Farben für Innenräume

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Ein Großteil der Wände wird nach wie vor mit Kunstharz-Dispersionsfarbe gestrichen. Doch es gibt auch Alternativen zu dieser gängigen Wandfarbe.
Klassiker: Die Kunstharz-Dispersionsfarbe
Sie ist die Standard-Wandfarbe: Kunstharz-Dispersionsfarbe ist preisgünstig, in vielen Nuancen und Glanzgraden erhältlich und gut umweltverträglich. Beim Streichen kommt es kaum zu Geruchsbelästigungen, da als Lösemittel Wasser zur Verwendung kommt. Produkte, die mit dem blauen Engel gekennzeichnet sind, wurden auf ihren Gehalt an flüchtigen organischen Verbindungen und an Formaldehyd getestet. Laut DIN EN 13 300 sind die Farben in Qualitätsklassen eingeteilt. Sie definieren die Qualität der Produkte anhand der vier Kriterien Nassabriebbeständigkeit, Kontrastverhältnis (=Deckvermögen), Glanz und maximale Korngröße. In der Kategorie „Nassabriebbeständigkeit” beschreibt die Klasse 1 die höchste, die Klasse 5 die niedrigste Qualitätsstufe. Das Deckvermögen ist in vier Klassen unterteilt, wobei wiederum Klasse 1 die beste Wahl ist. Die Kategorien „Glanz” und „Korngröße” sind keine Qualitätskriterien, sondern beschreiben Eigenschaften der Farbe. Die meisten Dispersionsfarben sind heute strukturlos, also mit „feiner Korngröße”.
Mineralische Silikatfarbe
Wer direkt auf Putz streicht, kann zu mineralischen Silikatfarben greifen. Sie verkieseln mit dem Untergrund und sind sehr diffusionsoffen und waschfest. Außerdem sind sie alkalisch und wirken deshalb auf natürliche Weise desinfizierend. Bei der Verarbeitung sollten Handschuhe und Schutzbrille getragen werden. Reine Silikatfarbe besteht aus zwei Komponenten: Flüssigkeit (Wasserglas) und Pulver (Pigmente, Füllstoffe). Nachteil: Die Farbe muss einen Tag vor der Anwendung angerührt werden, und sie kann nur 1-2 Tage aufbewahrt werden. Im Handel wird daher die Zweikomponentenfarbe oft als fertiges System – als so genannte Silikat-Dispersionsfarbe – angeboten, welche allerdings auch einen gewissen Anteil an Kunststoffen enthält.
Naturharzdispersion
Im Gegensatz zur gängigen Kunstharzdispersionsfarbe ist die Naturharzdispersion aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. Dank ihrer ausschließlich natürlichen Inhaltsstoffe können die Farbreste sogar auf dem Kompost entsorgt werden. Die Zeitschrift Öko-Test hat allerdings in ihrem Jahrbuch 2008 den Naturfarben ein nicht durchweg positives Zeugnis ausgestellt. Unten auf dieser Seite finden Sie einen Link zum Artikel.
Die historischen Farben
Bei der Denkmalsanierung kommen sie immer schon zum Einsatz, aber auch in Wohnräumen erleben die althergebrachten Anstriche eine Renaissance. Kalk-, Kalkkasein- oder Leimfarben werden von Naturfarbenherstellern als alternative Wandanstriche angeboten und kommen ganz ohne synthetische Zusätze aus.
Kalkfarbe eignet sich aufgrund ihrer schimmelhemmenden Wirkung für feuchte Räume wie beispielsweise den Keller. Sie ist alkalisch und wirkt deshalb auf natürliche Weise desinfizierend. Bei der Verarbeitung sollten Handschuhe und Schutzbrille getragen werden. Kräftige Farbtöne lassen sich mit reinen Kalkfarben nicht realisieren.
Kaseinfarbe wird als Pulver angeboten und muss kurz vor der Anwendung angerührt werden. Um das aus Milcheiweiß gewonnene Kasein vor Bakterien und Pilzen zu schützen, kann Kalk zugesetzt werden. Kaseinfarbe ist sehr diffusionsoffen und kann auf Raufasertapete sowie auf alle mineralischen Untergründe gestrichen werden.
Leimfarben sind frei von Konservierungsstoffen und Entschäumern und daher sehr gut für Allergiker geeignet. Bei Leimfarbe ist allerdings Vorsicht geboten: Soll die Wand später mal wieder mit Dispersionsfarbe gestrichen werden, muss die Leimfarbe zuvor mühsam abgewaschen werden!
