Bad ohne Fenster
Vorschriften, Lüftungstipps und Schimmelschutz
Ein innenliegendes Bad ohne Fenster stellt Bewohner vor besondere Herausforderungen: Nach dem Duschen steht der Dampf im Raum, die Spiegel beschlagen und die Feuchtigkeit kann nicht einfach durch ein geöffnetes Fenster entweichen. Wer hier nicht aufpasst, riskiert schnell Schimmel und muffige Gerüche. Doch keine Sorge – mit den richtigen technischen Lösungen und ein paar einfachen Verhaltensregeln bekommen Sie das Problem in den Griff.
Das erfahren Sie in diesem Artikel:
Die Feuchtigkeitsfalle „Innenbad“
Jeder kennt das Szenario: Sie kommen morgens aus der heißen Dusche, greifen zum Handtuch und stehen in einer dichten Nebelwand. In einem Badezimmer mit Fenster ist die Lösung simpel – Fenster auf, Dampf raus. Doch in einem Bad ohne Fenster, bleibt die feuchte Luft gefangen.
Das physikalische Problem dahinter ist einfach erklärt, aber folgenreich: Warme Luft kann deutlich mehr Feuchtigkeit speichern als kalte Luft. Beim Duschen steigt die relative Luftfeuchtigkeit schnell auf über 80 Prozent an. Trifft diese gesättigte, warme Luft nun auf kühlere Oberflächen – wie den Spiegel, die Fliesen oder schlimmer noch, die tapezierte Wand –, kühlt sie ab. Da kalte Luft das Wasser nicht mehr halten kann, kondensiert es. Es bilden sich Wassertröpfchen.
In einem fensterlosen Bad fehlt die Möglichkeit der Stoßlüftung, um diesen Austausch von feuchter Innenluft gegen trockenere Außenluft in wenigen Minuten zu vollziehen. Bleibt die Feuchtigkeit im Raum, dringt sie in Fugen, Tapeten und das Mauerwerk ein. Das ist der ideale Nährboden für Schimmelsporen.
Das Ziel für jeden Eigentümer und Mieter muss also lauten: Die Feuchtigkeit muss so schnell wie möglich raus – entweder durch technische Hilfsmittel oder durch ein sehr diszipliniertes Lüftungsverhalten.
Die Rechtslage: Ist eine Lüftung Pflicht?
Viele Eigentümer und Mieter fragen sich: „Muss in meinem Bad eigentlich eine Lüftung installiert sein?“ Die Antwort liefert das deutsche Baurecht, spezifisch die „Lüftung Bad ohne Fenster“- Vorschrift.
Was sagt die DIN 18017-3? Die wichtigste Norm in diesem Bereich ist die DIN 18017-3. Sie regelt die „Lüftung von Bädern und Toilettenräumen ohne Außenfenster“. Diese Norm ist keine willkürliche Bürokratie, sondern dient drei essenziellen Zielen:
- Feuchteschutz: Vermeidung von Bauschäden durch Kondenswasser.
- Hygiene: Abtransport von Gerüchen und verbrauchter Luft.
- Schimmelvorbeugung: Schutz der Gesundheit der Bewohner.
Die Norm schreibt vor, dass in fensterlosen Bädern ein definierter Luftvolumenstrom sichergestellt sein muss. Das bedeutet: Eine mechanische Anlage muss in der Lage sein, eine gewisse Menge Luft pro Stunde auszutauschen, unabhängig davon, ob der Bewohner gerade daran denkt oder nicht. In der Regel werden hier Werte von 40 bis 60 Kubikmetern pro Stunde gefordert.
Bestandsschutz vs. Sanierungspflicht
Allerdings müssen wir hier zwischen neu gebauten Gebäuden und sogenannten Bestandsgebäuden unterscheiden.
- Neubauten: Hier ist eine maschinelle Entlüftung nach DIN 18017-3 zwingend vorgeschrieben. Ohne eine solche Anlage erhalten Gebäude oft keine Abnahme.
- Altbauten (Bestand): In vielen älteren Häusern aus den 1960er oder 1970er Jahren finden sich oft nur einfache passive Luftschächte („Kölner Lüftung“ oder „Schachtlüftung“ genannt), die ohne Motor funktionieren. Solange am Gebäude nichts verändert wird, gilt oft Bestandsschutz.
- Sanierung: Vorsicht ist geboten, wenn Sie sanieren. Tauschen Sie beispielsweise in der Wohnung die alten und undichten Fenster gegen moderne, isolierte Fenster aus, wird die Wohnung plötzlich „luftdicht“. Die natürliche Infiltration (unbeabsichtigter Luftwechsel durch Ritzen) fällt weg. In diesem Moment erlischt oft der Bestandsschutz, und Sie müssen ein Lüftungskonzept erstellen lassen. Häufig bedeutet das: Eine elektrische Lüftung muss nachgerüstet werden, um Schimmel zu vermeiden.
Als Vermieter sind Sie zudem in der Pflicht, die Mietsache in einem Zustand zu erhalten, der vertragsgemäßen Gebrauch ermöglicht – und dazu gehört ein schimmelfreies Bad. Eine funktionierende Lüftung ist also auch eine rechtliche Absicherung.
Technische Lösungen: Wie lüftet man ein Bad ohne Fenster?
Wenn baulich kein Fenster möglich ist, muss die Technik ran. Wenn Sie nach Lösungen für die Lüftung für ein Bad ohne Fenster suchen, werden Sie auf zwei Hauptkategorien stoßen: passive Systeme und aktive, motorbetriebene Systeme.
1 Passive Schachtlüftung: In vielen älteren Mehrfamilienhäusern gibt es im Bad ein Gitter in der Wand oder in der Decke, das zu einem zentralen Schacht führt. Dieser Schacht läuft vertikal durch das Haus und endet über dem Dach.
- Funktionsweise: Warme Luft steigt nach oben (Kamineffekt) und zieht über den Schacht ab.
- Das Problem: Dieses Verfahren ist wetterabhängig und oft wenig effektiv. Im Sommer, wenn es draußen warm ist, funktioniert der Kamineffekt kaum. Zudem können Gerüche oder Schall aus anderen Wohnungen übertragen werden, wenn die Rückschlagklappen nicht dicht sind. Für moderne Ansprüche an den Feuchteschutz reicht dies oft nicht mehr aus.
2 Ventilatorgestützte Systeme: Heute ist der Einsatz von Ventilatoren (Abluftsystemen) Standard. Hier unterscheidet man zwei Bauweisen:
- Dezentrale Entlüftung (Einzellüfter): In jedem Bad sitzt ein eigener kleiner Ventilator, der die Luft entweder direkt durch die Außenwand bläst (Kernbohrung nötig) oder in einen gemeinsamen Schacht drückt.
- Zentrale Entlüftung: Ein großer Ventilator (oft auf dem Dach oder im Keller) saugt permanent Luft aus allen Bädern des Hauses über ein Röhrensystem ab. Im Bad selbst ist nur ein Ventil, aber kein Motor zu hören. Das ist besonders geräuscharm.
Wichtige Merkmale moderner Lüfter
Damit die Technik wirklich vor Schimmel schützt, sollten Sie auf folgende Funktionen achten:
- Nachlaufsteuerung: Ein absolutes Muss. Viele alte Lüfter sind an den Lichtschalter gekoppelt. Licht aus = Lüfter aus. Das reicht aber nicht, um die Feuchte nach dem Duschen zu entfernen. Ein Lüfter mit Nachlauf läuft noch 10 bis 20 Minuten weiter, nachdem Sie das Bad verlassen haben.
- Feuchtesensoren (Hygrostat): Ein eingebauter Sensor misst permanent die Luftfeuchtigkeit. Steigt diese (z. B. beim Duschen) über einen Schwellenwert, schaltet sich der Lüfter automatisch ein. Er läuft so lange, bis die Luft wieder trocken genug ist. Das spart Energie und garantiert Sicherheit, auch wenn Sie das Einschalten vergessen.
- Permanentlüftung: Einige moderne Geräte laufen dauerhaft auf einer sehr niedrigen, unhörbaren Stufe (Grundlast), um eine stetige Frischluftversorgung zu garantieren, und schalten bei Bedarf hoch (Volllast).
Das Prinzip der „Überströmung“: Ein Fehler, der oft gemacht wird: Ein starker Ventilator wird eingebaut, aber die Badtür ist luftdicht geschlossen. Denken Sie daran: Luft, die abgesaugt wird, muss irgendwo nachströmen. Wenn keine Luft ins Bad nachkommen kann, arbeitet der Ventilator gegen einen Unterdruck an und fördert kaum Luft.
Die Lösung: Die Badtür benötigt Lüftungsschlitze (Gitter unten) oder einen sogenannten Türunterschnitt. Das bedeutet, das Türblatt ist unten etwas kürzer, sodass ein Spalt von ca. 5-7 mm zum Boden bleibt. So kann trockene Luft aus dem Flur oder Wohnbereich ins Bad nachströmen (Überströmung), während die feuchte Luft abgesaugt wird.
Praktische Tipps: Richtig lüften im Alltag
Nicht jeder hat die Möglichkeit, sofort eine teure Lüftungsanlage nachzurüsten. Aber auch als Mieter können Sie durch Ihr Verhalten viel bewirken. Wenn Sie wissen wollen, wie Sie ein Bad ohne Fenster lüften, befolgen Sie diese Routine:
1 Die Strategie des „Querlüftens“
Wenn kein Fenster im Bad ist, nutzen Sie das Fenster im nächstgelegenen Raum (meist Flur, Schlafzimmer oder Wohnzimmer).
- Öffnen Sie nach dem Duschen die Badtür weit. Öffnen Sie gleichzeitig im angrenzenden Raum das Fenster komplett (keine Kippstellung!).
- Durch den Durchzug wird die feuchte Luft aus dem Bad in den Nebenraum und von dort direkt nach draußen befördert.
- Wichtig: Schließen Sie die Türen zu anderen kühlen Räumen (z.B. unbeheiztes Schlafzimmer), damit die Feuchtigkeit nicht dorthin wandert und dort an kalten Wänden kondensiert!
