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Ein Zertifikat für das Haus und seinen Energieverbrauch

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Über Höchstgeschwindigkeit oder Spritverbrauch ihres fahrbaren Untersatzes wissen die meisten Autofahrer bestens Bescheid. Als Hausbesitzer nach dem Jahresenergieverbrauch gefragt oder nach den Dämmdicken der Außenwände, dürften dagegen wohl viele die Antwort schuldig bleiben. Der neue Energiepass soll den Besitzern exakt zeigen, wo ihr Haus energetisch einzuordnen ist. Holen Sie sich dafür einen qualifizierten Energieberater ins Haus.

Grundlage für den Energiepass ist die „Europäische Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden”.
Das Zertifikat soll über alle Gebäudeeigenschaften informieren, die unmittelbar mit der Erzeugung und dem Verbrauch von Wärme zu tun haben. Das führt bei Alt- und Neubauten zu einer Transparenz, wie sie beim Spritverbrauch eines Autos seit langem vorhanden ist. Dazu wird das Gebäude genau untersucht, um die wichtigsten Kennziffern zu ermitteln, beispielsweise Aussagen über die Baukonstruktion, Baumaterialien sowie Wände, Decken, Treppen, Dach, Fenster oder Türen. Auch die technische Ausrüstung wie Heizungsanlage, Warmwasserbereitung oder Sanitäranlagen wird überprüft.

Mehrfamilienhäuser benötigen generell einen Energiepass, Ein- oder Zweifamilienhäuser nur, wenn sie vermietet oder verkauft werden sollen. So können Käufer und Mieter schnell erkennen, welche Sanierungsmaßnahmen notwendig sind und welche Nebenkosten auf sie zukommen.

Neue Berufsgruppe
Wer sein schon älteres Haus energetisch sanieren will, benötigt heute eine detaillierte, maßgeschneiderte Energiesparberatung, möglichst mit Kosten- und Wirtschaftlichkeitsberechnungen. Das können nur lizenzierte Experten, die Energieberater, leisten. Sie bilden eine neue Berufsgruppe und müssen eine Mindestqualifikation vorweisen. Zu ihnen gehören Architekten ebenso wie Schornsteinfeger oder Energieberater des Baustoffhandels. Von Schnelltests selbsternannter Fachleute oder von Ferndiagnosen, die Aussagen auf der Grundlage allgemeiner Prüflisten treffen, ist abzuraten. Es empfiehlt sich eine „Vor-Ort-Beratung”, in der dann der Energiepass als Nebenprodukt mitenthalten ist. Das Zertifikat selbst kostet bei der Analyse eines Einfamilienhauses, je nach Gebäudezustand, ab 300 Euro und ab 400 Euro bei einem Mehrgeschossgebäude.

Der geplante Gebäude-Energiepass ermöglicht es erstmals, den Energiebedarf einer Gebrauchtimmobilie mit dem eines Neubaus zu vergleichen. Das war bisher durch unterschiedliche Bezeichnungen, Klassifizierungen und Berechnungsmethoden nur Fachleuten möglich. Auf dem bundeseinheitlichen Energiepass kann dagegen jeder Interessent ganz einfach ablesen, ob er künftig mit hohen oder niedrigen Energiekosten rechnen muss und ob sich ein vermeintlicher Preisvorteil beim Hauskauf auch auf lange Sicht auszahlt.

Tipps zum Energiepass und zu verlässlichen Energieberatern:

Interview mit einem Energieberater
Besitzer eines Wohnhauses können beim Erwerb des Energiepasses mit einer ausführlichen Beratung rechnen. Dabei klärt der Energieberater vor allem über folgende Schwerpunkte auf: baulicher Wärmeschutz, Haustechnik, regenerative Energien, richtiges Heizen und Lüften sowie Strom sparen.

Hausbesitzer (H): Wir denken zwar im Moment nicht daran, unser Einfamilienhaus zu verkaufen, wollen aber doch wissen, durch welche Schwachstellen Wärme verloren geht, um gegebenenfalls darauf reagieren zu können. Wie können Sie uns dabei helfen?
Energieberater (E): Es gibt zwei Möglichkeiten. Bei der ersten, dem Kurzverfahren, stelle ich bei meiner Hausbegehung nur fest, welche Mauersteine beispielsweise beim Bau verarbeitet wurden oder wie alt die Heizung ist, das heißt es geht um die Bauteil- und Anlagentypen. Das ergibt schon eine ziemlich präzise Beurteilung, die Aufschluss über den Zustand des Hauses gibt.
H.: Vor zwei Jahren haben wir alle Fenster erneuert. Würde so etwas in Ihrer Berechnung berücksichtigt?
E.: Ganz sicher, denn damit haben Sie ja schon einen ersten Schritt getan, den Ausstoß von Kohlendioxyd zu vermindern. Aber nochmals zu den Untersuchungsvarianten. Viel aussagefähiger für Sie ist das ausführliche Verfahren, bei dem ganz konkrete Angaben gemacht werden können. Ich schaue mir die Verbrauchsabrechnungen an und bewerte alle Gegebenheiten vor Ort. Dazu gehören das Baujahr der Heizung ebenso wie die Wärmedurchgangswerte der Mauern, die Isolation von Rohren oder die Dämmung der Außenmauern, von Kellerdecke und Dachboden.
H.: Da kann ja eine ganze Menge zusammen kommen. Denken Sie auch an unseren Geldbeutel?
E.: Keine Angst, der Energiepass kostet ein paar hundert Euro, nicht mehr. Und mit der Sanierung müssen Sie ja nicht sofort anfangen. In dem Fall wird der aktuelle Stand im Pass eingetragen. Ich bereite Ihnen aufgrund der Daten in meinem Aufnahmebogen ein energetisches Gutachten vor. Darin sind Vorschläge enthalten, welche Energiesparmaßnahmen sinnvoll sind. Die Berechnungen können natürlich immer nur den theoretischen Energieverbrauch des sanierten Hauses ermitteln, da kein Berater das individuelle Nutzerverhalten der Bewohner kennt.
H.: Nochmals zu den Kosten. Wenn sehr viel umgebaut und investiert werden müsste, wären wir wohl gezwungen, die Maßnahmen auf mehrere Jahre zu verteilen. Wäre das möglich?
E.: Natürlich. Wenn ich die Daten aufgenommen habe, berechne ich Kosten und Wirtschaftlichkeit. In einem Ablaufplan liste ich die Möglichkeiten auf, Ihr Haus energetisch auf den neuesten Stand zu bringen. Wir picken uns dann heraus, was für Sie bezahlbar ist und trotzdem den Kern unseres Bemühens trifft – den Energieverbrauch zu reduzieren. Außerdem gebe ich Ihnen noch einige Hinweise, wie der Staat Sanierungen fördert.
H.: Und wann kommen wir zu unserem Energiepass?
E.: Da Sie zunächst einmal investieren wollen, um einen besseren Energiepass zu erhalten, sollten wir ihn erst nach der Sanierung ins Auge fassen, ganz gleich, ob Sie ein volles Programm oder ein reduziertes durchziehen. Jedenfalls zeigt er danach exakt, wo das Gebäude energetisch einzuordnen ist. Wenn Sie in einigen Jahren nachbessern, wird der Pass, der insgesamt zehn Jahre gültig ist, entsprechend aktualisiert.

Weiterführende Informationen: