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Deutsche Baustile – traditionell oder modern

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Ein neues Haus mit traditionell großem Tor, das heute als Zugang zum Garten dient. Foto: Emil von Elling

Im Süden trifft man auf Häuser aus Holz, im Norden dominiert Klinker, und auch Fachwerk ist in Deutschland weit verbreitet. Ein Überblick über Tradition und moderne Interpretation.

Wind und Wetter zum Trotz

Holzhaus, Fachwerk, Klinkerfassade – die regionaltypischen Ausprägungen orientieren sich an den Landschaften und am Lebensstil der Menschen. Früher standen die Baumaterialien vor Ort im Mittelpunkt. In waldreichen Regionen war Holz das Material der Wahl, anderenorts griffen die Menschen auf die lokalen Stein- und Lehmvorkommen zurück.
Auch das Klima spielte eine Rolle. So mussten die Häuser im Alpenvorland für die alljährlichen Schneemassen gewappnet sein, an der Küste galt es, der rauen Meeresbrise zu trotzen. Langlebige Konstruktionen waren hier wie dort das Ziel. Erst im zweiten Schritt wurden die Häuser – je nach Budget – mit traditionellen Elementen verziert.
Heute sind es nicht selten die Bauämter, die darüber wachen, dass bestimmte Stilmerkmale weiterbestehen. Das bedeutet aber nicht, dass Bauherren wie vor 200 Jahren bauen müssen. Modern interpretiert, wirkt regionaltypische Architektur mitunter besonders authentisch.

Der Alpenraum – Bauen mit Holz

Im Süden bringen die Jahreszeiten extreme Witterungsbedingungen mit sich. Holz steht als Baustoff im Mittelpunkt – die Winter sind kalt, und das Naturmaterial bietet eine sehr gute Wärmedämmung. Typisch ist auch die zweigeteilte Fassade: im oberen Bereich mit Holzschalung versehen, im unteren Bereich weiß verputzt. Ein breiter Dachüberstand schützt die Fassade optimal vor Schlagregen. Dass das bewährte Prinzip des konstruktiven Holzschutzes funktioniert, beweisen jahrhundertealte Holzhäuser in den Alpenländern.
Neubauten können die gewachsene Holzbautradition funktional und schnörkellos interpretieren, ohne dabei den Bezug zu Material und Landschaft zu verlieren.

tradition-bauweise-SonnleitnerDieser Neubau beweist: Modernste Technik und traditionelle Formensprache sind kein Widerspruch. Foto: Sonnleitner



Holzbau modern interpretiert. Foto: Baufritz

 

 

 


Ausgefeilte Fachwerkkunst

Generell ist die Fachwerkbauweise so weit verbreitet – auch in anderen Ländern –, dass man sie nicht regional zuordnen kann. In Deutschland sind nur die südlichen Teile Bayerns weitgehend fachwerkfrei. Tragende Gerüste aus Holz sind bei diesen Bauwerken mit einem Holz-Lehm-Verbund oder mit Ziegelwerk verfüllt. Je nach Region und Bauepoche zeigen sich unterschiedliche Schmuckelemente. Stadthäuser wohlhabender Bürger präsentieren sich gerne mit farbig reich bemaltem Schnitzwerk. Die letzten traditionellen Fachwerkhäuser entstanden um 1900. Aber auch heute wird die Bauweise noch angewandt – beispielsweise im modernen Fertig- und Holzständerbau. Die Fassaden dieser Häuser werden in der Regel verputzt oder verschalt, so dass das Fachwerk nur konstruktives Element ist. Das war übrigens auch früher vielerorts so. Einige der heute wieder freigelegten Fachwerke waren ursprünglich gar nicht als Sichtfachwerke geplant.
Wer heute den Baustil wieder aufleben lässt, profitiert von den Errungenschaften des modernen Holzbaus. Durch den Einsatz von Balken aus Brettschichtholz sind heute weitaus größere Spannweiten möglich. Durch die Kombination mit großzügigen Glasflächen lässt sich das Gebäude lichtdurchfluten – so dass es mit den kleinteiligen, dunklen Fachwerkhäusern vergangener Zeiten nur noch den Einsatz einer Holzkonstruktion gemein hat.

fachwerkbau-modern-HufModerner Fachwerkbau: Leimbinder ermöglichen große Spannweiten. Foto:Huf

 

 

 


Klinker im Norden

Im Norden Deutschlands sind die traditionellen Fachhallenhäuser zuhause – auch Niedersachsenhäuser genannt. Hier lebten Mensch und Tier unter einem Dach. Auf der Giebelseite dominierte das große Dielentor. Es diente als Einfahrt für die Erntewagen, gewohnt wurde im hinteren Teil des Hauses. Auf der Schauseite des Gebäudes gab man sich mit Verzierungen besondere Mühe: Rahmen und Torbalken der „Grote Dör”, des Dielentors, schmücken heute noch Inschriften und Verzierungen, auf den Giebelspitzen thronen die typischen gekreuzten Holzbretter mit stilisierten Pferdeköpfen. 
Oben im Norden pfeift der Wind übers Land. Dem rauen und oft feuchten Klima an der See haben die Bauherren den Klinkerstein entgegengesetzt. Der Ziegel wird bei hohen Temperaturen aus Ton gebrannt, was ihn zu einem widerstandsfähigen Fassadenmaterial macht. Traditionell sind Klinkeraußenwände zweischalig aufgebaut – mit einer Luftschicht zwischen Klinker und tragender Wand. Bei Neubauten versteckt sich hinter der harten Schale eine energiesparende Wärmedämmschicht. An bestehenden Gebäuden kann unter Umständen auch nachträglich eine Dämmung vorgenommen werden. Es muss im Einzelfall geprüft werden, wie breit die Luftschicht ist, und ob im Hohlraum Stein-, Schutt- oder Mörtelreste zu Wärmebrücken führen können. In den Zwischenraum wird dann beispielsweise ein Wasser abweisender Schüttstoff verfüllt. Klassiker bei den Klinkern ist der rote Ziegel, für den sich Bauherren an Ost- und Nordsee meist entscheiden. Edel wirkt auch dunkler Klinker.

Klinker ganz modern.
Foto: Gussek