Fliesen: Kleine Materialkunde

- Modernes Bad-Design mit Steingut-Fliesen, Foto: Steuler
Sie sind belastbar, langlebig und leicht zu reinigen. Doch Fliese ist nicht gleich Fliese. Qualität, Oberfläche und Format sollten dem Einsatzbereich entsprechen.
Inhaltsstoffe von Fliesen
Grundmaterial zur Fliesenherstellung ist Ton, welchem verschiedene mineralische Rohstoffe beigemischt werden. Die Inhaltsstoffe haben unter anderem Einfluss auf die Dichte der Fliese. Je weniger Wasser eine Fliese aufnehmen kann, desto unempfindlicher ist sie gegen Frostschäden. Laut DIN EN ISO 14411 werden keramische Fliesen nach ihrem Wasseraufnahmevermögen in fünf Gruppen unterteilt (Ia, Ib, IIa, IIb, III). Fliesen und Platten der Gruppen Ia und Ib sind für den Außenbereich geeignet.
Steingut
Die Wasseraufnahmefähigkeit ist bei Steingut relativ hoch, zum Schutz der Oberfläche muss eine keramische Glasur aufgeschmolzen werden. Weiter unten finden Sie eine übersicht der Glasur-Abriebklassen. Die Fliesen eignen sich für den Innenbereich und dort vor allem für die weniger beanspruchte Wandfläche.
Wandfliese aus Steingut. Ihre vielfältigen Dekorationsmöglichkeiten sind ein entscheidender Vorteil. Der Boden ist mit Steinzeug belegt. Foto: Fliesenverband
Steinzeug
Steinzeug gibt es in unterschiedlichen Qualitäten – für innen und außen. Die mechanische Festigkeit ist höher und die Wasseraufnahmefähigkeit geringer als die von Steingut. Es ist glasiert und unglasiert erhältlich und für Wand- und Bodenverfliesung geeignet.
Feinsteinzeug
Eine Variation von Steinzeug ist Feinsteinzeug. Das Material zeichnet sich durch eine sehr geringe Wasseraufnahmefähigkeit aus. Die Fliesen haben eine sehr hohe Verschleißfestigkeit, können an Wand und Boden, drinnen oder draußen verlegt werden.
Auf eine Glasur kann grundsätzlich verzichtet werden, aus optischen Gründen sind die Fliesen manchmal glasiert. Die sehr dichte Struktur von Feinsteinzeug ermöglicht elegante Fliesenentwürfe, hat aber Nachteile: Zur Verklebung ist spezieller Kleber nötig, der in der Verarbeitung weniger fehlertolerant ist als der gängige Mörtel.
Aus optischen Gründen können Feinsteinzeugfliesen vom Boden an der Wand weitergeführt werden. Foto: Fliesenverband
Spaltplatten
Wer die rustikale Anmutung liebt, kann auf Spaltplatten zurückgreifen. Die Einsatzbereiche sind, wie bei Steinzeug, vielfältig. Sie sind für den Innen- und Außenbereich geeignet. Spaltplatten werden meist mit breiteren Fugen verlegt, die Fliesenformate sind eher klein (maximal zirka 30 x 30 Zentimeter).
Spaltplatten sind eine stilistische Alternative. Charakteristisch ist die rötliche Farbe. Foto: Fliesenverband
Cotto
Die aus Italien stammenden Fliesen und Platten aus Terrakotta sind für Innenräume sowie für den Außenbereich erhältlich. Zum Schutz vor Flecken können die Platten in Innenräumen geölt, gewachst oder poliert werden. Im Außenbereich darf das Material nicht gewachst werden, die Wachsschicht würde eingedrungenes Wasser am Ausdiffundieren hindern. Grundsätzlich sollte man sich bei der Oberflächenbehandlung nach den Empfehlungen der Hersteller richten.
Wer echtes Cotto verlegt, muss den Boden regelmäßig pflegen. Foto: Cottohof
Oberflächen: Klassen von Glasuren
Glasuren ermöglichen vielfältige Dekore, bei Steingut sind sie aufgrund der geringen Materialdichte unerlässlich. Die Abriebhärte glasierter Fliesen hängt allein von der Güte der Glasur ab. Glasierte Fliesen sind in verschiedene Klassen eingeteilt. Die folgenden Klassen geben lediglich Aufschluss über die Glasur, sie sagen nichts über die Frostempfindlichkeit aus.
Beanspruchungsgruppen
Gruppe 1: Nur als Wandfliese geeignet (wird selten angeboten)
Gruppe 2: Leichte Beanspruchung im privaten Bereich (beispielsweise im Schlafzimmer) für Wand und Boden
Gruppe 3: Bodenfliese für normale Beanspruchung im Wohnbereich (Wohnzimmer, Schlafzimmer)
Gruppe 4: Bodenfliese für stärkste Beanspruchung im privaten Bereich (Hauseingang)
Gruppe 5: Bodenfliese für Beanspruchung im öffentlichen Bereich (Schulen, Einkaufszentren)
Rutschsicherheit von Fliesen
Nach der DIN 51130 sind Fliesen, was die Rutschsicherheit angeht, nach R-Werten eingestuft (R9-R13). Je höher der Wert, desto rutschhemmender (aber auch schlechter zu reinigen) ist der Belag. Im Gegensatz zum öffentlichen Bereich gibt es im Privaten allerdings keine Vorgaben, was die Rutschsicherheit von Fliesen angeht. In privaten Schwimmbädern oder Saunen können allerdings spezielle Rutschhemmende Fliesen oder Keramiken für „nassbelastete Barfußbereiche“ zum Einsatz kommen.
Auch der Fugenanteil trägt übrigens zur Rutschsicherheit bei: Ein hoher Fugenanteil, wie beispielsweise bei Mosaikfliesen, macht den Boden auch bei Feuchtigkeit trittsicher, während großformatige Fliesen bei Nässe Rutschgefahr bergen.
