Möbel restaurieren (Teil 2): Statik

- Schraubzwingen leisten beim Neuverleimen eines alten Möbels gute Dienste. Foto: Rainer-Sturm-pixelio
Ein Stuhl, der wackelt, ist nichts wert. Bevor man bei alten Möbeln die Oberfläche auffrischt, gilt es, die Statik wieder herzustellen.
Wichtiges vorab
Damit Sie wissen, in welche Kategorie Ihr Möbel gehört, sollten Sie zuvor Teil 1 „Grundlagen Möbelrestaurierung” unserer Serie lesen. Natürlich müssen Sie bei einem Biedermeierstück wesentlich behutsamer vorgehen als bei einem Sperrmüllschrank. Wenn Sie unsicher sind, sollten Sie einen Fachmann zu Rate ziehen.
Vorsichtige Demontage
Wenn Verbindungen lose sind, müssen Sie das Möbel so weit es geht demontieren. Entfernen Sie alte Beschläge, und reinigen Sie diese, beispielsweise mit feiner Stahlwolle.
Rütteln Sie an den bestehenden Verbindungen. Wenn diese lose sind, sollten Sie diese vorsichtig trennen. Gute Dienste leistet hier ein Hammer, mit dem die Teile auseinander geklopft werden. Legen Sie auf jeden Fall ein sauberes Stück Holz zwischen Hammer und Werkstück, um die Oberfläche nicht zu beschädigen. Kennzeichnen Sie die Verbindungsstücke mit Zahlen oder Buchstaben, nehmen Sie dazu eventuell Kreppband zu Hilfe. Eine klare Kennzeichnung erleichtert die Arbeit beim Wiederzusammensetzen ungemein.
Neu verleimen
Säubern Sie alle Verbindungen. Alter, splitternder Leim kann mit dem Stemmeisen vorsichtig abgekratzt werden. Das Holz dabei nicht beschädigen!
Beim Verleimen ist Schnelligkeit gefragt, denn der Leim bindet rasch ab, es bleibt eine kurze Zeitspanne, um das Möbel sauber auszurichten. Letzteres ist wichtig, denn bei einem schlecht ausgerichteten Möbel passen später beispielsweise die Türen nicht, oder es steht nicht plan auf dem Boden. Eine gute Vorbereitung ist also das A und O. Richten Sie sich alles, was Sie zum Verleimen brauchen, her: Schraubzwingen, Holzunterlagen (als Schutz zwischen Zwinge und Möbel), Holzleim, Winkel und Meterstab zum Messen des Ergebnisses. Bei komplizierten Stücken sollte die Verleimung auf jeden Fall zuvor trocken probiert werden.
Das Möbel sollte auf einem planen Untergrund stehen. Oft bietet sich eine Holzplatte (beispielsweise eine ausgemusterte Türe) auf Böcken an – damit ist auch eine komfortable Arbeitshöhe gegeben. Zwei Zulagen halten und gleichzeitig die Zwinge sauber anlegen, das schafft man kaum alleine. Wer keinen Helfer hat, kann sich bei einfachen Stücken auch mit Kreppband, das eine der Zulagen hält, behelfen.
Wenn alle Zwingen sitzen, muss geprüft und ausgerichtet werden: Sind alle Verbindungen richtig zusammengefügt? Messen Sie die Diagonalen, Sie müssen genau gleich lang sein.
Wenn die kreuzweisen Diagonalen exakt gleich lang sind, ist das Möbel gut ausgerichtet.
Prüfen Sie das Möbel optisch: Fluchten die Beine aus jeder Richtung? Stimmen die Fluchten Vorder- und Hinterkante? Durch leichtes Verschieben der Zwingen kann das Möbel perfekt ausgerichtet werden. Unerfahrene sollten zuvor am „trockenen” Werkstück das Verschieben der Zwingen ausprobieren.
Zum Verleimen kann handelsüblicher Holzleim verwendet werden. Wer stilecht restaurieren möchte, nimmt den früher üblichen Knochenleim. Die Verarbeitung ist aufwendiger, da der Leim erwärmt werden muss.
Schraubverbindungen
Eine Möbeloberfläche sollte nicht mit sichtbaren Schrauben verunstaltet werden. Für vorhandene Schraubverbindungen gilt: Wenn die alten Schrauben noch zu gebrauchen sind, sollte man sie wieder verwenden. Schlitzschrauben sollten durch solche ersetzt werden. Zur Stabilisierung können an unsichtbarer Stelle Verstärkungen eingebaut werden (Abb. links).
Unterseite eines Stuhls: Zur Aussteifung können von unten Klötze in die Ecken geleimt und geschraubt werden.
