Neubau-Förderung für KfW-40-Häuser

Neubau Förderung kfW 40

Ab jetzt nur noch mit „Nachhaltigkeitsklasse“

Foto: Baufritz

Wer für ein neu gebautes Haus Fördermittel der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) bekommen will, kann seit Ende April 2022 nur noch Anträge für die „Effizienzhaus-Stufe 40 mit Nachhaltigkeits-Klasse“ stellen. Was verbirgt sich hinter dieser Klasse? Alles Wissenswerte für Bauherren.

Das erfahren Sie in diesem Artikel:

  1. Was bis Ende April 2022 galt und was jetzt gilt
  2. Wie hoch ist die Förderung?
  3. Was sind die Fördervoraussetzungen?
  4. Wie erfolgt der Nachweis der „Nachhaltigkeitsklasse“?
  5. Zertifizierungsstellen
  6. Was kostet ein Nachhaltigkeitszertifikat?

Was bis Ende April 2022 galt und was jetzt gilt

Nachdem im April 2022 der Fördertopf für KfW-40-Effizienzhäuser endgültig ausgeschöpft war, schränkte der Bund die weitere Förderung drastisch ein.

Was bis Ende April 2022 galt: Alle Neubauten, die den Effizienzhaus-Standard KfW 40 erfüllten, bekamen Fördermittel. Darüber hinaus gab es eine höhere bzw. eine Bonusförderung

  • für Plusenergiehäuser („KfW 40 Plus“),
  • für Häuser, die einen besonders hohen Anteil erneuerbarer Energien nutzen („KfW 40/EE-Klasse“),
  • für Häuser, die bestimmte Nachhaltigkeitskriterien erfüllen („KfW 40/NH-Klasse“).

Was jetzt gilt: Nur noch KfW-40-Effizienzhäuser der Nachhaltigkeits-Klasse bekommen Fördermittel aus der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG).

Wie hoch ist die Förderung?

Die Neubauförderung für das KfW-40-Effizienzhaus der Nachhaltigkeits-Klasse läuft über die KfW Förderbank. Die Förderung wird in Form eines Kredits mit Tilgungszuschuss gewährt. Der maximale Kreditbetrag liegt bei 150.000 Euro je Wohneinheit.

Vom Kreditbetrag erhalten Bauherren, die die Fördervoraussetzungen erfüllen, 12,5 Prozent als Tilgungszuschuss. Das sind maximal 18.750 Euro.

Wichtig: Bauherren dürfen mit ihrem Vorhaben erst starten, nachdem der Förderantrag gestellt wurde!

Was sind die Fördervoraussetzungen?

Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG)
Das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG)

Zum einen muss der Energiestandard eines KfW-40-Effizienzhauses eingehalten werden. Den Nachweis erbringt ein zertifizierter Effizienz-Experte. Auch dessen Einsatz wird vom Staat kräftig unterstützt − mit einem Zuschuss in Höhe von 50 Prozent. In unserem Artikel finden Sie einen Überblick über die aktuelle Förderung für Energieberater »

Darüber hinaus muss die Nachhaltigkeit des Gebäudes nachgewiesen werden. Dies erfolgt dadurch, dass das Gebäude von einer der zugelassenen Zertifizierungsstellen das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG) erhält (siehe oben).

Beide Nachweise müssen nach der Fertigstellung des Gebäudes in Form einer „Bestätigung nach Durchführung (BnD)“ beim Finanzierungspartner eingereicht werden. Nach der Prüfung durch die KfW wird der Tilgungszuschuss gutgeschrieben.

Wie erfolgt der Nachweis der „Nachhaltigkeitsklasse“?

Der (Primär-)Energiestandard eines Hauses ist in Kilowattstunden pro Quadratmeter Wohnfläche eindeutig berechenbar.

Das umfassende Kriterium „Nachhaltigkeit“ ist dagegen nicht so einfach mit Zahlen, Grenz- oder Schwellenwerten zu unterfüttern. Zu den QNG-Kriterien zählen:

  • Verwendung umweltfreundlicher und schadstofffreier Baustoffe,
  • die Raumluftqualität und Behaglichkeit in Innenräumen,
  • Barrierefreiheit,
  • nachhaltiger Ressourceneinsatz sowie der
  • Einsatz erneuerbarer Energien.

Auch die Reduktion der Umwelteinflüsse, erfasst über eine Ökobilanz, sowie die Berechnung der Betriebskosten über den Lebenszyklus sind Teil der Betrachtung.

Eine wichtige Rolle spielt beispielsweise die „graue Energie“, die in jedem Bauteil steckt. Das ist die Energie, die verbraucht wird bei der Herstellung eines Bauteils, bei dessen Transport auf die Baustelle, bei der Verarbeitung und nicht zuletzt bei Rückbau, Entsorgung bzw. Wiederverwertung. Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen haben einen kleineren CO2-Fußabdruck als solche, die aus Kunststoffen, also fossilen Ausgangsstoffen, seltenen Rohstoffen oder mit großem Energieaufwand gefertigt sind.

Zum Teil kann bei einzelnen Bauteilen auf strenge Öko-Gütesiegel wie „Natureplus“ zurückgegriffen werden. Doch für eine Gesamtbewertung aller Nachhaltigkeitsfaktoren braucht es ausgefeilte Zertifizierungssysteme. Auf genau solchen Prüfsystemen basiert das staatliche Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude. Das heißt: Der Bund hat keine eigene Zertifizierung eingeführt, sondern nutzt bereits existierende Bewertungssysteme.

