räumen Sie Ihren Schreibtisch auf und definieren Sie Ihre Ziele für den nächsten Tag schriftlich.
  • Seien Sie dabei ehrlich zu sich selbst und nehmen Sie sich nur so viel vor, wie Sie tatsächlich auch erledigen können.
Foto: Raumplus

Mit diesem Gleittürsystem kann eine Bürozeile selbst unter der Dachschräge realisiert werden.

Foto: Raumplus

Abends werden die Türen einfach zugeschoben und das Büro hat geschlossen.

Kontakt zu Kollegen halten

Am meisten bemängeln „Home-Officer“, dass Ihnen der Kontakt nach außen, zu Kollegen und Kunden fehlt. Kommunikation ist wichtig, damit man bei der Heimarbeit von zu Hause nicht vereinsamt und nicht das Gefühl hat, wichtige Informationen zu versäumen.

  • Ergreifen Sie die Initiative und definieren Sie eigenverantwortlich die für Sie passenden Kommunikationskanäle. Melden Sie sich regelmäßig telefonisch oder gestalten Sie Jours fixes mit Kollegen oder Kunden. Damit sind Sie präsent, wie Ihre Mitarbeiter im Stammbüro. Wer als Freiberufler keine Kollegen hat, kann dennoch aktiv sein, Netzwerke stärken und Leute treffen, die den eigenen Horizont erweitern.
buzzizone_Trennwand 1
Mit der mobilen Trennwand BuzziZone aus Filz lassen sich Wohnräume zonieren.
Foto: BuzziSpace
  • Außerdem gibt es die Möglichkeit des Co-Workings. Hier teilt man sich die Räumlichkeiten, hat den Austausch mit Gleichgesinnten und nutzt die gemeinsame Infrastruktur - die gemeinsame Kaffeemaschine zum Beispiel. Das gibt einen routinierteren Rahmen als das Arbeiten allein.
  • Menschen, die tatsächlich Schwierigkeiten mit der Selbststrukturierung haben und ohne soziale Kontrolle gar nicht mit ihrer Arbeit vorankommen, können eine Weiterbildung zum Thema Selbstmanagement oder ein spezielles Coaching machen.

Welches Zeitmodell passt?

hey-sign_Deckenobjekt
Dieses Filz-Objekt ist Leuchtenschirm und Akustikschirm in einem.
Foto: Hey-Sign

Wie die Arbeit von zu Hause zeitlich geregelt wird, dafür gibt es unterschiedliche Modelle.

  • Handeln Sie diese mit Ihrem Arbeitgeber individuell und passend für Sie beide aus: Fest vereinbarte Wochentage, wechselnde Tage 1-2 x die Woche oder noch individuellere Zeiten nach Ansage und Notwendigkeit – alles ist machbar.
  • Am praktikabelsten hat sich eine Mischung aus festen Präsenztagen im Büro und festen Tagen zu Hause erwiesen. Je klarer die Vereinbarung, desto eher vermeiden Sie Missverständnisse.

Unsere Website setzt Cookies ein – durch die Nutzung der Website erklären Sie sich damit einverstanden. Hier finden Sie unsere Datenschutzerklärung

Einverstanden