2 Wasser sofort entfernen:
Dies ist der effektivste Tipp, der oft unterschätzt wird. Das Wasser, das an den Fliesen und der Duschwand klebt, verdunstet mit der Zeit und erhöht die Luftfeuchtigkeit über Stunden hinweg.
- Nutzen Sie direkt nach dem Duschen einen Abzieher („Flitscher“), um das Wasser von den Wänden und der Glasabtrennung in den Abfluss zu befördern. Wischen Sie Armaturen mit einem Tuch trocken.
- Das Ergebnis: Sie entfernen literweise Wasser in flüssiger Form, bevor es überhaupt verdunsten und die Luft sättigen kann.
3 Richtig heizen:
Kalte Luft nimmt Feuchtigkeit schlecht auf. Ein ausgekühltes Bad ist daher extrem schimmelgefährdet.
- Halten Sie die Temperatur im Badezimmer konstant bei ca. 21 bis 23 Grad Celsius.
- Drehen Sie die Heizung auch im Winter oder bei Abwesenheit nicht komplett ab. Wenn die Wände auskühlen, wird der Taupunkt schneller erreicht, und Wasser schlägt sich nieder.
4 Handtücher richtig trocknen:
Ein klatschnasses Badehandtuch ist eine permanente Feuchtigkeitsquelle. In einem Bad ohne Fenster trocknet es zudem schlecht und fängt an zu müffeln.
- Trocknen Sie Handtücher idealerweise in einem anderen Raum oder auf dem Balkon.
- Falls das nicht geht: Ein Handtuchheizkörper ist in fensterlosen Bädern fast schon Pflicht, um den Stoff schnell zu trocknen und die Raumluft zusätzlich zu erwärmen.
Mit den richtigen Materialien Schimmel vermeiden
Neben Lüftung und Verhalten können Sie Ihr Bad auch durch die Wahl der Materialien widerstandsfähiger gegen Schimmel im Bad ohne Fenster machen.
Wartung der Fugen: Die elastischen Silikonfugen an Dusche und Wanne sind Wartungsfugen. Mit der Zeit werden sie porös oder lösen sich ab. Feuchtigkeit dringt dahinter ein – der ideale Ort für versteckten Schimmel.
- Kontrollieren Sie die Fugen regelmäßig. Sobald Sie schwarze Punkte sehen, die sich nicht wegputzen lassen, sitzt der Schimmel im Material.
- Erneuern Sie altes Silikon. Nutzen Sie dafür spezielles Sanitärsilikon, das pilzhemmende (fungizide) Wirkstoffe enthält.
Die richtige Wandfarbe: Verzichten Sie in fensterlosen Bädern auf normale Dispersionsfarbe oder Papiertapeten. Diese bieten Schimmelpilzen Nährboden.
- Empfehlung: Nutzen Sie Silikatfarbe oder spezielle Feuchtraumfarben. Silikatfarbe ist stark alkalisch (hoher pH-Wert), was Schimmel auf natürliche Weise hemmt. Zudem ist sie diffusionsoffen ("atmungsaktiv"), sie kann also Feuchtigkeitsspitzen kurzzeitig puffern und wieder abgeben.
Pflanzen im Bad ohne Fenster? Oft liest man den Tipp, Farne ins Bad zu stellen. Hier ist Vorsicht geboten. Die meisten Pflanzen brauchen Licht zur Photosynthese. In einem komplett dunklen Bad gehen fast alle Pflanzen ein und verrotten – was wiederum Schimmel fördert.
- Echte Pflanzen funktionieren nur, wenn Sie eine spezielle Pflanzenlampe installieren oder die Tür tagsüber immer offen steht und Licht aus dem Flur hineinfällt.
- Ausnahmen: Extrem robuste Gewächse wie die Zamioculcas (Glücksfeder) überleben auch bei sehr wenig Licht, wachsen dann aber kaum.
- Die sichere Wahl: Setzen Sie auf hochwertige Kunstpflanzen. Diese bringen grünes Flair ins Bad, ohne Biomasse zu sein, die schimmeln könnte.
Fazit: Ein Bad ohne Fenster richtig zu lüften, ist kein Problem
- Ein Bad ohne Fenster ist kein Baumangel, sondern in vielen Wohnungen Realität.
- Wer die Feuchtigkeit aktiv managt, lebt auch hier schimmelfrei und gesund.
- Lüftung ist Pflicht: Nach DIN 18017-3 benötigen fensterlose Bäder eine funktionierende Entlüftung (meist mechanisch), um Bauschäden vorzubeugen.
- Moderne Ventilatoren mit Nachlaufsteuerung oder Feuchtesensor nehmen Ihnen die Arbeit ab und sorgen für Sicherheit.
- Reduzieren Sie Feuchtigkeit an der Quelle, indem Sie Duschwände abziehen und Handtücher in anderen Räumen trocknen.
- Querlüften: Nutzen Sie das Fenster im Nebenraum und öffnen Sie die Badtür weit, um einen Luftaustausch zu erzwingen.
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