Guerilla-Gärtner

Mit Samenbomben die Stadt verschönern

Mit Samenbomben die Stadt verschönern
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Grünoasen in Städten sind rar. Das wollen Guerilla-Gärtner ändern und verschönern mit heimlichen Pflanzaktionen das Stadtbild.

Was sind Guerilla-Gärtner?

In erster Linie geht es Guerilla-Gärtnern darum, vernachlässigte Flächen zu verschönern und damit die Lebensqualität für die Bewohner zu erhöhen. Dabei fragen sie nicht lange, sondern handeln einfach – indem Sie zum Beispiel Samenbomben auswerfen.

Urbane Gärtner bringen Farbe in Deutschlands Städte – hier der Prinzessinnengarten in Berlin.Samenbomben sind kleine Erdkugeln, die brachliegende Flächen zum Blühen und Grünen bringen können.

Inzwischen hat das Überraschungsgärtnern sogar Schule gemacht, und die Anhänger rufen vielerorts öffentlich zu Mitmachaktionen unter Bewohnern und Geschäftsleuten auf.

Wie stellt man Samenbomben her?

Die Samen brauchen eine Trägersubstanz, zum Beispiel ein Gemisch aus Gartenerde und Ton. Die Erde enthält Nährstoffe, die die Samen zum Wachsen brauchen, und der Ton hält alles zusammen. Wenn nur angefeuchtete Erde verwendet wird, bricht meist schon beim Werfen in der Luft alles auseinander, spätestens aber beim Aufprall.

Grundrezept für 6 Samenbomben:

  • 5 EL Erde, 4 EL Tonpulver, 1 TL Samen (gilt für Mohnsamen, von größeren Samen entsprechend mehr)
  • 1 TL Chillipulver (gegen Ameisen und andere Fraßfeinde, kein Muss)
  • 4 TL Wasser (nach und nach hineinträufeln)
  • Falls die verwendete Erde sehr nährstoffarm ist, etwas Flüssigdünger. Alternative: Tee- oder Kaffeesatz (beschleunigt die Keimung ebenfalls)

Mischen Sie die trockenen Zutaten gut durch. Geben Sie das Wasser in kleinen Mengen nach und nach dazu. Dabei ständig rühren, bis Sie einen glatten Teig haben (nicht zu klebrig, nicht zu trocken). Jetzt die Masse in sechs etwa gleich große Stücke teilen und mit den Händen zu einer glatten Kugel rollen.

Sie können die Samenbomben werfen, nachdem sie ein paar Stunden in der Sonne getrocknet und so zu einer stabilen Kugel geworden sind. Oder Sie lassen die Kugeln mindestens 48 Stunden an einem warmen Platz liegen, bis sie ganz ausgetrocknet sind. Dann können sie länger (1–2 Jahre) lagern. Die Samen regen sich erst wieder, wenn sie mit Feuchtigkeit in Berührung kommen.

Welche Samen?

Damit die Bemühung auch wahrgenommen wird, sollten Sie auffällig blühende Pflanzen wie Sonnenblumen, Mohn oder Brunnenkresse auswählen. Verwenden Sie wenn möglich heimische Pflanzen, um das natürliche Gleichgewicht der Tier- und Pflanzenwelt nicht zu stören.

Wohin werfen?

  • Geeignet sind zum Beispiel die Ränder von Fußwegen, Straßenränder, Baumscheiben, Mittelstreifen von Straßen, Kreisverkehre, Bahnstrecken, brachliegende Grundstücke.
  • Grundsätzlich brauchen Samenbomben Sonne und Erdkontakt, um anwachsen zu können.
  • Achten Sie darauf, dass niemand beim Auswerfen zu Schaden kommt.
  • Bringen Sie auch sich selbst beim Werfen nicht in Gefahr.

Was passiert mit den Guerilla-Gärten?

Viele Guerilla-Gärten haben nur eine kurze Lebensdauer, denn sie entstehen oft auf Grundstücken, die als Bauland ausgewiesen sind.

Manchmal passiert es aber, dass ein solcher Spontan-Garten Bestand hat. Wenn sich die Anwohner mitengagieren und ihre neuen Gärten ins Herz schließen, entstehen Nachbarschafts- oder Bürgergärten. Das kann ein Wohnviertel immens aufwerten, und das wiederum überzeugt oft auch Grundstücksbesitzer und Behörden. Es gibt viele positive Beispiele:

  • der Prinzessinnengarten in Berlin,
  • das Gartendeck in Hamburg oder
  • die Initiative O’pflanzt is! in München.
Buchtipps

Mit Samenbomben die Welt verändern,
für Guerilla-Gärtner und alle, die es werden wollen, von Josie Jeffery, Ulmer Verlag, ISBN 978-3-8001-7693-9, 14,90 Euro.

Vom Gärtnern in der Stadt, die neue Landlust zwischen Beton und Asphalt, von Martin Rasper, Oekom Verlag, ISBN 978-3865811837, 19,95 Euro.

Weitere Informationen

www.gartenpiraten.net
www.samenbomben.ulmer.de





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