Dabei gibt es zwei Varianten des staatlichen QNG-Gütesiegels: QNG-PLUS und QNG-PREMIUM. Auf die Förderung gemäß der Nachhaltigkeits-Klasse hat diese Unterscheidung keinen Einfluss.

Zertifizierungsstellen

Der Bund hat einige Zertifizierungsstellen und deren Zertifizierungssysteme anerkannt, die in einer unabhängigen Prüfung nach der Baufertigstellung die Nachhaltigkeit bescheinigen können. Stand Mai 2022 handelt es sich im Bereich Wohngebäude um die folgenden Stellen und Systeme:

Siegel NaWoh BNK
  • Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) mit zwei Systemen zur Zertifizierung im Wohnungsbau sowie im Bau von kleinen Wohngebäuden
  • Verein zur Förderung der Nachhaltigkeit im Wohnungsbau mit dem Qualitätssiegel Nachhaltiger Wohnungsbau („NaWoh“) für Gebäude mit mehr als sechs Wohneinheiten
  • Bau-Institut für Ressourceneffizientes und Nachhaltiges Bauen mit dem Bewertungssystem Nachhaltiger Kleinwohnhausbau (BNK) für Gebäude bis zu sechs Wohneinheiten

Beispiel: Die DGNB-Zertifizierung

Nachhaltigkeitszertifikat
Wer nachhaltig baut, wird mit staatlichen Fördergeldern belohnt.
DGNB

So läuft – am Beispiel der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) – eine Zertifizierung ab:

  1. Ein ausgebildeter DGNB-Auditor begleitet ein Bauvorhaben während des Planungs- und Bauprozesses bis zum Abschluss. Dabei läuft die DGNB-Zertifizierung parallel zum Baufortschritt. Das heißt, mögliche Fehlentwicklungen, die einer Förderung im Wege stehen, können frühzeitig entdeckt werden.
  2. Nach Abschluss der Baumaßnahme erhält das Gebäude je nach Nachhaltigkeitsstandard ein DGNB-Zertifikat in Platin, Gold oder Silber. Zusätzlich gibt es bei Erfüllung aller besonderen QNG-Anforderungen das „Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude“.
  3. Abschließend meldet die DGNB die erfolgreiche Zertifizierung dem zuständigen Bundesamt, welches eine Registrierungsnummer vergibt, mit dem die Förderung abgerufen werden kann.

Was kostet ein Nachhaltigkeitszertifikat?

Johannes Kreißig, geschäftsführender Vorstand der DGNB, erläutert, dass sich die Kosten bei einer DGNB-Zertifizierung aus Zertifizierungsgebühren und den Honorarkosten für die Auditoren zusammensetzen:

  • Die Zertifizierungsgebühren für kleine Wohngebäude liegen je nach Größe zwischen 750 und 1.250 Euro.
  • Die Honorarkosten für Auditoren werden zu 50 Prozent im Rahmen der BEG-Förderung bezuschusst. Auch weitere Leistungen der Auditoren sind im Rahmen der BEG-Förderung förderfähig, etwa die Erstellung einer Ökobilanz, die Messung der Innenraumluftqualität oder die Berechnung der Lebenszykluskosten.

„Da die Nachhaltigkeitsanforderungen für viele neu sind, sehen wir gerade im Markt eine große Unsicherheit über die Kosten des Zertifizierungsprozesses und vermutete Mehrkosten“, sagt Kreißig.

An der Stand Mai 2022 noch sehr überschaubaren Zahl der zugelassenen Prüf- und Vergabestellen lässt sich auch ablesen, dass die im Sommer 2021 eingeführte Nachhaltigkeits-Klasse bislang ein Schattendasein führte. Da der Nachweis der Nachhaltigkeit nun aber die einzige Chance auf eine KfW-Neubauförderung verspricht, wird sich dies sicherlich rasch ändern.

 

Wir verwenden Cookies, um Informationen über die Nutzung der Webseite zu sammeln. Diese Cookies helfen uns dabei, Ihnen ein optimales Online-Erlebnis zu bieten. Mit dem Klick auf den Button "Alles akzeptieren" erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Für weitere Informationen über die Nutzung von Cookies oder für die Änderung Ihrer Einstellungen klicken Sie bitte auf "Cookie Einstellungen".

Datenschutzerklärung | Impressum
Alles akzeptieren Cookie-Einstellungen Weiter ohne Einwilligung
Technisch notwendige Cookies

Diese Cookies sind erforderlich und wesentlich, um die Kernfunktionalität der Webseite zu aktivieren und zu ermöglichen. Wesentliche Cookies können über die Funktion dieser Seite nicht deaktiviert werden. Sie können Cookies jederzeit generell in Ihrem Browser deaktivieren. Wir möchten Sie jedoch darauf hinweisen, dass es dann zu Problemen beim Aufruf der Website kommen kann.

Analyse

Diese Technologien ermöglichen es uns, die Nutzung der Website zu analysieren, um die Leistung zu messen und zu verbessern.

Google Tagmanager Google Analytics Google Optimize
Detaillierte Infos

Speichern und schließen Alles akzeptieren